Tipps

Billiger wohnen mit Möbeln aus dem Brocki und dem Internet

Es braucht nicht viel Geld, um die Studentenbude einzurichten. Nur etwas Zeit, die richtigen Stücke zu finden.

Hat ihr Zimmer für rund 250 Franken eingerichtet: Studentin Rahel Christen. Foto: Doris Fanconi

Hat ihr Zimmer für rund 250 Franken eingerichtet: Studentin Rahel Christen. Foto: Doris Fanconi

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Viel mitgenommen aus ihrer letzten WG hat Rahel Christen nicht. Im Sommer zog die 24-Jährige aus Genf, wo sie ihren Bachelor in Internationalen Beziehungen machte, nach Zürich. Ohne Auto. Einen Koffer und drei Papiersäcke, das war alles, was sie aus dem Zimmer mitnahm, das sie möbliert gemietet hatte. Mit in die neue Bleibe nach Zürich kam die Orchidee. «Ich hätte nicht gedacht, dass sie die Reise überlebt», sagt Christen und betrachtet die rosa-violette Blütenpracht. Die Orchidee steht auf einem Regal, das die Studentin von ihren Eltern bekommen hat.

Rahel Christen, die derzeit in Luzern ihren Master in Weltgesellschaft und Weltpolitik macht, wohnt für gut 500 Fran­ken in einer Fünfer-WG in einem ­alten Haus in Höngg. Vermieterin ist das Jugendwohnnetz. Vier Etagen hat das Gebäude – mit je einer Wohngemeinschaft von Studenten. Das hat seine Vorteile. Denn was immer die jungen Leute an Möbeln nicht benötigen, stellen sie auf den Dachboden. Da dürfe sich jeder bedienen, sagt Christen. «Man muss einfach damit rechnen, dass mal jemand klopft und fragt, ob man einen grossen hellen Holztisch oder einen roten Sessel gesehen habe.»

Ein Leben ohne Schrank

Den grossen hellen Holztisch hat sie sich also im Estrich geschnappt; und auch der Spiegel, der neben dem Tisch an der Wand lehnt, gehört nicht ihr, sondern ihrer Mitbewohnerin. Die Studentin sagt: «Ich hätte mein ganzes Zimmer mit dem Zeug vom Dachboden einrichten können!» Das hat sie dann aber doch nicht getan. Ein paar Dinge holte sie im Billig-Möbelhaus – die Lampen etwa für das eher dunkle Zimmer.

Beim Einkaufen ging Rahel Christen sehr bewusst vor. «Ich schaute mir im ­Internet alles an, was ich brauchte. Ich wollte verhindern, dass ich spontan unnötige Dinge kaufe.» Das klappte, rund 250 Franken gab sie aus. Nach dem Umzug suchte Rahel Christen auch auf Face­book nach passenden Möbelstücken und bekam so für 50 Franken ein Schubladengestell, das eine Kollegin im Netz angeboten hatte. Einen Schrank hat sie nicht: Zu umständlich beim nächsten Umziehen, sagt sie. Als Stauraum für Sport- und Uni-Sachen benutzt sie Weinkisten aus Holz. Die standen in ihrer alten WG gelegentlich vor dem Haus, in dem auch eine Weinkellerei eingemietet war. Christen hat sie abgeschliffen und «so schon wieder etwas Geld gespart».

Salvatore Bruno spart beim Einrichten noch radikaler. Der 22-jährige ETH-Student war noch in keinem Möbelhaus, seit er diesen Sommer in Zürich-Affoltern sein Zimmer bezogen hat. Er wohnt mit acht anderen Leuten in einer Wohngemeinschaft in der Siedlung Aspholz, einer neuen Überbauung, realisiert von der Stiftung für Studentisches Wohnen Zürich (SSWZ). 332 Studierende erhielten dort dieses Jahr das – meist lang gesuchte – Dach über dem Kopf.

Möbel inbegriffen

Salvatore Bruno überlegt, schaut sich im Zimmer um und sagt: «50 Franken habe ich ausgegeben fürs Einrichten.» Und trotzdem musste der Student, der an der ETH Physik studiert, nicht viel aus seiner alten Bleibe zügeln. Das Nachttischchen, die Lampe, den Bürostuhl und den Abfallkübel, das wars. Der Student hatte Glück: In den rund 500 Franken, die er für die 15 Quadratmeter bezahlt, ist die ganze Einrichtung inbegriffen – auch Bett und Matratze. In einer Ecke des Zimmers hinter einer Schiebetür ­befindet sich der begehbare Kleiderschrank – ein paar Stangen und Tablare. Auch die Kücheneinrichtung stand beim Einzug parat. Töpfe, Besteck, Gläser, Teller: «Alles haben wir zur Verfügung gestellt bekommen», erzählt Salvatore Bruno.

Dass in seinem Zimmer nur wenige Möbel stehen, stört den Studenten nicht. «Ich lerne in der ETH-Bibliothek, weil ich mich da besser konzentrieren kann. Und bin ich daheim, sitze ich mit meinen Mitbewohnern im grossen hellen Wohnbereich oder spiele unten im Aufenthaltsraum am Töggelikasten.» Da benötige er weder teure noch viele Dinge in seinem Zimmer. Es gibt nur ein Problem bei dieser Variante, an der Einrichtung zu sparen: Das Angebot so eingerichteter Zimmer und WG ist wesentlich kleiner als die Nachfrage.

