Der grösste Sitzplatz der Schweiz

Endlich Frühling: Die Zürcher nehmen den neuen Sechseläutenplatz in Beschlag. Und machen aus ihm einen gigantischen Mittagstisch.

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Frühling in Zürich: Die Schlange vor dem Vorderen Sternen ist lang, die Stühle im Innern sind leer. Das Volk isst seine Wurst auf dem Sechseläutenplatz, dem grössten Sitzplatz der Schweiz. Kurz nach zwölf Uhr sind die 15'000 Quadratmeter schon so gut gefüllt, dass Velofahrer Slalom fahren müssen. Um Schülerinnen im Schneidersitz, die in Grüppchen ihre Hörnlisalate, Melonenschnitze und Sandwichs verzehren. Um Kinderwägen, Doggen und Jogger.

«Es ist gar nicht mal so warm», sagt einer. «An der Sonne schon», meint der andere. Das täusche eben, sagt der Skeptiker: «Und morgen sind wir erkältet.» Tatsächlich zeigt das Thermometer 17 Grad an, der Himmel ist makellos blau, es bläst bloss ein schwacher Wind. Wetter, das einen vor dem Kleiderschrank verzweifeln lässt. Die meteorologische Unentschiedenheit spiegelt sich in der Mode. Man sieht: Wintermäntel, T- Shirts, Mützen, Cargo-Shorts, Kurzarmhemden, Rollkragen und Tanktops – der Sommer steckt in der Pubertät.

«Wo sind er, Mann?»

Immer mehr Leute kommen, lassen sich nieder, stets mit ein paar Metern Sicherheitsabstand zur nächsten Menscheninsel. Nur eine junge Frau steht einige Zeit verloren da, Telefon am Ohr, die Augen zusammengekniffen. Auf ihrer Baumwolltasche steht «No Clue», keine Ahnung, vermutlich sucht sie ihre Freundinnen: «Wo sind er, Mann?» Irgendwann erhebt sich irgendwo eine Hand, und die junge Frau legt auf.

Um halb eins herrscht maximaler Betrieb auf dem Platz. Richtig eng ists aber nur auf der Treppe im Schatten des Opernhauses. Dort, wo man die beste Sicht auf das Zürcher Frühlingserwachen hat: Pärchen, die Rücken an Rücken auf dem warmen Valser Quarzit liegen, Kondensstreifen zählen und den Sommer planen, «Blick»-Reporter, die ihre Bratwürste vom Sternen-Grill endlich sitzend geniessen können, Damen vom Zürichberg, die sich im Café Collana mit Prosecco für den nachmittäglichen Shoppingtrip stärken.

Eine halbe Stunde später brechen die Leute auf. Die leeren Plastikschalen und Wurstpapiere nehmen sie mit. Nur eine zerknitterte Gratiszeitung, die eben noch als Sitzunterlage diente, bleibt liegen. Am Wochenende soll der Winter zurückkommen.

Erstellt: 20.03.2014, 17:09 Uhr

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