Bildungsexperten fordern die Ganztagesschule

Gemäss einer Studie nützt Nachhilfe wenig, die Betreuung an Schulen müsste umfassender werden.

Umfassendere Betreuung gefordert: Unterrichtsbeginn in einer Primarschule in Genf.

Umfassendere Betreuung gefordert: Unterrichtsbeginn in einer Primarschule in Genf. Bild: Christian Brun/Keystone

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Immer mehr Eltern schicken ihre Kinder in die Nachhilfe. Bereits jeder sechste Schüler nimmt bei Studenten, Pensionierten oder Instituten Stützunterricht. Nun stellt eine vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützte Studie den Nutzen von Nachhilfe infrage. Entgegen der Einschätzung vieler Eltern wirke sich der Nachhilfeunterricht kaum positiv auf Noten aus, schreiben die Autoren der Fachhochschule Nordwestschweiz. Sie haben über 10'000 Schüler in der Deutschschweiz befragt. Für Studienautor und Pädagogikprofessor Hans-Ulrich Grunder ist klar: Die Gesellschaft müsse das hohe Ansehen des Nachhilfeunterrichts überdenken. «Nachhilfe wäre nicht mehr nötig, wenn Kinder und Jugendliche systematisch in Ganztagesschulen unterrichtet würden», sagt er.

Auch Beat Zemp, Präsident des Dachverbands Schweizer Lehrerinnen und Lehrer, fordert «an jeder Schule eine betreute Hausaufgabenhilfe». Anschliessend an den Unterricht könnten sich die Schüler dort unter fachkundiger Aufsicht gegenseitig helfen. Berns Erziehungsdirektor Bernhard Pulver zeigt Verständnis für die Forderungen: «In der Sache ist es richtig, mehr Ganztagesschulen zu verlangen.» In Ländern wie Frankreich, Schweden oder Norwegen sei dieses Modell äusserst erfolgreich. In der Schweiz sei man von einer obligatorischen Ganztagesschule aber noch weit entfernt. «Die Mehrheit der Bevölkerung wünscht, dass sich der Staat bei der Kindererziehung zurückhält.»

Ganztagesschulen im Trend

Trotzdem gebe es auch hier einen eindeutigen Trend zu immer mehr Ganztagesstrukturen an den Schulen, heisst es bei den Bildungsdirektionen der Kantone Bern und Zürich. In beiden Kantonen sind die Gemeinden verpflichtet, bei Bedarf die Kinder auch vor und nach der regulären Schulzeit zu betreuen. In Bern etwa braucht es mindestens zehn Kinder, die das Angebot nutzen. Die Gemeinden bieten selten Ganztagesschulen an, häufiger sind Auffangstunden am frühen Morgen, ein Mittagstisch oder betreute Aufgabenhilfe am Nachmittag. Das Zusatzangebot ist für alle Eltern freiwillig, aber in der Regel auch kostenpflichtig. 21 Kantone haben die Förderung von schulergänzender Betreuung in ihrer Verfassung oder im Gesetz verankert. Auch das Schulharmonisierungskonkordat Harmos sieht bedarfsgerechte Tagesstrukturen vor.

Erstellt: 12.09.2013, 22:57 Uhr

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