Dieses Hotel hat nur zwei Zimmer

Die Hotelfachschule Belvoirpark hat an der Seestrasse ihr neues Unterrichtsgebäude eröffnet. Es ist ein spezielles Haus geworden, in dem 300 Studenten praxisnah geschult werden.

Die Theorie wird schon bei der Eröffnung umgesetzt: Studentinnen und Studenten bringen Getränke. Foto: Reto Oeschger

Die Theorie wird schon bei der Eröffnung umgesetzt: Studentinnen und Studenten bringen Getränke. Foto: Reto Oeschger

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Zürich – Wer das Haus an der Seestrasse 141 von aussen betrachtet, errät nicht, was sich im Innern verbirgt. Es könnte ein modernes Bürogebäude an bester Lage sein – für Anwälte oder für eine Privatbank. Wer das Haus betritt, ist sich aber sicher, dass er sich in einem Hotel befindet. In einem der gediegenen Art: roter Teppich am Boden, hohe Räume, Betonwände, schwarzer Stein, weisse Farbe, schwere Leuchter an der Decke. Und eine Réception, hinter der junge Leute in adretten Businessanzügen stehen. Doch der Besucher steht nicht in einem Hotel, sondern in einem Schulhaus. Hinter der Réception stehen auch keine Hotelangestellten, sondern Studentinnen und Studenten. Sie absolvieren die Hotelfachschule Belvoirpark.

Nicht nur der Eingangsbereich ist einem gediegenen Hotel ähnlich: Auch die Gänge in den fünf Stöcken verströmen die mondäne Atmosphäre eines Luxusgasthauses. Schuldirektor Paul Nussbaumer spricht in diesem Zusammenhang von einem heimlichen Lehrplan: Nebenbei sollen die Studenten diesen Geist wahrnehmen. Aber auch merken, wenn einmal etwas nicht stimmt.

Zurück zur Schiefertafel

Hinter den Türen verstecken sich beispielsweise das grosse Auditorium sowie 12 Seminarzimmer, alle mit modernster Technik ausgerüstet. Doch jedes dieser Zimmer hat auch eine althergebrachte, schwarze Schiefertafel. «Wir wollen weg von Powerpoint-Präsentationen, die sind heute nicht mehr in», sagt der Schuldirektor. Tafeln und Pinwände würden die Kreativität stärker fördern.

Zwei Hotelzimmer sind in diesem Gebäude ebenfalls untergebracht. Nicht für Gäste, sondern als Übungsobjekt für die Studenten. Hier sollen sie putzen und Betten anziehen, hier sollen sie den Zimmern den Feinschliff geben. «Nur wer all diese Arbeiten selber ausgeführt hat, weiss auch, was dahintersteckt», sagt Nussbaumer. Er wird dann den Leuten Respekt zollen, die diese Arbeiten täglich ausführen.

Das erste Zimmer ist im einfachen Standard eines 3-Stern-Hauses eingerichtet, das zweite im luxuriösen eines 5-Stern-Hotels. «Beide Zimmer sind mit sehr unterschiedlichen Materialien eingerichtet, damit die Studenten sehen, was einfach und was schwierig zu reinigen ist», sagt Nussbaumer.

Damit erklärt der Direktor auch gleich das Konzept der Schule mit seinen knapp 300 Studentinnen und Studenten: Auf der einen Seite bietet sie theoretischen Unterricht, vertieft wird alles gleich in praktischen Anwendungen. So hat es neben einer Waschküche eine Bar, ein Kochstudio, eine Kochwerkstatt und eine Produktionsküche für Events. Die Studenten betreiben ihr Mitarbeiterrestaurant mit 150 Plätzen gleich selber. Und schliesslich müssen sich die Studenten im nahen Restaurant Belvoirpark, das öffentlich ist, vor Gästen bewähren. Im Kochstudio tüftelt der Chefkoch des Restaurants künftig gemeinsam mit den Studenten die Saisonkarten aus.

Melanie Frey, die in zweieinhalb Monaten ihre Ausbildung im Belvoirpark abschliesst, freut sich über das neue Schulhaus, auch wenn nach drei Tagen immer einiges noch gewöhnungsbedürftig ist. «Man trifft sich weniger. Und ich musste auch schon zum Handy greifen, als ich jemanden suchte», sagt sie. In den provisorischen Pavillons sei das nie nötig gewesen.

Die Bauzeit für das neue Schulgebäude dauerte 21 Monate. Die Hotelfachschule hat dabei 32 Millionen Franken investiert, der Kanton hat sich daran mit 4,5 Millionen Franken beteiligt. Das vormalige Schulhaus war Ende der 70er-Jahre erstellt worden.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.10.2014, 21:54 Uhr

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