Spass mit Bob von Microsoft

Wie man Betrüger und lästige Werbeanrufer wieder loswird: Tipps aus der Praxis.

Ganz schön lästig: Ein Berufstelefonierer bei der Arbeit.

Ganz schön lästig: Ein Berufstelefonierer bei der Arbeit. Bild: Gaëtan Bally/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Kennen Sie Bob von Microsoft? Manchmal heisst er auch Max und arbeitet für Yahoo. Oder Leo und macht gerade eine Umfrage fürs «Fortune»-Magazine. Zumindest sagen das Bob und seine Kollegen, wenn sie mal wieder mit schwerem Akzent bei mir anrufen.

Wenn Ihnen das alles irgendwie bekannt vorkommt, gehören Sie wahrscheinlich zur rarer werdenden Spezies der Festnetz-Telefonierer und werden inzwischen fast täglich von lästigen Call-Center-Agenten heimgesucht. Seit einigen Jahren sind es bei mir vor allem Anrufer aus dem Ausland, mutmasslich aus Indien, die angeblich für Konzerne wie Yahoo oder Microsoft arbeiten und dringend mit mir sprechen wollen.

Was tun? Die Frage stellt sich ja immer mal wieder im Leben. Und so auch hier. Die Polizei empfiehlt, sofort aufzuhängen, da es sich um eine betrügerische Masche handelt, wenn Bob und seine Kollegen bei uns anrufen. Aber da es doch das Endziel aller Lebensbemühungen ist, die Fröhlichkeit nicht einzubüssen – hier einige handfeste Tipps aus der Telefonpraxis, wie man unerwünschte Anrufer loswird. Und doch Spass mit ihnen hat:

1. Der Tote in der Leitung

Relativ rasch entledigt man sich der Anrufer, wenn man erklärt, der gewünschte Teilnehmer sei tot. Erste Erfahrungen mit dieser Taktik konnte ich in einer WG sammeln, wo wir mit einem Autor zusammenlebten, der für sein Leben als Künstler seinen Taufnamen zwar abgelegt hatte, aber im Telefonbuch noch immer unter diesem eingetragen war. Uns machte es höllisch Spass, diese Transformation mit einem schlanken «Der ist tot» den Call-Center-Agenten zu verkünden und ihnen noch ein wenig einzuheizen, wie pietätlos wir es finden, dass sie das Geschäft mit einem Toten machen wollten. Und so trieben wir dieses Spiel ziemlich lange, bis es unserem Hauptmieter dann doch etwas zu viel wurde, ständig für tot erklärt zu werden.

2. Smalltalk à gogo

Ebenfalls (meist) zügig und vielleicht etwas überraschend wird man die Belästiger wieder los, wenn man auf den Smalltalk-Modus wechselt, also nachfragt, wie das Wetter in London ist, oder dort, wo Bob, Max und Leo sich gerade aufhalten wollen. Eine Bekannte hat auch einmal gefragt, ob der Call-Center-Agent pro Anruf oder auf Stundenlohn-Basis bezahlt werde. Letzteres war der Fall, und weil die beiden sich sympathisch waren (oder ihnen einfach langweilig war), plauderten sie eine ganze Weile. Wohl sehr zum Schaden des Unternehmers, der seine Agenten das Telefonbuch abgrasen liess.

3. Mein Phantom-Computer

Angesichts der Hartnäckigkeit hilft manchmal nur noch der pure Nonsens: «Ich tippe das gerade in meinen Phantom-Computer» ist zum Beispiel eine adäquate Antwort, wenn einen die Betrüger mit ihren Anweisungen auf irgendwelche Webseiten locken wollen. Nach mehrjähriger Praxiserprobung lässt sich mit Sicherheit sagen, dass sich Call-Center-Agenten erstaunlich lange mit solchem Nonsens bespassen lassen (auch wenn nur wir dabei in uns hineinkichern).

4. Weltrevolution per Telefon

Noch etwas zaghaft sind meine Versuche, die Call-Center-Agenten untereinander zu solidarisieren und mit ihnen zusammen eine Revolte gegen die Betreiber ihrer Drückerkolonnen zu starten. Mir schwebt dabei so etwas vor wie ein Netzwerk zur Selbsthilfe, mit dem die Berufstelefonierer sich untereinander organisieren könnten – vielleicht per Telefon? Ich arbeite jedenfalls sehr intensiv daran. Wenn Sie also demnächst nichts mehr von Max, Leo oder Bob hören, dafür aber von Revolutionen, die alle sozialen Fragen lösen, dann war das wohl ich.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.06.2017, 16:38 Uhr

Artikel zum Thema

Telefonbetrüger nerven Marktforscher

Analyse «Sie haben ein Sicherheitsproblem mit Windows.» Wenn Ihnen das ein Unbekannter am Telefon sagt, ist das ärgerlich. Ihre Reaktion könnte allerdings noch andere treffen. Mehr...

Mitarbeiterin der Stadtpolizei fällt auf falsche E-Mail-Warnung rein

«Vorsicht vor der Nummer 044 – 230 90 28»: So warnt ein E-Mail der Stadtpolizei Zürich vor einem Telefonbetrüger. Das Mail ist mehr als zwei Jahre alt und hätte nie in Umlauf geraten sollen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Ab in den Matsch: Teilnehmer der Ostfriesischen Wattspiele versuchen im Schlamm Fussball zu spielen. (19. August 2017)
(Bild: Carmen Jaspersen) Mehr...