Fällt der Tourismussommer 2014 ins Wasser?

Am Montag soll die nächste Portion Regen kommen, Buchungen für kurzfristige Auslandreisen haben sich verdoppelt. Vertreter der Tourismusbranche sagen, ob der Sommer 2014 für die Schweiz noch zu retten ist.

Weit und breit kein Tourist: An einem verregneten Wochenende bläst ein Obwaldner Alphornbläser auf der Aelggialp oberhalb Sachseln ins Alphorn. (17. Mai 2003)

Weit und breit kein Tourist: An einem verregneten Wochenende bläst ein Obwaldner Alphornbläser auf der Aelggialp oberhalb Sachseln ins Alphorn. (17. Mai 2003) Bild: Urs Flüeler/Keystone

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Der Sommer 2014 will nicht so recht auf Touren kommen. Zwar gab es schon mehrere hochsommerliche Tage, doch die sonnigen Phasen hielten nicht lange an. Ausgerechnet in der Schulferienzeit machten wiederholte intensive Regenfälle mit Überschwemmungen von sich reden. Leidet nun auch die Nachfrage nach Ferien in der Schweiz?

«Kurzfristig werden auch Destinationen im Ausland gebucht, das ist spürbar», sagt Susanne Daxelhoffer, Sprecherin des Hotelierverbands Hotelleriesuisse, auf Anfrage. Anders als die Last-Minute-Gäste mit kürzerer Anreise kämen die Besucher aus Übersee, die lange im Voraus gebucht haben, bei jeder Wetterlage. Ebenso die Stammgäste. «Wir glauben auch nach dem nassen Ferienstart, dass der Sommer noch zu retten ist», sagt die Hotelleriesuisse-Sprecherin.

Schweiz Tourismus ist optimistisch

Auch bei Schweiz Tourismus ist man optimistisch: «Wir gehen davon aus, dass diese Sommersaison mit einer leichten Zunahme zu Buche schlagen wird», sagt Sprecher Alain Suter auf Anfrage. Man halte sich dabei an die Prognosen von BAK Basel, die im Auftrag des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) erstellt werden. Demnach werde es bei den Logiernächten von Mai bis Oktober ein Plus von 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum geben. «Besonders die Entwicklung im Heimmarkt Schweiz ist vom Wetter abhängig, kurzfristige Buchungen liegen im Trend», führt Suter aus. Er rechnet mit einer positiven Bilanz dieses Sommers, wenn es länger anhaltende Schönwetterperioden gebe.

Ende der vergangenen Wintersaison (November 2013 bis April 2014) war man bei Schweiz Tourismus ebenfalls optimistisch: Bevor die Logiernächtezahlen für den Winter erschienen, hatte Direktor Jürg Schmid mit dem vom BAK Basel prognostizierten Plus von 2,9 Prozent gerechnet. Schlussendlich betrug die Zunahme lediglich 0,9 Prozent (+141'000 Logiernächte) gegenüber der Vorjahresperiode.

Hauptsache Sonnengarantie

Dass der verregnete Sommeranfang etwas mehr Schweizer als üblich in Länder mit Sonnengarantie getrieben hat, bestätigt auch Kuoni-Sprecher Peter Brun: «Während der letzten zwei bis drei Wochen haben sich die Onlinebuchungen verdoppelt gegenüber den Vorwochen. 70 Prozent davon waren kurzfristig.» Dazu beigetragen habe neben dem Regenwetter aber auch die Fussball-WM. «Die Leute wollten erst noch den Grossanlass mitverfolgen und erst danach verreisen», so Brun. «Das Timing zusammen mit dem nassen Wetter war für uns ideal.» Die gefragtesten Destinationen seien momentan die Balearen, Kanaren, griechischen Inseln, Zypern und die Südtürkei. Für viele Kurzentschlossene spiele der Ferienort kaum eine Rolle – Hauptsache Sonnengarantie.

«Weil unter dem schlechten Wetter vor allem das Geschäft mit den kurzfristigen Buchungen leidet, bekommt dies zum Beispiel der Kanton Graubünden zu spüren, der im schweizweiten Vergleich besonders viele Tagestouristen und Kurzaufenthalter aus der Deutschschweiz hat», sagt Professor Christian Laesser, Leiter des Research Center for Tourism and Transport an der Universität St. Gallen. Innerschweizer Orte wie Luzern, die mehr Besucher aus Übersee haben, würden weniger unter dem Regen leiden. «Wenn der Chinese seine feste Tour in der Schweiz gebucht hat, dann reist er so oder so an», so Laesser.

Obwohl in den letzten Wochen viele Schweizer spontan in sonnigere Gefilde verreist sind, stellt Laesser auch eine Tendenz zu mehr Ferien auf «Balkonien» fest. Wenn das Wetter dann nicht gut sei, kompensiere man dies mit einer Reise im Herbst. «Der Sommerpeak ist am Abnehmen, die Ferienreisen verlagern sich zunehmend in die Herbstsaison.»

Erstellt: 25.07.2014, 10:27 Uhr

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