Schöner Schwerverkehr

Indien, wie es kein Tourist zu sehen bekommt: Dan Eckstein fotografiert die Farben auf den Strassen des Subkontinents.

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Vielleicht muss man anderthalb Mal hinsehen, um zu merken, dass diese Leute nicht in ihrem Wohnzimmer sitzen. Sondern in ihrem Lastwagen. Nämlich unterwegs von Jodhpur nach Bikaner. Und von Jaipur nach ­Ajmer. Und es stimmt wohl auch, dass jedes dieser Vehikel das Porträt der Person ist, die es fährt. So sagt es Dan Eckstein.

Der amerikanische Fotograf hat über zehntausend Kilometer zurückgelegt, um eine Schönheit ­Indiens kennen zu lernen, von der man im «Lonely Planet» nichts erfährt: die des Schwerverkehrs. Die Überlandrouten auf dem Subkontinent sind ein eigenes soziales Universum, ebenso farbig wie gefährlich – Indiens Strassen gehören zu den unsichersten der Welt. Genau davon zeugen auch die Lastwagen mit ihren üppigen Dekors, die Eckstein fotografiert hat; mit der Zuneigung eines Liebhabers, mit der Ausdauer eines Sammlers dieser Art von Volkskunst.

Die fast schon psychedelisch bunt bemalten Karosserien, die überbordend ausgestatteten Kabinen – sie erzählen vom Stolz der Fernfahrer und von ihrem Be­mühen um Wohnlichkeit in einem Leben auf der Strasse. Aber eben auch vom Tod, dem sie hier begegnen können. Die Chauffeure lassen sich Götter aufs Blech ­malen. Sie binden Kokosnüsse, Sandalen und andere Glücksbringer an die Stossstangen. Und sie lassen ihre Fahrten von Priestern segnen, die ihre Dienste neben der Strasse anbieten, so wie die Verkäufer von Aufklebern, Gir­landen, Quasten, Laternen und anderem Kunsthandwerk fürs Transportgewerbe.

Landesüblich schliesslich ist ein Schriftzug, der Ecksteins ­reizendem Bildband den Titel ge­geben hat: «Horn please». Hupen bitte – als Aufforderung vor dem Überholen. Keine schlechte Idee, wie der Fotograf berichtet, wenn der Gebrauch der Rückspiegel so wenig selbstverständlich ist wie die Autorität aufgemalter Linien auf dem Asphalt.

Erstellt: 07.07.2015, 10:37 Uhr

Dan Eckstein: Horn Please. The Decorated Trucks of India. Powerhouse Books, New York 2014. Englisch. 160 Seiten, etwa 49 Franken.

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