«Gerüche von Rauchern, Thai-Food, Hunden»

Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat eine Pendler-Hassliste präsentiert. Es gibt aber noch mehr Dinge, die ÖV-Benutzer ärgern, wie die Leserreaktionen zeigen.

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Pendeln ist für viele Menschen eine Notwendigkeit. Und es gibt immer wieder einen Grund, sich mehr oder weniger zu ärgern. Schwatzhafte Mitfahrer, Trunkenbolde in Gruppen, aufdringliche Beschallungen, das lange Warten vor Billettautomaten, Menschentrauben vor den Türen – das sind fünf von zehn Ärgernissen, die in der «Hassliste der Pendler» von Tagesanzeiger.ch/Newsnet zusammengefasst sind.

Der Beitrag hat ein reges Echo ausgelöst. Über 150 Leserinnen und Leser (Stand: 24 Stunden nach der Publikation) haben ihre Erfahrungen beim Pendeln mit öffentlichen Verkehrsmitteln geschildert. In der grossen Mehrheit der Kommentare kommt Verärgerung zum Ausdruck. Es gibt aber Leserinnen und Leser, die beim Pendeln gelassen bleiben und sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Die Reaktionen aus der Leserschaft lassen sich in folgenden Kategorien zusammenfassen:

Handy-Gespräche und -Töne

  • «Vieltelefonierer, die ihre 100 Gratisminuten aus Langeweile auf dem Nachhauseweg – oder noch schlimmer – am frühen Morgen vertelefonieren.»
  • «Mitreisende, die nicht wissen, wie man ein Handy lautlos schaltet und einem ihre Klingel- und völlig überflüssigen Tastentöne aufdrängen.»
  • «Endlos-Telefon-Quatscher(-innen), denen das belangloseste Zeug endlos und Kosten generierend ausgerechnet im Zug zu diskutieren einfällt. Warum werden Handys nicht aus den öffentlichen Verkehrsmitteln verbannt?»

Unangenehme Gerüche

  • «Wenn am frühen Morgen die Züge voll sind, riecht es oft penetrant nach billigem ‹Green Apple›, das wohl von den Duschegels und Haarshampoos stammt.»
  • «Gerüche, gemischt mit dem Duft ungewaschener Haare, dem Steak vom Vorabend sowie Schweiss, Fusskäse und Mundgeruch.»
  • «Gerüche von Bananen, Energydrinks, Rauchern, Thai-Food, Hunden etc.»
  • «Pendeln im heissen Zug mit Achselhöhlen auf Nasenhöhe.»

Senioren-Gruppen

  • «Senioren, die 1.) mit zwei Riesenmonstern von Koffern unterwegs sind, 2.) dies natürlich zu Stosszeiten, 3.) zehn Minuten vor Ankunft schon an die Ausgänge stressen, 4.) die Türe nicht aufkriegen und 5.) eine halbe Ewigkeit brauchen, um sich und ihr Tonnengepäck herauszuschaffen.»
  • «Mich ärgern die ganzen Altersheim-Reisegruppen ganz besonders. Warum müssen diese Leute um 8 Uhr morgens in den Zug steigen und den Pendlern die Plätze wegnehmen. Das Grösste ist dann noch, wenn sie sich beschweren, dass man keinen Platz macht, damit diese auch noch zusammensitzen können. »

Badezimmer im Zug

  • «Da gibt es auch Damen, die – kaum haben sie einen Sitzplatz ergattert – den Schminkkoffer öffnen und ihr allmorgendliches Facelifting zelebrieren. Die Zeremonie dauert je nach Alter unterschiedlich lang.»
  • «Nägelfeilen und Schminken ist ebenfalls irritierend – haben die Reisenden kein Badezimmer?»

