Im Rumpf der neuen Swiss-Maschine

Ab 2014 erhält Swiss 30 Stück der komplett neu entwickelten Bombardier C-Series 100. Tagesanzeiger.ch/Newsnet nahm in München Platz im Modell.

Flugzeughersteller Bombardier aus Kanada stellte am Flughafen München ein Kabinen- und Cockpit-Modell der neuen CSeries vor. Im Bild: Steven Aliment, Vize-Verkaufschef Europa bei Bombardier.
Video: Olivia Raths

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Der Bus mit Journalisten und Aviatik-Fachleuten fährt über das weite Gelände des Münchner Flughafens. Er passiert Hangar um Hangar, bis er bei einem von ihnen durch das riesige Tor fährt. Inmitten von kleinen Cityfliegern stehen zwei Stellwände, umhüllt von schwarzem Stoff. Und dahinter, als wäre es halb im Boden versunken, steht es: Das Rumpfmodell des künftigen Swiss-Europafliegers in Originalgrösse. Allerdings handelt es sich nur um dessen vorderen Teil. Flügel, Triebwerke und der hintere Teil fehlen, ebenso die untere Hälfte des Rumpfs. So befindet sich der Boden von Cockpit und Kabine fast auf gleicher Höhe wie der Hangarboden.

Der Flugzeug-Demonstrator wurde erstmals in Kontinentaleuropa aufgebaut, damit sich Zulieferer und Kunden bis Ende September ein Bild von Kabine und Cockpit machen können. Zu den Besuchern gehört auch eine Gruppe von Journalisten und Fachleuten. Über glänzende silberne Leisten mit der Aufschrift «Bombardier» – man wagt kaum, darauf zu stehen – betreten die Leute das Innere des Flugzeugmodells. Beim dunkelbraunen Parkett und den weissen Ledersitzen wähnt sich wohl manch ein Besucher in einer Hotellounge – wären da nicht die Flugzeugfenster.

Viel Stauraum für Handgepäck

Die einen Gäste machen es sich in den Sitzen der Business- und Economy-Class bequem, testen die Sitzfunktionen und begutachten die eingebauten Bildschirme. Währenddessen studieren die anderen die Gepäckfächer. Trotz der überschaubaren Grösse des Flugzeugs passen relativ grosse Gepäckstücke gut in die Stauräume über den Sitzen. Bereits sind dort einige Kleinkoffer verstaut, mit denen die kanadische Firma Bombardier die Platzmöglichkeiten aufzeigt.

Bei der C-Series handelt es sich um ein komplett neu entwickeltes Flugzeug – im Gegensatz zu Maschinen derselben Grössenordnung, darunter der A320 Neo oder die B737 Max. Dort werden bisherige Versionen unter anderem mit neuen Triebwerken ausgerüstet. Die C-Series ist nicht nur für die Swiss ein grosser Hoffnungsträger in Sachen steigende Spritpreise und Fluglärmdebatte: So verbrauchen die neuen Bombardier-Flugzeuge 20 Prozent weniger Treibstoff als vergleichbare Flieger, und die Lärmemissionen halbieren sich für das menschliche Hörempfinden.

Rollstuhlgängiges WC

Inzwischen posieren zwei Europa-Vertreter des Flugzeugherstellers für Fotos im Cockpit. Dieses sei ein Originalbau und betriebsfähig, so die beiden. Rundherum flackern bunte Bildschirme und Leuchtanzeigen. Die beiden Herren, die schon seit Jahren die Entwicklung der C-Series mitverfolgen, sind nach wie vor fasziniert von der Technik. «Smile!», sagt ein Fotograf, und die beiden Kanadier strahlen um die Wette. Strahlend sind auch die polierten silbernen Kaffeekannen in der Bordküche hinter dem Cockpit. Die Macher haben für den Anlass kein Detail ausser Acht gelassen.

Ein weiterer Bombardier-Vertreter ruft dazu auf, das «Lav» zu besichtigen – also Lavatory oder auf gut Deutsch die Toilette. Er öffnet die schmale weisse Tür. «Enge Angelegenheit», geht der Journalistin beim Anblick des Eingangs durch den Kopf. Doch dann öffnet der Kanadier eine zweite Tür auf der Seite. Jetzt wird sichtbar, dass die Toilette rollstuhlgängig ist. Über eine solche müssen neu gebaute Flugzeuge verfügen, denn seit einigen Jahren verlangt eine EU-Verordnung rollstuhlgängige WCs in den Maschinen.

Noch existiert es nicht, das erste Flugzeug der C-Series von Bombardier. Doch die Endmontagen im kanadischen Montreal laufen auf Hochtouren. Bereits Ende dieses Jahres soll die erste Maschine des Typs CS-100 abheben, und 2014 wird Swiss das erste von 30 bestellten Flugzeugen erhalten. Kürzlich wurden die Flügel aus Belfast angeliefert. Kann der Hersteller den engen Zeitplan einhalten? Lesen Sie morgen, was Bombardier dafür unternimmt und was das künftige Europa-Flugzeug der Swiss alles kann.

Erstellt: 18.09.2012, 07:07 Uhr

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So sieht es im künftigen Europaflieger der Swiss aus

So sieht es im künftigen Europaflieger der Swiss aus Die Bombardier CSeries ist ein Hoffnungsträger in Sachen Fluglärm und Treibstoffverbrauch. Nun wurde in München ein Modell des künftigen Swiss-Europafliegers gezeigt.

Der Werbefilm von Bombardier zur neuen CSeries. (Video: Bombardier)

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