Gstaad

«Elton John war schon bei uns, Madonna auch»

Der Gstaader Immobilienkönig Marcel Bach zieht zwei Jahre nach der Eröffnung des Hotels The Alpina Gstaad Bilanz.

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Herr Bach, was machen Sie am 11. April des neuen Jahres?
Marcel Bach: Das weiss ich noch nicht.

An diesem Tag jährt sich die Sprengung des alten Hotels Alpina zum 20. Mal...
In dem Fall werde ich eine gute Flasche aus dem Keller holen.

Nachträglich wurde diese vom Verwaltungsgericht als widerrechtlich erklärt. Trübt dies Ihren Blick auf das heutige Hotel The Alpina Gstaad?
Nein, überhaupt nicht.

Im Dezember vor zwei Jahren konnte das Nobelhotel als jüngstes und viertes Fünfsternehaus in Gstaad schliesslich eröffnet werden. Kurz danach sagten Sie gegenüber dem «SonntagsBlick», dass Gstaad gar noch ein fünftes Fünfsternhotel vertragen könnte. Sind Sie nach wie vor dieser Meinung?
Ja, das bin ich. Das Resultat zeigt auch, dass diese Aussage gerechtfertigt ist. Das Hotel Alpina ist ein wenig anders als die übrigen drei Fünfsternhäuser, und allen geht es recht gut.

Wie gut war die Auslastung im Alpina in den ersten zwei Jahren?
Wissen Sie: Ich bin nicht der Direktor. Für gewisse Fragen müssen Sie sich an Eric Favre wenden, er führt das Hotel. Aber ich weiss nicht, wie viel er kommuniziert oder nicht kommuniziert. Die Resultate des zweiten Jahres jedenfalls sind sehr gut.

Sie sind neben Jean-Claude Mimran Mitbesitzer des Alpinas. Können Sie denn etwas zu den konkreten Zahlen sagen?
Ich kann sagen, dass das Hotel im zweiten Jahr einen Gewinn gemacht hat. Wie viel das war, kommuniziere ich aber nicht.

Haben Sie jemals Ihren Einstieg in die Hotellerie bereut?
Nein, den habe ich nie bereut.

Wie oft gehen bei Ihnen Stars aus Politik, Unterhaltung und Kultur ein und aus?
Glücklicherweise ziemlich häufig.

Wieso glücklicherweise?
Für den Ruf eines Hotels ist dies immer gut. Zudem zeugt es von der Qualität des Hauses. Diese Leute übernachten nicht an Orten, an welchen nichts funktioniert.

Welche Prominente waren alle schon Gast im Hotel Alpina?
Ich möchte nicht alle nennen. Aber Elton John war schon bei uns, Madonna auch und verschiedene mehr.

Wer macht neben Prominenten Ferien im Hotel Alpina?
Mehrheitlich sind dies Schweizer oder Leute, die in der Schweiz wohnen. Gefolgt von Deutschen, Engländern, Franzosen und Italienern. Natürlich kommen zudem auch Araber und Russen. Neben den Schweizern gibt es eigentlich keine Nation, die überwiegt. Es ist eine gute Mischung.

Wie viele junge Leute übernachten im Alpina?
Durch die moderne Kunst ist das Hotel auch bei der jungen Generation sehr beliebt.

Sind die Kunden trotz Krisenstimmung in Konsumlaune?
Momentan ist es sehr gut.

Wie stark mischen Sie sich als Besitzer in den Betrieb des Hotels ein?
(lacht) Eigentlich überhaupt nicht. Nur wenn es ein grösseres Problem gibt, würde ich mich einmischen. Das kam im letzten Jahr aber nie vor.

