«Dieser Käse-Pott war mir zu mastig»

Eine chinesische Studentin, die auf einer Couchsurfing-Tour durch Europa reist, beschreibt ihre Eindrücke von Basel.

Grosse Ehre: Yue Yin ist eine von acht Studenten aus China, die nach Basel kommen dürfen.

Grosse Ehre: Yue Yin ist eine von acht Studenten aus China, die nach Basel kommen dürfen. Bild: Lukas Bertschmann

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Die 21-jährige Yue Yin ist seit zweieinhalb Wochen in Basel. Mit der für Chinesen gewohnten Zurückhaltung nähert sie sich dem vereinbarten Treffpunkt für den Interviewtermin. «Ich nehme an einem Kurzseminar an der Universität Basel teil», sagt sie. Es sei für sie eine grosse Ehre, eine von acht Studenten und Studentinnen aus China zu sein, die nach Basel kommen durften. Sie ist in Peking aufgewachsen und studiert nun im dritten Jahr Wirtschaft in der südchinesischen 10-Millionen-Stadt Guangzhou in der Nähe von Hongkong.

Aus Neugier und Budgetgründen habe sie sich dazu entschlossen, nicht in einem Hotel zu logieren, sondern privat unterzukommen: Couchsurfing ist eine beliebte Art, als Rucksacktourist weltweit private Unterkünfte zu finden. Alles, was es dazu braucht, ist die Anmeldung auf dem entsprechenden Internetportal, das wie eine Such-und-find-Börse funktioniert. Damit man jedoch die privat angebotenen und kostenlosen Übernachtungsmöglichkeiten in Anspruch nehmen darf – dem Namen entsprechend meist auf dem Sofa im Wohnzimmer –, muss man im Gegenzug bereit sein, seinerseits Gäste bei sich aufzunehmen.

Der FCB in den Nachrichten

«Privat in einer WG unterzukommen, ist natürlich super. So bekomme ich durch meine Gastgeber viel von Basel mit», sagt Yin. Und so schwärmt sie vom Rheinufer, das ihr gezeigt wurde und das sie nun auch selber besucht. «Peking und Guangzhou sind Orte, wo man nicht so gut leben kann wie hier.» Überall gehe es ziemlich hektisch zu, alle hätten nur die Arbeit im Kopf. Auch gebe es in den beiden Metropolen – verglichen mit dem einladenden Rheinbord und den vielen Parks in Basel – bei Weitem nicht so schöne Orte, wo man seine Freizeit geniessen könne. Im Rhein zu schwimmen, kann sich die 21-Jährige aber nicht vorstellen. «Zu Hause ist es verboten, in Flüssen zu schwimmen», sagt sie, deshalb fehle ihr ohne jegliche Flusserfahrung der Mut, sich von den grünen Fluten treiben zu lassen.

Von der Stadt am Rheinknie hat sie vorher schon gehört: «Es gibt ja die internationalen Finanzwirtschaftsabkommen Basel I und II. Und auch die Uhren- und Schmuckmesse war mir ein Begriff.» Ausserdem habe sie den hiesigen Fussballclub schon in den Nachrichten gesehen. «Kleine Städte wie Basel finde ich sehr praktisch. Man kann überall zu Fuss, mit dem Velo oder dem ÖV hin», sagt Yin. Ihre Eltern, die in Guangzhou arbeiten und wohnen, müssten täglich einen Arbeitsweg von weit über einer Stunde hinter sich bringen. Auch die Luft sei hier in Basel viel besser.

Öffentliches Rauchen verboten

Es sei aber eigenartig, dass alle Läden hier so früh schliessen und auch am Sonntag zu bleiben. Auch bei Museen habe sie schon Pech gehabt. «Ich wollte das lustige Museum in Dornach besuchen, bei dem alle Fenster anders sind», sagt sie und meint das Goetheanum. Dafür habe es beim Basler Rathaus und der Papiermühle mit einem Besuch geklappt. Yin erzählt auch von einem Erlebnis in Basel, das ihr ordentlich Hühnerhaut beschert habe: «Als ich an einem freien Nachmittag unter der Woche in die Stadt gehen wollte, war es richtig unheimlich; auf der Strasse war niemand ausser mir», erzählt sie ungläubig. Zu Hause käme das nie vor. Auch dass Frauen in der Öffentlichkeit rauchen, sei eine Erscheinung, die zu Hause nie zu beobachten sei. Einerseits sei das Rauchen seit fünf oder sechs Jahren in der Öffentlichkeit verboten – auch unter freiem Himmel. Andererseits gebe es kaum weibliche Raucher. Sie habe sich gegenüber den rauchenden Frauen aber nichts von ihrer Verwunderung anmerken lassen. Umgekehrt sei sie von vielen komisch ange­starrt worden, als sie zum Schutz vor der Sonne mit einem Schirm durch die Stadt ging. «Da fühlte ich mich wirklich als Fremde», sagt Yin etwas schüchtern.

Fremd sei ihr auch die hiesige Küche. «Ich habe diesen Käse-Pott versucht. Es war mir aber viel zu mastig», umschreibt sie Fondue. Allgemein würde ihr hier zu eigenartig und viel zu salzig gekocht, weshalb sie sich auch freue, wieder nach Hause zu kommen.

Die Swatch schon gekauft

Obwohl sie erst am Anfang ihrer anderthalbmonatigen Europa-Reise stehe, habe sie doch schon alle Souvenirs zusammen, die sie nach Hause bringen möchte. «Meine Eltern gaben mir beide den Auftrag, eine Uhr zu kaufen. Ich selber habe mir eine Swatch erstanden», sagt sie. Für ihre Grosseltern und Freunde habe sie niedliche Souvenirs mit Kuh- und Alpmotiven gefunden. Unvermittelt fügt sie an: «Aber ich glaube, es stimmt nicht, wenn die Leute sagen, in der Schweiz gebe es mehr Kühe als Menschen.»

Knapp sechs Wochen dauert ihre Europa-Reise jetzt noch. In dieser Zeit wird sie per Zug noch Deutschland, Frankreich, Österreich und Tschechien bereisen. An den nächsten beiden Stationen in Deutschland sei sie schon per Couchsurfing untergekommen. Die restlichen Aufenthalte werde sie auch noch vorher organisieren – unbeschwert und auf interessante Begegnungen hoffend.

«Die Welt zu Gast in Basel»: Während ganz Basel die Koffer packt und sich in den Süden verschiebt, gibt es auch Leute, die nach Basel reisen. In den nächsten Wochen besucht die BaZ Gäste in Basel und fragt sie, was ihnen an der Stadt besonders gefällt.

Erstellt: 23.07.2013, 11:30 Uhr

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