Süchtige Raucher

  • «Mich ärgern die Raucher, die in der Traube vor dem Einsteigen noch auf dem Trittbrett den letzten Zug aus der Zigarette nehmen, diese unter den Zug werfen und dann irgendwann im Zug ihr stinkendes Gemisch ausamten. Und die anderen Raucher, die beim Aussteigen unmittelbar nach dem Trittbrett stehen bleiben müssen, um sich die Zigi anzuzünden und dann die Unterführungen verpesten.»
  • «Rauchende, welche schon im Wagen ihre Zigi anzünden, kurz vor dem Einsteigen ausblasen oder hinter denen man in der Unterführung zwangsweise herlaufen muss.»

Leute, die am falschen Ort stehen

  • «Trams und Busse sind zu Stosszeiten überfüllt – oft gerade dann, wenn man es eilig hat. Dann stehen noch die netten Deppen am Eingang der Türe, die natürlich nicht zugeht, wenn man im Sensorenbereich steht. Dann kommt eine Durchsage vom Chauffeur, und die Deppen schauen dann so, als wären sie unschuldig.»
  • «Die Wanderer, die frühmorgens am Fuss der Rolltreppe im Rudel stehen bleiben, um sich zu fragen, welchen Zug sie denn nehmen müssen. So blockieren sie den ganzen Pendlerstrom.»

Billettkontrolleure

  • «Ich hatte ein Billett gelöst und verlegt. Prompt kam die Kontrolle, und ich fand das Billett nicht sofort. Der Typ hatte keine Zeit und begann, eine Busse auszustellen. Etwa eine Minute, nachdem ich die Busse erhalten hatte, fand ich das Billett und wollte die Busse zurückgeben. Da sagte der Kontrolleur, er könne die Busse nicht zurücknehmen. Im Zürcher HB hiess es dann, ich hätte das vor Ort klären müssen.»
  • «Am frühen Morgen friedlich dösen und dann: ‹Gute Morge mitenand, Billettkontrolle›.»
  • «Wenn in den überfüllten S-Bahnen am Morgen sowieso schon Platzknappheit herrscht, kommt es manchmal vor, dass sich dann auch noch Billettkontrolleure den Weg durch die Massen bahnen.»

Kränkliche Passagiere

  • «Vor allem in der Winterzeit extrem lästig sind die ‹Rotzraufzieher›. Es käme ihnen nie in den Sinn, ein Taschentuch zu benutzen. Lieber im Minutentakt lautstark ihren ‹Nasensaft› hochziehen. Was nicht nur sehr abstossend und ‹grusig› ist. Es könnte sich auch mal eine Stirnhöhlenentzündung bilden.»
  • «Die fiebrig Kranken, die aus Angst vor dem Arbeitgeber ganze Zugabteile exponential bei der Hin- und Rückfahrt anstecken.»

...auch das noch

  • «Kantons- und Nationalratspolitiker, die frühmorgens lautstark mit dem Kollegen über die Inhalte der nächsten Sitzung und die eigene ach so gute Politik diskutieren.»
  • «Geistig Verwirrte, welche laute Selbstgespräche führen. Leute, die ihre Taschen oder Mappen auf dem Nebensitz parkieren. Leute mit sperrigen Rucksäcken. Krippen-Mamis mit ihren riesigen Offroader-Kinderwagen am Feierabend.»
  • «Die herumliegenden ‹20 Minuten›-Berge.»

Alles nicht so schlimm

  • «Ich pendle täglich, benütze den ÖV schon seit Jahrzehnten, auch für längere Strecken. Ich weiss schlicht nicht, wer all diese Probleme haben soll. (...) Typisch Schweizer: Wenns keine Probleme gibt, nimmt man sich ein beliebiges Thema und beginnt zu jammern und zu schimpfen.»
  • «Liebe Leute, nehmt mal die Metro in London, Peking, Shanghai oder Barcelona. Da hats einen Haufen Leute mehr. Und da weiss man dann, was Stossverkehr wirklich bedeutet.»
(vin)

Erstellt: 06.05.2011, 15:40 Uhr

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