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Themenkreuzfahrten ahoi

Rock, FKK und Heavy Metal an Bord: Nicht nur die Route spielt bei einer Schiffsreise eine Rolle, sondern zunehmend auch deren Spezialthema. Eine Auswahl.

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Im Adamskostüm auf hoher See: Ausgerechnet im prüden Amerika erleben Nacktkreuzfahrten einen Boom. Starteten die kleiderlosen Schiffsreisen namens «Naked Cruises» oder «Nakations» vor rund 20 Jahren noch im kleinen Rahmen, werden heute Schiffe mit bis zu 3000 Nacktpassagieren gefüllt. Zum Beispiel die Carnival Freedom der US-Reederei Carnival Cruise Lines, die 2013 durch die Karibik kreuzen wird. Wie «Financial Times Deutschland» berichtet, tragen die Passagiere nur Kleider während Mahlzeiten, Cocktail-Empfängen und bei Landgängen.

«Bei diesen Kreuzfahrten geht es um mehr als nur ums Ausziehen der Kleidung», so Nancy Tiemann, Eigentümerin des auf FKK-Touren spezialisierten Veranstalters Bare Necessities. Es gehe um das Reisen mit Gleichgesinnten. In den kommenden zwei Jahren ist eine FKK-Kreuzfahrt in die Antarktis geplant. Man habe bereits erfolgreich eine Nacktkreuzfahrt nach Alaska durchgeführt, fügt Tiemann hinzu.

Heavy Metal und Kreuzfahrt – ein Widerspruch?

Neben Kreuzfahrten mit Fokus auf die Körperkultur kommen auch welche mit bestimmten Musikrichtungen zunehmend in Mode. So führt TUI Cruises 2013 eine «Full Metal Cruise» durch, die nach eigenen Angaben Europas grösste Metal-Kreuzfahrt werden soll: Begleitet von 20 Bands auf drei Bühnen werden die Gäste headbangend durch die Meere in Nordeuropa kreuzen; die Reise ist auch in der Schweiz buchbar.

Metal und Kreuzfahrt – passt das überhaupt zusammen? «Das steht für uns nicht im Widerspruch. Denn es gibt eine immer grössere Zahl an Metal-Fans, die Lust haben auf die Musik, aber nicht mehr unbedingt im Zelt schlafen wollen», wird Thomas Jensen, Geschäftsführer des ICS Festival Service, in einer Mitteilung von TUI Cruises zitiert. Der Konzertveranstalter stellt zusammen mit TUI Cruises die Metal-Kreuzfahrt auf die Beine. Zudem sei Heavy Metal kein Nischenphänomen mehr und ziehe Musikliebhaber aus allen Schichten und Altersklassen an, so Jensen. Es darf also auch mit Heavy-Metal-Oldies gerechnet werden.

Auch mit anderen Musikrichtungen werden die Meere beschallt. Hotelplan organisiert eine Country-Cruise, die 2013 mit bekannten Schweizer Countrymusikern durchs westliche Mittelmeer führt. Zudem findet 2013 die fünfte Schweizer Rock- & Blues-Cruise auf einem Schiff von MSC Kreuzfahrten auf dem Mittelmeer statt – inklusive Polo Hofer & Co. Buchbar ist die Reise bei Schär Reisen Bern. Musikreisen sind offensichtlich populär: Laut dem CEO von TUI Cruises, Richard Vogel, ist man beim Veranstalter bisher gut gefahren mit Event-Reisen von Klassik über Rock bis hin zu Schlager.

Gay-Cruises im Aufwind

Nacktkreuzfahrten, Musikkreuzfahrten – die Themenliste ist noch länger. Mehrere Veranstalter führen Reisen für Schwule und Lesben im Angebot, darunter auch der Anbieter Pink Cloud, der zu Kuoni gehört. Dort kann man zum Beispiel eine Gay-Cruise ins Baltikum mit der Holland America Line buchen. «Die Kreuzfahrten sind der absolute Renner im Angebot», sagte Pink-Cloud-Geschäftsführer Ray Fuhrer kürzlich gegenüber der «SonntagsZeitung». Auf dem Schiff könne man offen zu seiner Liebe stehen – so, wie das für Hetero-Pärchen selbstverständlich ist, so Fuhrer weiter.

Beim Schweizer Kreuzfahrtspezialisten Cruise Center sind momentan Kreuzfahrten mit Zumba-Tanzkursen stark gefragt, ebenfalls die Reka-Schiffsreisen für Familien. Geschäftsführer George Studer stellt fest, dass das Angebot an Themenkreuzfahrten in den letzten Jahren zugenommen hat, sowohl auf voll gecharterten Schiffen als auch in einzelnen Bereichen davon. «Auch wenn sie etwas teurer sind als andere Schiffsreisen, werden diejenigen mit Spezialthemen gut gebucht. Die Kunden schätzen den Mehrwert, den sie für das Geld bekommen.»

Auch kulinarische Kreuzfahrten sind in Mode: Mehrere Reedereien haben bereits welche durchgeführt, bei denen etwa Wein oder Schokolade im Mittelpunkt steht. Auch auf Naturereignisse ausgerichtete Kreuzfahrten werden angeboten: Die amerikanische Reederei Princess Cruises schickt im November anlässlich einer totalen Sonnenfinsternis eines ihrer Schiffe nach Ostaustralien.

Wenn nur der Schiffskamin raucht

Nicht im klassischen Sinne Themenkreuzfahrten, aber auch auf bestimmte Bedürfnisse von Passagieren ausgerichtet sind Schiffsreisen für Nichtraucher. Mehrere Reedereien bieten dies an, wie eine Übersicht des Portals Cruisetricks.de zeigt. Auf diversen Kreuzfahrtschiffen wie etwa von Princess Cruises, Carnival Cruise Lines und Holland America Line gilt seit Anfang 2012 ein striktes Rauchverbot in den Kabinen – bei Princess Cruises auch auf den Balkonen. Hingegen gibt es bei den meisten Anbietern ausgewiesene Raucherbereiche.

Laut dem Executive Vice President von Princess Cruises, Jan Swartz, raucht nur noch eine kleine Minderheit der Passagiere. Dies habe er mit einer Kundenumfrage in Erfahrung gebracht. «Die grosse Mehrheit schätzt eine rauchfreie Umgebung.» Ein komplettes Rauchverbot in den Innenräumen der Schiffe gibt es bei Celebrity Cruises, Disney Cruise Line und Cunard Line (Stand: Mai 2012).

Erstellt: 17.07.2012, 21:09 Uhr

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