Hintergrund

«Träwelling wis Deutsche Bahn» immer deutscher

Die DB will wenn möglich die Landessprache verwenden. Schade, wir werden «se connectschen train to Dschiniv» vermissen.

Sie sollen englisch nur noch dort sprechen, wo internationale Kundschaft zu erwarten ist: Eine Zugsbegleiterin der Deutschen Bahn. (Archivbild, 2011)

Sie sollen englisch nur noch dort sprechen, wo internationale Kundschaft zu erwarten ist: Eine Zugsbegleiterin der Deutschen Bahn. (Archivbild, 2011) Bild: Keystone

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Die Deutsche Bahn schafft am frühen Morgen Tausende deutsche Menschen (und mich) zum Arbeiten nach Basel. Wenn so ein Intercity voller dösender Pendler aufs Rheinknie zufuhr, gaben die Schaffner per Bordmikro jahrelang die Anschlüsse in Basel bekannt – auf Deutsch und Englisch. Vom Badischen Bahnhof zum Beispiel ging se ridschenal train to Lauchringen weia Waldshut ab, from plätform six. Träwellers to Swiss, Italy und French aber verblieben bitte until Basel Ess-Bei-Bei im Zug und stiegen um auf se connectschen train to Dschiniv weia Delmont (sie sagten Delmont, wie Vermont).

Manchmal hiess Genf auch Dschenf, Switzerland wurde zu Schwitzerland. Und Chiasso war schon immer Tschiasso. Einer versuchte sich sogar mal an Französisch, da juchzte der ICE. Ohne diese tollen Ansagen hätte es Hunderte von britischen und amerikanischen DB-Kunden gegeben, die ratlos auf dem Badischen Bahnhof herumgestanden und nicht gewusst hätten, wie ihre connectschen ins Meadow Valley funktioniert.

Mehr Ruhe für Passagiere

Aber im Herbst 2010 änderte sich alles. DB-Chef Rüdiger Grube kündigte eine «Qualitätsoffensive» seines Unternehmens an. Das hiess: kürzere Ansagen und Englisch nur dort, wo internationales Publikum unterwegs ist, namentlich vor grossen Bahnhöfen (München, Berlin) oder an Flughafenhalten. Man wolle den Passagieren mehr Ruhe gönnen. Wir verstanden das so, dass die Deutsche Bahn ihre Kunden fortan vor der Ruhestörung durch das entgleiste Englisch ihres Personals schützen wollte. Tusch und Applaus!

Und es geschah, wenigstens ein bisschen. Tatsächlich haben sich die verzweifelten Ansagen deutscher Zugbegleiter, die ihre Sprachkenntnisse aus dem DB-Schulungsprogramm: «Englisch für Zugpersonal – leicht gemacht» an den Mann bringen wollten, zwar nicht erübrigt, sie sind aber kürzer geworden. Der ridschenal train to Lauchringen from Basel Bad ist ganz aus dem Sprachverkehr gezogen worden. Geblieben sind die Anstrengungen, den Menschen im Zug auf Englisch stockend zu verklickern, dass erst im Schwitzerland Station das Umsteigen nach Frangs und Inner-Swiss angesagt ist. Das Fremdsprachenniveau der SBB-Ansagen werden die DB-Sprachamateure ohnehin niemals erreichen.

«Service Point» durch «Information» ersetzt

Nun aber hören wir – und schreiben daher alles noch einmal hin –, dass die Deutsche Bahn durch die Zeitung «Deutsche Sprachwelt» zum «Sprachwahrer des Jahres 2013» gekürt wurde. Dies, weil die Deutsche Bahn Begriffe wie «Service Point» durch «Information» und «Handzettel» durch «Flyer» ersetzt habe; aber auch, weil Bahn-Chef Grube dafür sorge, «dass die Bahn möglichst durchgängig die deutsche Sprache verwendet». Fürwahr, durchgängige deutsche Sprachwahrung wäre chic; aber wir, jeden Morgen im Zug nach Basel, wären auch damit zufrieden, wenn deutsche Zugbegleiter ihr «Sänk ju»-Englisch endlich sauber aufgleisten, please.

Erstellt: 14.03.2014, 11:38 Uhr

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