Bessere Noten dank diesem Rucksack

In Afrika sind Kinder beim Lernen oft auf die Lampe der Eltern angewiesen. Mit dem Solarpak können sie auch nach Sonnenuntergang weiterlesen.

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Der kleine Michel Koutouan wird von seinen Eltern gelobt, weil seine Schulnoten immer besser werden. Von einer durchschnittlichen 5 in einem Notensystem von 1–10 hat er sich auf 7 verbessert. Auch wenn Michou, wie ihn seine Eltern nennen, sich gerne im Lob der Eltern sonnt, sagt er, dass er das alles einem Rucksack verdankt, dem Solarpak. In Michels Elternhaus im Dorf Songon westlich von Abidjan an der Elfenbeinküste gibt es keinen elektrischen Strom. Michel hatte das Glück, eines von 50 Schulkindern in seiner Wohngegend zu sein, die einen Solarpak erhielten. Andere Empfänger im nahe gelegenen Dorf Grand Aféri im Südosten der Elfenbeinküste haben ihre schulischen Leistungen ebenfalls verbessert.

Evariste Akoumian heisst der Mann, der den Solarrucksack erfunden hat. Er kam auf die Idee, während er Computerzubehör und Büromaterial in die entlegenen Dörfer des Landes lieferte. Als er in einem kleinen Dorf ohne Elektrizität Rast machte, realisierte er, dass es für Kinder schwierig sein musste, nach Sonnenuntergang zu lernen und ihre Schulaufgaben zu machen. «Die meisten Familien haben zwar eine Notlampe, die sogenannte Sturmlampe», sagt er, «aber die wird normalerweise für die Arbeiten im Haushalt eingesetzt oder vom Vater gebraucht, und so kommt das Kind mit den Hausaufgaben immer zu kurz.»

Anschluss an die Lampe per USB

Evariste Akoumian kam ins Grübeln. «Ich sagte mir, dass wir in Afrika sehr viel Gratis-Sonnenschein haben. Es musste doch eine einfache und sinnvolle Möglichkeit geben, diesen Kindern zu helfen, ihre Schulleistungen zu verbessern.»

Er fand die Lösung im Solarrucksack. Der wasserdichte Solarpak besteht aus einem Solarmodul von 3 Watt, einer Batterie und einer LED-Lampe, die mittels USB-Buchse angeschlossen wird. Die Batterie gibt das während des Schulwegs oder sonst tagsüber gespeicherte Sonnenlicht an die Lampe ab, die dann bis zu drei Stunden Licht spendet. «So ist das Kind autonom und es kann sich die Zeit zum Lernen und für die Hausaufgaben selbst einteilen.»

Akoumian investierte zweieinhalb Jahre, um das Produkt zu entwickeln, zu testen und schliesslich herzustellen. Dann machte er sich daran, 500 Gratis-Solarrucksäcke in vier Gegenden der Elfenbeinküste zu verteilen. «Ich benutzte die Erträge aus meinem Computerhardware-Geschäft, um Solarpak zu finanzieren», erklärt er. «Insgesamt investierte ich mehr als 50 Millionen CFA-Francs», das sind etwa 83'000 Franken. Um die Kosten etwas zu senken, teilt sich der Jungunternehmer seine Werkstatt mit einem anderen jungen Erfinder.

«Man darf nie aufgeben»

Akoumian erhofft sich viel von seinem Projekt: Dass es den 700 Millionen Menschen, die in Afrika ohne Elektrizität leben, leichten Zugang zu Strom verschafft. Er weiss, dass es kein leichtes Unterfangen ist. «Man darf aber nie aufgeben, wenn es schwierig wird. Im Gegenteil, wir müssen Mut und Ausdauer aufbringen, denn leicht ist ohnehin nichts.»

Solarpak hat derweil Interesse geweckt, unter anderem das der Erziehungsministerin des Landes, Kandia Camara, oder der Musikgruppe Magic System. Evariste ist denn auch dauernd auf Achse. Er kam im internationalen Wettbewerb Global Social Venture Competition Francophone ins Final und schaffte es auch in den weltweiten Final in Berkeley, Kalifornien im April 2017. Er war schliesslich unter den besten zehn in diesem renommierten amerikanischen Wettbewerb, der jeweils Teilnehmer aus mehr als 50 Ländern anzieht, und ist entsprechend stolz.

Ein französischer Beitrag über den Solarpak. Quelle: Youtube

Obwohl die amerikanische Botschaft an der Elfenbeinküste viel dazu beitrug, den Solarpak bekannt zu machen, bekommt Evariste Akoumian keine externe finanzielle Unterstützung für den Vertrieb seiner Rucksäcke, die etwa 20 Franken pro Stück kosten, inklusive Verkaufssteuer. Zurzeit importiert er die leeren Rucksäcke und die Solarmodule aus Asien und fertigt den Solarpak dann in seiner Werkstatt. «Wir planen, Geld für eine kleine Fabrik zusammenzukriegen, sodass wir alle Materialien hier produzieren können. Dann könnten wir den Benachteiligten nicht nur Strom liefern, sondern auch Arbeitsplätze in unserem Land schaffen.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.06.2017, 15:21 Uhr

Initiator:
Evariste Akoumian

Projekt:
Solarpak, Elfenbeinküste

Website:
www.solarpak.net

Autor:
Kamagaté Issouf, «Fratérnité Matin»

Übersetzung:
Rosemarie Graffagnini

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