Der rechte Weg zur Weiterbildung

Die Ausbildungsangebote CAS, DAS und MAS sind gefragt. Dennoch sollte man sich das Studium gut überlegen – nicht zuletzt der hohen Kosten wegen.

Sie hat einen CAS und bald einen DAS-Abschluss auf dem CV stehen: Regula Rutishauser. Foto: Dominique Meienberg

Sie hat einen CAS und bald einen DAS-Abschluss auf dem CV stehen: Regula Rutishauser. Foto: Dominique Meienberg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Aus dem Dschungel der Weiterbildungsangebote stechen die Abkürzungen MAS, DAS und CAS hervor. Was steckt hinter den Lehrgängen, die an schweizerischen Hochschulen angeboten werden? Kurz zusammengefasst: «CAS» steht für «Certificate of Advanced Studies», es ist die unterste Stufe, für die Studierende mindestens 10 Kreditpunkte erwerben müssen. «DAS», «Diploma of Advanced Studies», ist die mittlere Stufe und umfasst im Minimum 30 ECTS. «MAS», «Master of Advanced Studies», ist die höchste Stufe mit mindestens 60 ECTS.

Das Angebot wächst und wächst. Zum Beispiel an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Dort besuchten im Jahr 2013 über 5000 Personen einen der fast 200 Weiterbildungslehrgänge – 2010 waren es erst über 4000 Personen in 135 Lehrgängen. Der Boom ruft Kritik hervor.

Rudolf Strahm, ehemaliger SP-Nationalrat und Preisüberwacher, sprach letztes Jahr im Rahmen der Lancierung seines Buchs «Die Akademisierungsfalle» auch die Problematik der Weiterbildungsmöglichkeiten an: Die Abschlüsse CAS, DAS und MAS sieht er als lukrative Einnahmequelle der Hochschulen mit problematischer Bildungsqualität, die die ­höhere Berufsbildung konkurrierten und deren Wert von niemandem mehr richtig eingeschätzt werden könne.

Vorstoss in neue Bereiche

Tatsächlich gab es Weiterbildungen an Universitäten und Fachhochschulen schon früher, sie hiessen einfach anders. Stefan Gerig, Leiter Studien- und Laufbahnberatung am Biz Oerlikon, findet, dass vor allem die Begrifflichkeiten unseriöser geworden seien. Bei Weiterbildungsangeboten müsse man stark differenzieren. «Es gibt Weiterbildungen, die nichts bringen und an deren Stelle man mit einer beruflichen Weiterbildung im Sinn einer Spezialisierung besser bedient wäre.» Wie Strahm findet auch Gerig, dass die höhere Berufsbildung ungerechtfertigt in Verruf komme. «Viele denken, sie müssten für alles einen Masterabschluss präsentieren.»

In einigen Fällen sind CAS/DAS/MAS-Weiterbildungen aber genau das Richtige. Zum Beispiel, wenn sie an eine berufliche Funktion gebunden sind oder man mithilfe eines CAS in einem neuen Bereich Fuss fassen möchte. Eine Garantie zum Weiterkommen ist aber auch das noch nicht, meint Gerig. Was rät der Berufsberater bei der Wahl einer Weiterbildung? «Stellen Sie sich zuerst die ganz grundsätzlichen Fragen: Welches Qualitätssiegel besitzt die Schule? Wer sind die Dozenten? Wer sind die Mitstudierenden? Welchen Nutzen sehen ehemalige Studierende? Welche Inhalte werden angeboten?»

Ein fairer Preiskampf

Bei der Auswahl besonders zu beachten: das Preis-Leistungs-Verhältnis. Ein CAS kostet zwischen 3000 und 10'000 Franken, ein MAS kann bis zu 35'000 Franken kosten. Ist die Weiterbildung im Interesse des Arbeitgebers, beteiligt sich dieser oft an den Kosten. Dass diese so hoch sind, hänge mit den rechtlichen Vorgaben zusammen, erklärt Dusan Milakovic, Stabsstellenleiter des Ressorts Weiterbildung an der ZHAW. «Staatliche Weiterbildungsanbieter, wie die ZHAW einer ist, dürfen den Wettbewerb nicht beeinträchtigen und müssen ihre Weiterbildungsprogramme deshalb zu kostendeckenden Preisen anbieten», erklärt er. Dies war schon immer so und wurde im neuen Weiterbildungsgesetz, das Anfang 2017 in Kraft tritt, nun explizit so festgeschrieben.

Auch Stefan Gerig relativiert das Bild der «Cashcows der Hochschulen». «Die Hochschulen führen ihre Weiterbildungsangebote nicht nur, um viel Geld zu verdienen, sondern auch, um ihr Renommee zu stärken und die fachliche Qualität zu sichern.» Er sieht das grosse und teure Weiterbildungsangebot im marktwirtschaftlichen Zusammenhang: Wenn die Gesellschaft nach immer mehr Weiterbildung verlangt, werden die Hochschulen diese auch anbieten.


Regula Rutishauser (55)
DAS Supervision, Coaching und Mediation, ZHAW
«In meinem beruflichen Werdegang habe ich mich immer wieder weitergebildet. Heute arbeite ich als Soziokulturelle Animatorin auf Mandatsbasis. Als ich Leiterin des Quartiertreffs Hirslanden wurde und so eine Führungsposition einnahm, wollte ich meine Kompetenzen in diese Richtung erweitern. So absolvierte ich nach ein paar Jahren den CAS «Leiten in Nonprofitorganisationen» an der ZHAW. Da auch von der Seite meines Arbeitgebers ein Interesse daran bestand, wäre mir die Weiterbildung, die ich selbst vorfinanziert habe, nachträglich ganz zurückbezahlt worden – hätte ich in dieser Zeit nicht gekündigt.

