Bildung & Chancen

Wie sich Architekten unterscheiden

Wenn extravagante Ideen und Sinn fürs Praktische zusammentreffen, kann gute Architektur entstehen. Etwa im Zürcher Büro Phalt, wo Hochschul- und Fachhochschulabgänger Hand in Hand arbeiten.

Architektenpaar mit unterschiedlichen Werdegängen: Mike Mattiello und Cornelia Mattiello-Schwaller.

Architektenpaar mit unterschiedlichen Werdegängen: Mike Mattiello und Cornelia Mattiello-Schwaller. Bild: Sophie Stieger

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Sie führen gemeinsam ein Architekturbüro und sind auch privat ein Paar. Unterschiedlich sind jedoch ihre Ausbildungswege: Während Cornelia Mattiello-Schwaller an der ETH Lausanne studierte, lernte Mike Mattiello zuerst Hochbauzeichner und besuchte darauf das Technikum Burgdorf. Zusammen mit dem ETH-Absolventen Frank Schneider haben sie vor sieben Jahren die Firma Phalt Architekten gegründet.

In den lichtdurchfluteten Räumen am Fuss des Uetlibergs entwerfen mittlerweile elf Personen mit verschiedenen Ausbildungen Wohnüberbauungen, Schwimmbäder, Theater, Museen und Schulhäuser. Im Raum Zürich gestaltete das Büro etwa die Überbauung Ettenfeld, das Gemeindehaus Regensdorf, den Innenraum des Restaurants Chuchi am Wasser sowie die Metallwerkstatt Dynamo.

«Wir drei pflegen einen ähnlichen Stil und ergänzen uns gut», sagt Cornelia Mattiello-Schwaller. Zeitgenössisch und aufgeschlossen wolle man bauen, erklärt die 38-Jährige. Aber auch Altbewährtes neu zu kombinieren, könne reizvoll sein. «Wir probieren gerne Neues aus.» Bei der Auswahl der Teammitglieder spiele in erster Linie die Person und ihre architektonische Haltung eine Rolle und erst in zweiter Linie die bildungsmässige Herkunft, betont die Architektin. Überhaupt hätten sich die Ausbildungen in den letzten Jahren immer mehr angenähert, stellt sie fest.

Früher sei die Rollenverteilung klarer gewesen: Kam der ETH-Architekt mit ­extravaganten gestalterischen Ideen daher, wusste der Fachhochschulabsolvent mit seiner praktischen Erfahrung bereits, was umsetzbar ist und was eher nicht. «Diesen pragmatischen Rucksack muss man ablegen können», sagt Mike Mattiello. Wer direkt von der Kantonsschule ins Studium einsteige, sei meist unbeschwerter. Das könne ein Vorteil sein, findet Mattiello. Und seine Frau ergänzt: «Manchmal findet sich für eine vorerst utopisch scheinende Idee schliesslich doch eine Lösung.»

Beim Architektenpaar war die Arbeitsaufteilung nie vordefiniert. «Mike ist gestalterisch auch sehr stark», findet Cornelia Mattiello-Schwaller. Am Technikum Burgdorf, das heute zur Berner Fachhochschule gehört, studierte er mit angehenden Architekten aus dem Berner Oberland. «Viele zeichneten vier Jahre lang Chalets – so richtige Knusperhäuschen – und wollten sich nicht weiterentwickeln», erinnert sich der 42-Jährige. Für die Phalt Architekten dagegen sei Unvoreingenommenheit äusserst wichtig. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.01.2014, 08:31 Uhr

Umfrage

Welche Ausbildung müsste der Architekt haben, der Ihr Haus baut?

Ein Architekturstudium an der ETH

 
34.0%

Eine Zeichnerlehre mit anschliessendem Fachhochschulabschluss

 
24.1%

Die Ausbildung ist zweitrangig. Wichtig ist, dass der Architekt meine Ideen versteht.

 
42.0%

3839 Stimmen


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«Das gebaute Umfeld soll sich den Menschen anpassen» Wenn extravagante Ideen und Sinn fürs Praktische zusammentreffen, kann gute Architektur entstehen.

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