Zum Hauptinhalt springen

Beruf in Sicht

Die Fachmittelschulen werden bei den Jugendlichen immer beliebter. Sie bereiten auf ein Studium an einer Fachhochschule oder Höheren Fachschule vor. Dann folgt ein Praktikum in der Arbeitswelt.

An Fachmittelschulen sind junge Frauen deutlich in der Mehrheit. Ziel ist oft ein Lehr- oder Gesundheitsberuf. Foto: Gaëtan Bally
An Fachmittelschulen sind junge Frauen deutlich in der Mehrheit. Ziel ist oft ein Lehr- oder Gesundheitsberuf. Foto: Gaëtan Bally
Keystone

Ein Universitätsstudium wäre Florence Craman zu theorielastig gewesen. Vor allem aber wollte sie möglichst schnell in der Arbeitswelt Fuss fassen. Sie besuchte daher nach der obligatorischen Schulzeit nicht das Gymnasium, sondern die Fachmittelschule an der Freien Evangelischen Schule in Zürich. Mit dem Fachmittelschulabschluss im Profil «Kommunikation und Information» in der Tasche bewarb sie sich beim Hauptsitz einer bekannten nationalen Krankenkasse für ein einjähriges Praktikum im Bereich Human Resources, bekam den Job und schrieb nebenbei die Fachmaturarbeit.

Die Aufgaben waren anspruchsvoll. Sie konzipierte Schnuppertage für angehende Lernende und führte sie durch. «Meine Chefin hat mich gefordert. Ich hatte einen wunderbaren Einstieg in die Berufswelt», sagt sie. Ein weiteres Jahr arbeitete Florence Craman bei der Krankenkasse in der Unternehmenskommunikation, dann wechselte sie in eine Zürcher PR-Agentur, wo sie als Junior Consultant tätig ist. Heute studiert die 24-Jährige berufsbegleitend an der HWZ (Hochschule für Wirtschaft Zürich) im 5. Semester Business Communications.

Sechs Profile

Die Fachmittelschulen haben die ehemaligen Diplommittelschulen abgelöst. Während dreier Jahre besuchen die Schülerinnen und Schüler einen allgemeinbildenden und einen berufsfeldspezifischen Unterricht, und zwar in einem der folgenden sechs Profile: Kommunikation und Information, Gesundheit und Naturwissenschaften, Pädagogik, Musik, Theater oder Soziales. Im letzten Jahr führen ein mehrmonatiges Praktikum und das Verfassen einer Abschlussarbeit zur Fachmatur. «Die Ausbildung bereitet auf ein Studium an einer Fachhochschule oder einer Höheren Fachschule vor, bei denen der Praxisbezug besonders wichtig ist», sagt Peter Scheuermeier, Rektor an der Freien Evangelischen Schule in Zürich (FES). Dazu gehören Schnuppertage, Praktika, Sprachaufenthalte und Projektwochen.

Im Kanton Zürich führen neben der FES die Kantonsschule Zürich Nord und die Kantonsschule Rychenberg in Winterthur eine Fachmittelschule. Das Interesse an diesem Schultyp sei seit seiner Gründung im Jahr 2007 kontinuierlich gestiegen, sagt Christoph Guggenbühl, Prorektor an der Kantonsschule Zürich Nord (KZN). «Zurzeit besuchen an der KZN 440 Schülerinnen und Schüler die FMS, weitere 70 absolvieren das Fachmaturitätsjahr in einem Praktikumsbetrieb.» In Winterthur seien es 140 respektive 20 Schülerinnen und Schüler.

Eignungstests nötig

Für viele ist die Fachmaturität wohl auch deshalb eine aussichtsreiche Alternative zum Gymnasium, weil sie mit dem Abschluss die Voraussetzungen für viele attraktive und berufsfeldbezogene Fachhochschulstudiengänge erfüllen. Das geforderte Praxisjahr bringen sie im Gegensatz zu den Absolventen einer gymnasialen Matura bereits mit.

Eine Erhebung der Kantonsschule Zürich Nord zeigt, wie vielfältig die Berufsziele der Absolventinnen und Absolventen der Fachmittelschule sind. Von den 112 im Juni austretenden Schülerinnen und Schüler entschieden sich 30 Prozent für eine Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule, 14 Prozent für Gesundheitsberufe, 13 Prozent für etwas Soziales, 5 Prozent für ein Studium der Naturwissenschaften, 8 Prozent für eine Kommunikationsausbildung, 3 Prozent für Gestaltung und Kunst und 5 Prozent für weitere Ausbildungen. 22 Prozent waren noch unentschlossen.

Allerdings ist mit der formalen Voraussetzung für ein Fachhochschulstudium kein Studienplatz garantiert. Für einige Studiengänge müssen die Kandidaten vorgängig einen Eignungstest bestehen – zum Beispiel für Psychologie, Journalismus und Organisationskommunikation oder für eine Schauspielausbildung. Die Selektion vor Studienbeginn ist in diesen Ausbildungen teils sehr streng.

----------

Umfrage zum Thema Berufswahl www.bildung.tagesanzeiger.ch

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch