Statt Medizin Geschichte studieren?

Experten geben in der Rubrik «Gut zu wissen» Antworten auf Leserfragen zum Thema Bildung und Berufswahl.

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Ich werde demnächst den Bachelor in Medizin machen und zweifle immer mehr an meiner ursprünglichen Studien­wahl. Zwar gefällt mir die Idee, Ärztin zu werden, kranken Menschen zu helfen und gleichzeitig komplexe medizinische Probleme zu lösen. Immer mehr beschleichen mich jedoch Zweifel, ob ich für den Beruf der Ärztin geschaffen bin, da einem bekanntlich neben der Arbeit strukturell bedingt nicht mehr viel Zeit für anderes bleibt. Mich fasziniert seit je auch die Geschichte, weshalb ich mir schon länger überlege, das Studienfach zu wechseln. Welches ist der richtige Weg für mich?
N. Ü. aus B.

Liebe Frau Ü.
Sie sprechen mit Ihrer Frage ein vielschichtiges und vielen Leuten bekanntes «Problem» an, nämlich die «Qual der Wahl» oder positiv ausgedrückt die «Freiheit der Wahl». Ihre Motivation für den Beruf der Ärztin ist klar erkennbar: Sie wollen Menschen in beschwerlichen Lebenssituationen eine Stütze sein. Gleichzeitig reizt Sie die Idee, die Komplexität des menschlichen Körpers und dessen (Dis-)Funktionen zu begreifen, um, detektivgleich, nach Lösungen zu suchen. Andererseits macht Ihnen der Umstand Bauchschmerzen, dass Ärztinnen sehr hohen Arbeitsbelastungen ausgesetzt sind.

Es ist also nur folgerichtig, dass Sie Ihre Wahl noch einmal ernsthaft überprüfen. Es gibt eine Reihe von Entscheidungsstrategien, von denen Sie sicherlich bereits die eine oder andere Methode ausprobiert haben. Trotzdem bleiben Sie hin- und hergerissen, was ich gut verstehen kann.

Aber vielleicht gäbe es diese Ungewissheit gar nicht, wenn Sie sich eine andere Frage stellen würden. Statt «Welches ist der richtige Weg?» könnten Sie, Ihre gesamte Lebenszeit vor Ihrem geistigen Auge, auch darüber nachdenken, auf welchem Weg Sie beginnen möchten, um später vielleicht auf einen anderen zu wechseln. Oder Sie könnten nach einer Überschneidung der Wege Ausschau halten, einer Verbindungslinie. Wie uns Ihre alte Liebe, die Geschichte, lehrt, sind Lösungen, die nur «schwarz oder weiss» kennen, nicht unbedingt immer die besten. Konzentrieren Sie sich also nicht auf die Qual, sondern auf die Freiheit, Ihren – vielleicht eigenen und unkonventionellen – Weg zu gehen.

Erstellt: 28.04.2014, 07:01 Uhr

Stefan Gerig ist Studien- und Laufbahnberater im BIZ Oerlikon – einer Beratungsstelle der Zürcher Bildungsdirektion.

Senden Sie uns Ihre Fragen an bildung@tagesanzeiger.ch

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