Reisen

Die Top-Destinationen der Last-Minute-Kunden

Schweizer tendieren zunehmend in Richtung Last-Minute-Reisen. Warum das so ist und welche Destinationen besonders gefragt sind.

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Regen, Sonne, Hagel: «Nicht mit mir», sagten sich in den letzten Wochen viele Schweizer und verreisten kurzfristig irgendwohin, wo man sich noch auf das Wetter verlassen kann. Roland Schmid, Sprecher von TUI Suisse, bestätigt den Trend gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet: «Wegen des instabilen Wetters gab es in den letzten Wochen eine starke Nachfrage nach Last-Minute-Angeboten – besonders für den Beginn der Sommerferien.» Die Buchungen träfen diesen Sommer noch kurzfristiger ein als in derselben Zeit 2011. «Das Motto lautet zurzeit: Meer und Sonne statt Bergsee und Regen.»

Bei den kurzfristigen Reisen werden laut Schmid vor allem diejenigen Destinationen gebucht, die über das grösste Angebot an Flügen und Hotels verfügen. Dazu gehören im Allgemeinen die Kanaren mit Teneriffa und Gran Canaria. Bei den Familien sind dies Mallorca, Menorca, Kreta, Kos und Rhodos. Sogar Griechenland habe in letzter Zeit angezogen, weiss der TUI-Sprecher. «Dank den Wahlen und der Beibehaltung des Euro hat sich die Situation dort rechtzeitig zur Sommerferienzeit stabilisiert. Die Kunden haben wieder zunehmend Vertrauen in die Destination.» So verzeichnet TUI Suisse für Griechenland in letzter Zeit wöchentlich ein zweistelliges Plus gegenüber dem Vorjahr.

Das Päckli stirbt nicht aus

Die landläufige Vorstellung, dass Familien oft früh ihre Ferien buchen, ist am Bröckeln – zumindest beim Last-Minute-Anbieter L’tur. Schweiz-Chef Andreas Kindlimann schätzt, dass etwa 20 Prozent mehr Familien als 2011 solche Reisen buchen. Auch insgesamt steige die Nachfrage nach Last-Minute-Ferien, und es werde kurzfristiger gebucht – zum Teil erst einen bis zwei Tage vor Abflug. Zudem gehe der Trend in Richtung gehobene Hotels mit vier bis fünf Sternen. «Überhaupt sind Paketferien – also mit Flug und Hotel – nach wie vor sehr gefragt. Bei L’tur machen sie etwa 75 bis 80 Prozent der Buchungen aus, der Rest sind Buchungen einzelner Leistungen.» Kindlimann ist überzeugt: «Das Päckli stirbt nicht aus, denn viele schätzen es, wenn ihre Reise organisiert wird.»

«Unsere Last-Minute-Angebote laufen sehr gut, besser als 2011», fährt er fort. «Dazu trägt auch der günstige Eurokurs bei.» Vor allem Griechenland und Ägypten würden stark nachgefragt. Beliebt seien auch Spanien, Dubai und Abu Dhabi. Ab Bern und Friedrichshafen seien in diesem Sommer mehr Last-Minute-Reisen verfügbar, weil das Flugangebot ausgebaut wurde.

«Kunden verhalten sich immer opportunistischer – wie Trüffelschweine»

In Sachen Kurzfristigkeit tönt es bei Hotelplan Suisse anders: «Last-Minute-Angebote haben in den letzten Jahren an Bedeutung verloren», sagt Sprecher Valentin Handschin auf Anfrage. «Heute bieten wir viel weniger Last-Minute-Angebote an, weil wir unsere Kapazitäten flexibler planen.» Besonders gefragt bei der Reisemarke Hotelplan waren letzte Woche die Last-Minute-Angebote nach Hurghada (Ägypten), Gran Canaria und Rhodos. Handschin stellt fest, dass sich die Kunden immer opportunistischer verhalten, «wie Trüffelschweine»: Sie suchten schnell und ständig nach Angeboten und Preisen, um das günstigste Angebot zu erhalten.

Laut Hotelplan-Suisse-Sprecher haben aber auch langfristige Buchungen an Akzeptanz gewonnen. «Unsere Frühbucherrabatte geben einen Anreiz, um die Ferien früher zu buchen. Gerade Familien mit schulpflichtigen Kindern sind zeitlich weniger flexibel, um spontan Last-Minute-Angebote zu buchen. Deshalb buchen sie ihre Ferien gerne bewusst schon einige Monate vor der Abreise.» So werden beispielsweise Reisen in die USA und Kanada tendenziell früher gebucht, weil die Aufenthalte vor Ort länger dauern und meistens mehr Organisation erfordern – etwa bei der Miete von Motorhomes.

Griechenland zieht wieder an

Bei Kuoni sind generell etwas weniger Last-Minute-Buchungen im Vergleich zu 2011 verfügbar, da die Flugkapazitäten gegenüber dem Vorjahr tiefer sind. Wie Sprecher Simon Marquard gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet sagt, hat das kurzfristige Geschäft in den letzten Wochen aber zugenommen. Besonders populär sind die Destinationen Balearen, Türkei, Zypern und Kanaren.

Auch Griechenland sei beliebt, werde allerdings sehr kurzfristig gebucht. «Die Leute warten die Lage dort ab. Wenn sie merken, dass sie stabil ist, buchen sie doch noch.» Momentan gebe es noch Angebote nach Kreta und Rhodos, aber auch Tunesien und Zypern. Mit den Buchungszahlen für Griechenland sei man bei Kuoni insgesamt zufrieden, so Marquard. Er rechnet auch für die kommenden Monate mit einer Zunahme an kurzfristigen Buchungen.

Erstellt: 11.07.2012, 11:54 Uhr

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