Andrea Deha Häberlin suchte deshalb gar nicht erst danach. Da sie neben dem Studium an der Universität Zürich arbeitet, leistet sie sich eine eigene Wohnung. Ein Zimmer mit Bad im Kreis 5. Ihr Bett klappt sie aus der Wand, den Tisch ebenso. Viel Platz für Möbel ist da nicht. Doch ein Designersofa und Regale voller Bücher passen rein. An den Wänden hängen Fotografien und die alten Brillen der Ethnologiestudentin in Bilderrahmen. Nichts von alldem ist neu. Das Lieblingsstück der 21-Jährigen ist das Sofa. Sie ergatterte es auf der Onlinebörse eines Möbelhauses: «Es gehörte ­einem Pärchen, bei dem es nicht mehr zur Einrichtung passte. Sie wollten aber, dass es weiterlebt. Als ich sagte, ich sei Studentin, verkauften sie mir das Desig­ner­stück für 50 Franken.»

Einkauf per Tram

Die Regale wie auch die Fotografien an der Wand stammen aus Brockenhäusern, denn die Studentin ist überzeugt: «Wenn ein Möbel secondhand ist, hält es vermutlich etwas aus.» Ebenfalls über eine Online-Möbelbörse kam die junge Frau zu ihrem Badezimmergestell aus Glas. «Als ich es abholen ging, fand ich mich vor einer Villa wieder», erzählt sie. Insgesamt habe sie etwa 400 bis 500 Franken ausgegeben für die Einrichtung der Wohnung. Und sie mag es, bei ihren Möbeln selbst Hand anzulegen. So hat sie Teilen der Bettwand einen Hellblau-Anstrich verpasst und ein Brett geschliffen, angemalt und lackiert, das oberhalb der Herdplatte als Ablage für den kleinen Backofen ihrer Grossmutter dient. Ein Couchsurfer, den sie zu Besuch hatte, installierte die Platte.

Die Stehlampe neben dem Sofa stammt vom Flohmarkt auf dem Bürkliplatz. Die Studentin entschied sich spontan zum Kauf und machte sich mit dem sperrigen Ding und mithilfe ihrer besten Freundin im Tram auf nach Hause. Mit Pause in der Rio-Bar. «Es sah vermutlich lustig aus, wie mitten in der Bar eine Lampe stand, die da nicht hingehörte.»

Erstellt: 12.10.2014, 18:06 Uhr

Tipps

Es muss nicht immer das Brocki sein

Wer seine Studentenbude mit einem knappen Budget einrichten muss, wird in Brockenstuben, auf Flohmärkten, in Fundgruben und auf Onlinebörsen fündig. Es gibt aber noch weitere Arten, wie gespart werden kann. Grundsätzlich gilt: Wenn es nicht eilt, wird es günstiger; weil man Rabattaktionen abwarten kann oder merkt, dass man das Gesuchte gar nicht mehr braucht.

Keller. Nicht nur der eigene, auch die Keller anderer Leute sind vollgestopft mit Dingen, die nicht mehr gebraucht werden. Viele sind froh, wenn das Zeugs wegkommt – erst recht, wenn es für einen guten Zweck ist und sich jemand um den Abtransport kümmert. Also: Telefonalarm starten, Rundmail verschicken an Freunde und Verwandte und einen Aufruf auf Facebook posten.

Anschlagbretter. Fast jeder Einkaufsladen hat ein Anschlagbrett. Dort verkaufen oder verschenken Leute immer wieder kleine Trouvaillen. Also Ausschau halten beim Milch- und Brotkaufen. Übrigens: Auf dem Land gibt es häufig mehr zu holen als in der Stadt.

Liquidationen. Finden in Restaurants oder Häusern Liquidationen statt, heisst es: «Dä Schnäller isch dä Gschwinder.» Wenn man schnell genug ist und auch ein wenig Glück hat, finden sich so wahre Schnäppchen. Hinweise auf Liquidationen finden sich in Zeitungen und im Internet.

Bring- und Holtage. Viele Gemeinden organisieren Bring- und Holtage. Dort kann man abgeben, was man nicht mehr will, und gleich nach etwas Passendem für die neue Bleibe suchen. Website der Wohngemeinde checken.

Onlinemarktplatz der Hochschulen. Wenn Studenten umziehen, landet vieles auf dem Onlinemarktplatz der Hochschulen (zum Beispiel: www.marktplatz.uzh.ch). Da gibt es ein Bett mit Matratze für 100 Franken oder einen Fernseher umsonst – und täglich neue Angebote.

Gutscheine. Auf Ebay und Co. gibt es Gutscheine verschiedenster Geschäfte zu ersteigern. Oft sehr günstig zu haben sind Prozentgutscheine, die sich für Investitionen wie ein neues Bett oder Sofa lohnen.

«Zum Mitnehmen». Manchmal stehen Möbel einfach auf der Strasse. Gerade vor den offiziellen Zügelterminen «entsorgen» manche so verbotenerweise ihr überflüssiges Hab und Gut. Zugegeben, nicht immer ist die Qualität berauschend. Aber einen genaueren Blick sind die Sachen allemal wert. Nur Nachmachen ist keine besonders gute Idee. (cim)

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