Mein Fazit zum CAS fällt sehr positiv aus: Es wurde nicht nur Wissen vermittelt, sondern stets ein Praxisbezug hergestellt. Dies empfand ich als Bereicherung für meinen Berufsalltag, den ich dank dieser Aussenposition mit anderen Augen betrachten und begleiten konnte. Ausserdem konnte ich durch die Vernetzung mit den Mitstudierenden meine professionelle Basis verbreitern. Auch in meiner eigenen Tätigkeit als Personalverantwortliche habe ich gemerkt, wie wichtig ständige Weiterbildung ist. Im Moment bin ich gerade am DAS «Supervision, Coaching und Mediation» (ZHAW). Zusammen mit dem CAS und einer Masterarbeit kann ich damit einen MAS erlangen. Für die ZHAW habe ich mich des guten Rufs und des langen Bestehens wegen entschieden. Der Standort Zürich ist für mich als alleinerziehende Mutter aber ein ebenso wichtiger Faktor.»


Olivia Pfister (29)
MAS Mehrwertsteuer, Kalaidos Fachhochschule
«Nach meinem Bachelorabschluss in Betriebsökonomie an der ZHAW arbeitete ich als Trainee bei einer Immobiliendienstleistungsfirma, danach als Fachspezialistin in der Mehrwertsteuerabteilung. Dafür benötigte ich Fachwissen, das mir während meines Studiums nicht vermittelt wurde. Eine spezifische Weiterbildung in diesem Bereich war deshalb unbedingt notwendig. Auch meine beiden Arbeitskollegen hatten eine solche Ausbildung durchlaufen, und so entschied ich mich für einen Lehrgang an der Kalaidos-Fachhochschule in Oerlikon. Dies ist die einzige Schweizer Ausbildungsstätte, die überhaupt einen Studiengang zu Mehrwertsteuer anbietet.

Erst absolvierte ich einen DAS über Schweizer MwSt. (2 Semester), danach hängte ich ein Semester über internationale MwSt. an. Im letzten Semester konnte ich mich auf ein Thema spezialisieren und mit einem Master (MAS) abschliessen. Im Nachhinein ist das Wissen über die internationale MwSt. zwar hilfreich, aber die Lerninhalte des DAS haben mir für meine tägliche Arbeit mehr gebracht. Dank des MAS-Titels hatte ich nach meiner halbjährigen Weltreise keine Probleme, eine neue Stelle zu finden, und konnte zwischen renommierten Beratungsfirmen wählen. Heute arbeite ich als Mehrwertsteuerexpertin bei einer Steuerberatungsfirma.»


Marius Wiederkehr (29)
MAS Management, Technology and Economics, ETH Zürich
«Bereits während meines Studiums der Bewegungs- und Sportwissenschaften an der ETH mit einem Master in Biomechanik absolvierte ich zwei Praktika in der Medizinaltechnik. Nach der Masterarbeit fand ich eine Anstellung als Projektingenieur in einer kleinen Medizinaltechnikfirma. Meinen sehr naturwissenschaftlich-mathematisch ausgerichteten Background wollte ich gerne erweitern, weshalb ich die Möglichkeit einer Weiterbildung stets im Hinterkopf behielt.

Für den MAS Management, Technology and Economics (MTEC) an der ETH habe ich mich entschieden, da er nicht so teuer wie ein MBA ist und die Fächer abdeckt, die ich vorher noch nicht hatte, zum Beispiel Supply Chain Management. Mit dieser Weiterbildung strebe ich an, Gruppenleitungen und Projektverantwortung übernehmen zu können, was mit einem rein naturwissenschaftlichen Hintergrund schwieriger wäre. In den Kursen des MAS werden wir grösstenteils zusammen mit den regulären Studenten des MTEC-Masters unterrichtet, doch gibt es auch einige Einzelkurse nur für die MAS-Studenten, wie etwa «Presentation Skills». Die 15'000 Franken für die vier Semester hat meine Firma zwar nicht übernommen, doch hat sie mir den grosszügigen Deal angeboten, dass ich mein Arbeitspensum bei gleichem Lohn auf 80 Prozent reduzieren konnte.»

Erstellt: 25.01.2015, 20:15 Uhr

Artikel zum Thema

Mit vierzig weg vom Fenster

Kommentar Arbeitgeber investieren weniger in echte Weiterbildung. Es ist günstiger die nötige Qualifikation «einzukaufen». Mehr...

Gratis-Uni im Internet: Hype oder Bildung für alle?

Eine Million Menschen werden nächstes Jahr an der ETH Lausanne studieren – per «Massive Open Online Courses». Vor allem Schüler aus armen Ländern sollen profitieren, doch Experten sind skeptisch. Mehr...

Zwischen Hochschule und Job

Wer berufsbegleitend studiert, pendelt zwischen zwei Welten. Das ist anstrengend, aber auch nützlich für die eigene Laufbahn. Doch nicht alle Studiengänge eignen sich fürs Teilzeitstudium. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Man soll die Feste feiern, wie sie fallen: Menschen in «Txatxus»-Kostümen nehmen am traditionellen ländlichen Karneval in Lantz, Nordspanien, teil. (24. Februar 2020)
(Bild: Villar Lopez) Mehr...