Analyse

Traumberuf Lehrer

Studienwahl: Die Pädagogische Hochschule Zürich wird von Studierenden fast überrannt – aus verschiedenen Gründen.

Frühenglisch in der 2. Klasse: Mit dem Unterricht hat sich auch das Jobprofil der Lehrer geändert.

Frühenglisch in der 2. Klasse: Mit dem Unterricht hat sich auch das Jobprofil der Lehrer geändert. Bild: Sophie Stieger

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An der Pädagogischen Hochschule Zürich sind die Anmeldungen fürs Lehrerstudium in den letzten vier Jahren um 50 Prozent in die Höhe geschnellt. Auch für die neue Ausbildung, die den Quereinstieg in den Lehrerberuf ermöglicht, gibt es mehr als genug Interessenten. Das ist erstaunlich. Denn in den letzten Jahren war in den Medien oft von Lehrerinnen und Lehrern zu lesen, die unter der wuchernden Bürokratie leiden und von den Schulreformen überfordert werden.

Doch wo Schatten ist, muss es auch Sonne geben – das haben viele junge Leute offenbar erkannt: Für sie ist der Lehrerberuf aus unterschiedlichen Gründen attraktiver als sein Ruf.

Aussicht auf gut bezahlten Job

Aufgrund des Lehrermangels sind die Aussichten auf eine Stelle heute sehr gut. Und im Unterschied zu früher dürfte die grosse Nachfrage auf absehbare Zeit bleiben, weil die Schülerzahlen in den nächsten Jahren weiter anwachsen. Wer Lehrer wird, hat nach dem Studium nicht nur einen Job auf sicher, sondern auch einen gut bezahlten – wenigstens im Kanton Zürich.

Um den Lehrerberuf attraktiver zu machen, hat der Kantonsrat die Anfangslöhne stark angehoben. Eine Primarlehrerin verdient im ersten Dienstjahr 90'700 Franken, eine Sekundarlehrerin gar 96'100 Franken mit einer garantierten Lohnerhöhung im zweiten Jahr von rund 3500 Franken. Für eine 25-jährige Hochschulabsolventin ist das viel Geld.

Viele Freiheiten

Das Lehrerprofil hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. Gefragt sind nicht mehr Schulmeister und Einpeitscher, sondern Motivatoren und Lernbegleiter. Es ist ein Beruf, der für die Teilzeitarbeit geeignet ist, was vor allem junge Frauen anspricht: In der Primarlehrerausbildung sind vier von fünf Studierenden weiblich.

Familienfreundlich ist, dass sich die fixen Präsenzzeiten praktisch auf den Unterricht beschränken. Wann eine Lehrerin korrigieren oder Elterngespräche führen will, kann sie selber entscheiden. Sie kann tagsüber haushalten oder an einem schönen Sommertag auch mal in die Badi gehen. Zudem gibt es pro Jahr 13 Wochen Schulferien. Für Lehrerinnen und Lehrer sind die zwar nicht restlos frei. Doch bei guter Arbeitsplanung liegt eine lange Reise allemal drin, ohne dass man dafür unbezahlten Urlaub nehmen muss.

Keine Sackgasse mehr

Attraktiv ist nicht nur der künftige Job, sondern auch die Ausbildung. Die Pädagogischen Hochschulen (PH) sind eine Erfolgsgeschichte: Anders als die einstigen Lehrerseminarien sind sie keine Sackgasse mehr. Wer ein Primarlehrerdiplom (Bachelor) gemacht hat, kann an der Universität – theoretisch auch im Ausland – weiterstudieren und einen Master erwerben.

Gestiegen ist die Studierendenzahl auch, weil der Zugang zur Lehrerbildung erleichtert wurde. Früher brauchte es eine gymnasiale Matur, heute können auch Berufsmaturanden oder Fachmittelschulabsolventen über eine Prüfung an die Pädagogische Hochschule gelangen.

Wer sich heute für den Lehrerberuf entscheidet, muss dies keineswegs mehr endgültig tun. Das PH-Studium kann ein erster Schritt in ein offenes Berufsleben sein. Zu wünschen bleibt, dass auch die Männer die Vorzüge des modernen Lehrerberufes erkennen – nicht zuletzt im Interesse der Kinder, die oft nur noch von Frauen erzogen und unterrichtet werden.

Erstellt: 09.05.2012, 06:54 Uhr

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