Im September 2013 trennten Sie sich vom damaligen Direktor Niklaus Leuenberger. Das Hotelrating Schweiz kommentierte dies mit «stillos» und stufte das Alpina ab. Kam es zu einem Zerwürfnis zwischen Ihnen und Niklaus Leuenberger?
Nein, ich habe ihn gerade erst gesehen, und alles war in Ordnung. Wir haben Niklaus Leuenberger für die Eröffnung des Hotels eingestellt. Er hat seinen Job damals sehr gut gemacht. Es gab im Anschluss aber einige Dinge, die nicht so gut funktioniert haben. Er war zum Beispiel an Grosshotels gewöhnt. Wir sind hingegen ein Boutiquehotel. Mit Herrn Favre haben wir aber den richtigen Mann dafür gefunden.

Eric Favre kommt von der Hotelkette Kempinski und leitete lange Zeit das Djibouti Palace Kempinski. Beabsichtigen Sie, das Alpina künftig von einer Kette betreiben zu lassen?
Nein. Das haben wir zwar am Anfang abgeklärt, aber bei dieser Grösse lohnt es sich nicht.

Wie sieht es mit den immer wieder zu vernehmenden Verkaufsabsichten aus?
Das Hotel ist nicht zu verkaufen. Wir sind eigentlich ganz zufrieden so, wie es momentan ist. Ob wir das Hotel jedoch ewig behalten, wäre reine Spekulation. Aber zum Verkauf steht das Alpina nicht.

Gäbe es denn Angebote?
Ja, auf alle Fälle. Es gibt immer wieder Anfragen.

Wie ist eigentlich Ihr Verhältnis zu Andrea Scherz, der das Hotel Palace in dritter Generation als Inhaber führt?
Das ist sehr gut. Auch ihn habe ich gerade erst wieder gesehen.

Vor einem Jahr sagte Scherz in einem Interview mit der Zeitung «Der Bund», dass es frustrierend sein könne, wenn rundherum nicht auf Rentabilität geachtet werden muss...
Wenn man aus Interviews jeweils ein paar Wörter rausnimmt, ergeben sich immer gewisse Dinge, die man anders auslegen kann. Bei uns ist das Ziel ganz klar, dass der Betrieb gut laufen muss. Wenn dies so ist, rentiert ein Hotel auch. Und das macht es beim Alpina momentan. Aber auch das Palace ist ein sehr gutes Hotel und wichtig für Gstaad. Ich bin überzeugt, dass es gut ist, haben wir beide Häuser.

Auch sonst wird vielfach beklagt, dass die Luxushotellerie zunehmend in die Hand von Milliardären und Finanzinvestoren gerät...
Das ist heute eine Tatsache. Es gibt aber leider auch viele Hotels, die die vergangenen Jahre nicht überlebt haben. Ich habe lieber einen guten Finanzinvestor, als dass ein Hotel schliessen muss.

Was sind die grössten Herausforderungen in der Luxushotellerie in Gstaad?
Die Qualität auch künftig erbringen zu können, die der Kunde erwartet, und dass die Mitarbeiter ständig motiviert sind, ihre besten Leistung abzurufen.

Wie viel Luxus brauchen Sie eigentlich selber in Ihren Ferien?
Ich habe es sicherlich gerne luxuriös. Aber ich bin selber in einfachen Verhältnissen aufgewachsen, und der grösste Luxus für mich muss nicht Luxus im herkömmlichen Sinne sein, sondern kann auch die Natur, die Freizeit oder der Sport sein. Aber klar: Wenn ich aussuchen kann, nehme ich lieber eine gute Flasche Wein als eine schlechte.

In dem Fall übernachten Sie in den Ferien nicht zwingend in einem Fünfsternhotel?
Meistens doch.

Haben Sie als einfacher Bauernsohn nicht manchmal auch genug von all dem Luxus?
Klar, das gibt es schon. Manchmal übernachte ich deshalb auch in einfacheren Häusern, und das geht auch ganz gut.

Wie entscheidet ein Marcel Bach, bei welchen Projekten er sich beteiligt?
Sie müssen finanziell gute Aussichten bieten, eine gewisse Qualität erfüllen, und sie sollten Spass machen.

