«Wir sollten über Quoten diskutieren»

Maya Widmer vom Schweizerischen Nationalfonds sieht Handlungsbedarf – vor allem in den den höheren Etagen.

Eine wissenschaftliche Karriere sollte sorgfältig geplant werden – an der Universität Zürich ebenso wie in den USA. Foto: Nicola Pitaro

Eine wissenschaftliche Karriere sollte sorgfältig geplant werden – an der Universität Zürich ebenso wie in den USA. Foto: Nicola Pitaro

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Welchen geschlechterspezifischen Herausforderungen müssen sich Wissenschaftlerinnen in der Schweiz stellen?
Die Wissenschaft ist noch immer männlich dominiert, nicht nur in der Schweiz, auch in Europa und den USA. Bis vor rund 100 Jahren war den Frauen der Zugang zur Universität verschlossen. Die Strukturen verändern sich nur langsam, und ein Kulturwandel, der Geschlechterstereotypen entgegenwirkt, entwickelt sich erst langsam.

Welche Erfolge konnten in der Gleichstellung erzielt werden?
Betrachte ich nur die Zahlen, sind die Erfolge nicht berauschend. Doch das allein zählt nicht, es wurde viel gemacht und erreicht. So konnten die Sensibilisierung für die Gleichstellungsthematik gesteigert, Mentoringprogramme geschaffen, Kinderbetreuungsangebote ausgebaut und institutionelle Anpassungen eingeleitet werden. Hier arbeiten wir weiter an Verbesserungen. Oft sind es Kleinigkeiten, die einen Unterschied machen, etwa, wenn an Universitäten Sitzungen nicht mehr ausschliesslich auf Randzeiten gelegt werden.

Wo besteht Handlungsbedarf?
Beim Frauenanteil in Entscheidungspositionen. Es braucht mehr weibliche Vorbilder in der Wissenschaft. Und wir sollten bei Entscheidungspositionen über Geschlechterquoten diskutieren.

Es gibt Stimmen die sagen, Frauen würden sich solche Positionen gar nicht zutrauen.
Die Frauen sind nicht das Problem, das Problem sind die Strukturen, die auf einen männlichen Alleinernährer mit versorgender Frau im Hintergrund ausgerichtet sind. Wenn Kinder da sind, wird erwartet, dass sich die Mutter hauptsächlich um sie kümmert. Die Vereinbarkeit mit Familie ist ein Problem, welches sich in der Wissenschaft verstärkt stellt, da eine permanente zeitliche Verfügbarkeit als selbstverständlich vorausgesetzt wird.

Was raten Sie jungen Frauen, die in der Wissenschaft Karriere machen möchten?
Im jetzigen Umfeld mit verschärftem Wettbewerb muss eine wissenschaftliche Karriere geplant werden. Dazu sollte man sich unbedingt Unterstützung bei erfahrenen Personen holen: bei Professoren, Professorinnen und bei den Gleichstellungsfachstellen. Und nicht vergessen: Netzwerke aufbauen.

Erstellt: 03.05.2015, 18:09 Uhr

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Maya Widmer, Gleichstellungsbeauftragte für Forschungsförderung beim Schweizerischen Nationalfonds (SNF). Foto: PD

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