Theologen verleihen den Dr. h. c. an den Ökonomen Rudolf Strahm

Rudolf Strahm machte sich einen Namen als Entwicklungsökonom, nun setzt er sich für die Berufslehre ein. Heute wird er Ehrendoktor.

Ehrendoktor: Rudolf Strahm beim Bundeshaus in Bern. (6. Mai 2011)

Ehrendoktor: Rudolf Strahm beim Bundeshaus in Bern. (6. Mai 2011) Bild: Keystone

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Die Theologische Fakultät der Universität Bern verleiht dem 68-jährigen Ökonomen Rudolf H. Strahm die Ehrendoktorwürde. Strahm sagt, er habe sich selber die Frage gestellt, warum ihm diese Ehrung zukomme, denn er habe weder Theologie studiert, noch sei er Sozialethiker. Die Fakultät hält fest, er habe sein Lebenswerk einer gerechten Entwicklungspolitik und dem Engagement für die Dritte Welt gewidmet.

Strahm blickt auf eine breite Laufbahn vom aufmüpfigen 68er bis zum Dr. h. c. zurück: Er studierte von 1968 bis 1973 an der Universität Bern Volkswirtschaft. Er habe sich schon während des Studiums und auch danach stets mit den Schnittstellen zwischen Ökonomie und Gesellschaftspolitik befasst, sagt er. Leider seien viele dieser Gebiete von der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bern vernachlässigt worden – deshalb habe er mit ihr immer gehadert. Sie betreibe zu viel Mainstream- und Lehrbuchökonomie ohne Praxisbezug. Die Entwicklungsökonomie zum Beispiel sei in Bern nie ein Thema gewesen – im Gegensatz zu Zürich, wo er nach Abschluss seines Studiums einen Lehrauftrag erhalten habe.

Bücher mit hohen Auflagen

Strahm erhält die Ehrendoktorwürde insbesondere auch für seine Publikationen, wie die Theologische Fakultät schreibt. Die Liste mit Büchern und grösseren Aufsätzen umfasst 20 Titel, die weiteren Veröffentlichungen lassen sich gar nicht mehr zählen. Das 1985 erschienene Buch «Warum sie so arm sind» wurde in neun Sprachen übersetzt. Die deutsche Ausgabe erreichte eine Auflage von 100'000. Unter dem Titel «Por esto somos tan pobres» wurde es laut der Übersetzerin Ursula Oswald-Spring in Lateinamerika 1,5 Millionen Mal vertrieben. «Verdient habe ich daran nichts», sagt Strahm.

Beim neuesten Buch hat er mit dem Titel «Warum wir so reich sind» den Blickwinkel gewechselt. Er beschreibt darin die Berufsbildung als Schlüsselfaktor für den Wohlstand und die tiefe Arbeitslosigkeit in der Schweiz. Gemäss dem ökonomischen Lehrbuch schaffe nur Wirtschaftswachstum Arbeitsplätze. Dagegen sei die Arbeitslosigkeit in der Schweiz auch in den Jahren 1992 bis 2005 tief geblieben, trotz schwachem Wirtschaftswachstum. Die Berufslehre könnte sehr wohl auch Vorbild für Entwicklungsländer sein, schreibt er. Im vergangenen Jahr ist eine von Strahm verfasste Broschüre über die Schweizer Berufslehre auf Englisch erschienen.

Strahm arbeitet mit vielen Grafiken. Er verfolgt mit seinen Publikationen ein pädagogisches Ziel: Er ist überzeugt, dass Wissen die Menschen mündig macht – allerdings nicht das Wissen aus dem akademischen Elfenbeinturm.

Im «Bund» erscheint alle drei Wochen eine Kolumne von Rudolf Strahm. (Der Bund)

Erstellt: 03.12.2011, 11:56 Uhr

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Wurzeln im Emmental

Rudolf Strahm wurde 1943 in Lauperswil geboren. Er war ursprünglich Chemiker, bevor er an der Universität Bern Volkswirtschaft studierte. Von 1974 bis 1978 war er Geschäftsleiter der von theologischen Kreisen um Pfarrer Kurt Marti gegründeten entwicklungspolitischen Organisation Erklärung von Bern. Von 1978 bis 1985 war er Zentralsekretär der SP Schweiz. Danach beschäftigte er sich als Geschäftsführer der Naturfreunde Schweiz mit Umweltfragen. In den Jahren 1991 bis 2004 gehörte er dem Nationalrat an. Von 2004 bis 2008 war er Preisüberwacher. Er hat einen Lehrauftrag an den Universitäten Bern und Freiburg für das Masterstudium von Berufsberatern. In Bern hat er einen weiteren Lehrauftrag an der Theologischen Fakultät über Globalisierung und Arbeitswelt.

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