Interview

«Klar, eine Milliarde klingt nach unglaublich viel Geld»

Die ETH Lausanne erhält für ihr Human Brain Project über eine Milliarde Euro von der EU. Präsident Patrick Aebischer erklärt die Bedeutung des Projekts und wie das Geld verwendet wird.

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Herr Aebischer, die ETH Lausanne erhält eine Milliarde Euro für das Human Brain Project. Wie wird das viele Geld verwendet?
Weise, hoffentlich! (lacht) Klar, eine Milliarde klingt nach unglaublich viel Geld, aber es muss für zehn Jahre reichen. Wir haben also 100 Millionen pro Jahr für ein Projekt, an dem Institute und Labore in ganz Europa mitmachen werden. Es ist wichtig für Europa, solche grossen wissenschaftlichen Projekte zu verfolgen, welche ambitiös und auch riskant sind. Ich bin froh, dass Europa diesen mutigen Schritt wagt. Es ist wichtig, dass man eine Konzentration von Talenten hat, die in Europa und vor allem in der Schweiz an so einem Projekt arbeiten. Wir müssen unsere Konkurrenzfähigkeit unbedingt halten, denn Forschung und Wissenschaft werden zu den wichtigsten Themen des 21. Jahrhunderts gehören.

Inwiefern werden die Studenten der ETH Lausanne involviert?
In den Graduiertenschulen und Doktoratsprogrammen sind viele schon involviert, und auch zahlreiche Masterstudenten werden die Möglichkeit zur Mitarbeit haben. Es werden sehr viele Daten gesammelt, welche einen grossen Einfluss auf die Wissenschaft und Forschung haben werden, einschliesslich Masterstudenten und Doktoranden.

Wie wird das Human Brain Project andere Projekte der ETH Lausanne beeinflussen?
Es erhöht natürlich die Sichtbarkeit und die Attraktivität der ETH Lausanne. Es geht hier nicht nur um Neurowissenschaft – das Projekt wird auch auf andere Forschungsfelder wie Materialwissenschaft, Physik, Chemie oder Ingenieurswissenschaft positive Auswirkungen haben.

Wie viele wissenschaftliche Paradigmenwechsel werden wir in den nächsten Jahren an der ETH Lausanne sehen?
(lacht) Wir hatten schon viele Veränderungen in den letzten zehn bis zwölf Jahren. Wenn man mit seinen Konkurrenten mithalten will, muss man hart arbeiten und in neue Felder gehen. Eine Universität kann nicht einfach stehen bleiben und auf die eigene Vergangenheit schauen – dann ist es zu spät.

Was bedeutet diese Auszeichnung für die Schweiz als Wissenschafts- und Forschungsstandort?
Das ist eine grossartige Anerkennung für die Schweizer Wissenschaft und auch für den ganzen ETH-Verbund. Das Human Brain Project ist ein aufregendes Projekt – nicht nur für die ETH Lausanne und die Region am Genfersee, sondern für die ganze Schweiz. Ausserdem darf man nicht vergessen, dass von den vier Projekten in der Endauswahl drei aus der Schweiz waren: Neben unserem Human Brain Project auch das Future ICT von der ETH Zürich und das «Guardian Angels for a Smarter Planet»-Projekt von ETH Lausanne und ETH Zürich. Darauf können wir stolz sein.

Was sind die nächsten Schritte?
Jetzt gehts richtig los! Wir müssen einen neuen High-Performance-Computer kaufen, der in Lugano aufgestellt wird, am Swiss National Supercomputing Centre, das von der ETH Zürich betrieben wird. Und wir werden das Netzwerk für das Projekt jetzt richtig aufbauen.

Es kommt aber nur die eine Hälfte der Milliarde direkt von der EU – die andere Hälfte muss das Projekt selber einwerben.
Das stimmt. Die Schweizer Regierung hat für die Periode von 2013–2016 bereits 20 Millionen Euro pro Jahr zugesichert. Die EU zahlt 500 Millionen über die nächsten zehn Jahre, also 50 Millionen pro Jahr, das sind zusammen also schon 70 Millionen. Auch Frankreich, Deutschland, Spanien und Schweden haben ihr Interesse ausgedrückt, am Projekt teilzunehmen. Ich habe überhaupt keine Angst, dass wir die 100 Millionen pro Jahr nicht zusammenkriegen – ich denke, es wird sogar mehr.

Erstellt: 28.01.2013, 20:44 Uhr

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