Was für Projekte stehen für Sie als Nächstes an?
Ich habe verschiedene Projekte, aber es ist noch zu früh, davon zu sprechen.

Sie haben einmal gesagt, dass Sie sich vorstellen könnten, ein Drei- oder Viersternhotel zu bauen...
Auch das verfolge ich weiterhin. Aber momentan ist leider noch nichts in der Pipeline.

Das Skigebiet Glacier 3000 haben Sie schon gekauft, wieso steigen Sie nicht bei den maroden Gstaader Bergbahnen als Privatinvestor ein?
Das kommt für mich absolut nicht infrage. Ich habe schon genug mit dem Glacier 3000. Ich bin aber sicher, dass man bei den Bergbahnen auch eine Lösung finden wird.

Aber ohne Ihre finanzielle Hilfe?
Ja. Ein Einstieg in die Bergbahnen ist für mich undenkbar.

Erstellt: 30.12.2014, 10:07 Uhr

Zur Person

Wer im Nobelort Gstaad ein millionenteures Chalet kaufen will, meldet sich bei ihm: Immobilienhändler Marcel Bach. Der heute 59-Jährige stammt jedoch aus einfachen Verhältnissen. Bis fast 30-jährig arbeitete der junge Bach auf dem elterlichen Bauernhof und betreute im Winter prominente und reiche Gäste als Skilehrer. So entstand auch seine langjährige Freundschaft mit dem französischen Zuckerfabrikanten Jean-Claude Mimran.

Nach Bachs Einstieg in die Immobilienbranche ging es für ihn steil bergauf. Das 20'000 Quadratmeter grosse Gelände des Hotels Alpina kaufte Bach schliesslich vor über zwanzig Jahren zusammen mit Mimran. Gemeinsam investierten sie 350 Millionen Franken in das jüngste Fünfsternhotel Gstaads.

Marcel Bach ist neben seiner Tätigkeit als Immobilienhändler aber auch Initiator der legendären Country Night Gstaad und neben Jean-Claude Mimran und Bernie Ecclestone Mitbesitzer des Skigebiets Glacier 3000.

Übernachtungszahlen gesteigert

Für Kritiker war bereits vor der Eröffnung des Hotels Alpina vor zwei Jahren klar: Ein Fünfsternhaus mit nur 56 Zimmern kann nicht rentabel betrieben werden. Dem widersprach Mitbesitzer Marcel Bach stets und gemäss seinen Aussagen erzielte das Hotel im zweiten Betriebsjahr einen Gewinn.

Für Fragen zur Auslastung des Hauses verweist er aber an den Hoteldirektor Eric Favre. Und der sagt: «Wir sind mit der Auslastung des Hauses in den ersten beiden operativen Jahren zufrieden. Besonders freut es uns, dass wir die Übernachtungszahlen um 13 Prozent in der Winter- und 11 Prozent in der Sommersaison steigern konnten – im effektiven Vergleich zum Vorjahr.» In wie vielen Wochen das Alpina pro Jahr ausgelastet ist, beantwortet Favre aber nicht konkret. Der Hoteldirektor sagt nur: «Wir freuen uns, dass wir an zahlreichen Wochenenden – während der Events in Gstaad und in der Region – sowie natürlich während der Ferienzeit eine hohe Auslastung verzeichnen können.» Es werde jedoch angestrebt, die Auslastung weiter zu steigern. «Da wir das Hotel The Alpina Gstaad bereits zu Beginn des Monats Dezembers öffnen, versuchen wir, die Saison in Gstaad zu verlängern», erklärt Favre.

Der Hoteldirektor blickt zudem «auf eine bereits gut gebuchte Wintersaison». Künftig solle schliesslich die Dienstleistungsqualität weiter verbessert werden. «Durch den permanenten Austausch mit unseren Gästen können wir beruhigt sagen, dass wir unsere Dienstleistungen konstant verbessern», sagt Favre.

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