Hintergrund

Schön spitz

Das Kinn der Frau rückt in den Fokus der Schönheitschirurgie. Es soll vor allem eines sein: Männlich.

Ein Kinn, wie es sich Frauen wünschen: Keira Knightley.

Ein Kinn, wie es sich Frauen wünschen: Keira Knightley. Bild: Keystone

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«Das Kinn ist der neue Busen!» So tönt es, wenn amerikanische Schönheitschirurgen den Trend in ihrer Branche beschreiben. Und tatsächlich: «Chinplants» (Kinn-Implantate) verzeichnen derzeit in den USA, dem grössten Markt für plastische Chirurgie, das stärkste Nachfragewachstum von allen Beauty-OPs – dies geht aus den aktuellsten Zahlen hervor. (Lesen Sie dazu auch: «50 Jahre Silikon-Busen»)

So wuchs die Zahl der Chinplants-OPs in den USA 2011 um 71 Prozent. Insgesamt über 21'000 Männer und Frauen liessen sich ihr Kinn schön operieren. Bemerkenswert: Dem Trend zum harten Kinn folgen Frauen und Männer gleichermassen, die Operationen verteilen sich zu gleichen Teilen auf die beiden Geschlechter. Am Kinn scheinen sich somit die Schönheitsideale für beide Geschlechter zu treffen: hart, straff, energisch soll es sein.

«Chin job» als chirurgischer Quickie

Die Kinnimplantate aus Silikon werden unter einer Lokalanästhesie eingesetzt, das Prozedere dauert in der Regel nicht länger als eine Stunde. Meist wird ein Schnitt unterm Mundvorhof oder im inneren an der Unterlippe gemacht. Das entsprechende Implantat wird dann eingebracht und kommt dann auf dem Knochen zu liegen, es wird dort dann befestigt. Dann wird der Schnitt mit selbstauflösenden Fäden genäht. Nach drei Tagen sind die Patientinnen und Patienten wieder zurück im Geschäft. Kosten eines «chin jobs»: rund 5000 Dollar.

Kinn und Kieferlinie sind deshalb sensible (Problem-)Zonen, weil sich hier die Gewebeerschlaffung früh und deutlich zeigt. Ein starkes, straffes Kinn ist traditionellerweise ein Zeichen für Stärke und Erfolg, und so sind es in der Mehrzahl Frauen und Männer über 40, die sich vom Schönheitsmediziner ihr Kinn überholen lassen. (Lesen Sie auch: «Das Sixpack-Leiden»)

Der Terror der Kameras

Doch weshalb diese Zunahme bei Kinn-Beauty-OPs? Gegenüber der britischen «Daily Mail» gibt Darrick Antell, plastischer Chirurg und Professor an der Columbia University, folgendermassen Auskunft: «Wir sehen uns mittlerweile überall Kameras ausgesetzt. Sie können an einem Party-Buffet stehen und nur ein paar Minuten später sehen Sie Ihr Doppelkinn auf Facebook.»

Kommt hinzu, dass im Geschäftsleben neue Video-Kommunikationstechniken wie Skype oder Face-Time das Augenmerk aufs Gesicht rücken und Managerinnen und Manager mit einem schwachen oder schwabbeligen Kinn ins Schwitzen bringen. Generell würde der Social-Media-Gebrauch im Privat- wie Geschäftsleben, so berichtete die American Society of Plastic Surgery im März, die Aufmerksamkeit aufs Gesicht nochmals erhöhen. So nimmt auch die Anzahl der Faceliftings und Botox-Therapien zu.

Selbstverständlich kommt auch der Kinntrend nicht ohne Vorbilder aus: Am beliebtesten bei weiblichen Chinplants-Patienten seien die Kiefer-Silhouetten der Stars Halle Berry, Jennifer Lopez und Keira Knightley – so wusste «Mail online» vor einigen Wochen zu berichten.

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Dann lesen Sie auch: «Männer und Schönheitschirurgie: Dieser Wunsch nach Grösse» auf Clack.ch – Ihrem Online-Magazin. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.04.2013, 09:01 Uhr

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Ein starkes, straffes Kinn ist traditionellerweise ein Zeichen für Stärke und Erfolg: Silikon-Implantat fürs Kinn.

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