Zum Hauptinhalt springen

Ein Uniabschluss mit zehn Jahren: Zu langsam

Die Familie des neunjährigen Hochbegabten Laurent Simons streitet mit einer holländischen Uni – und zieht Konsequenzen.

Laurent Simonis studiert mit neun Jahren bereits Elektotechnik an der Universität. Foto: Reuters
Laurent Simonis studiert mit neun Jahren bereits Elektotechnik an der Universität. Foto: Reuters

Die Medien bezeichnen ihn als Genie, als Wunderkind und «Turbostudent», sie vergleichen ihn mit dem Astro­physiker Stephen Hawking und mit Albert Einstein. Laurent Simons er­regte grosse Bewunderung, als er mit acht Jahren in Belgien seine Matura ablegte. Das machte ihn zu einem der jüngsten Menschen mit Schulabschluss weltweit. Danach begann er in der niederländischen Stadt Eindhoven Elektotechnik zu studieren. Und heute, ein gutes Jahr später, steht er bereits vor dem Bachelor-Abschluss. Doch es gibt Schwierigkeiten.

Die Eltern des Neunjährigen wollten unbedingt, dass er den Titel noch vor seinem zehnten Geburtstag erhält, das wäre bis Ende Jahr. Das sei zu schnell, so viele Prüfungen in so kurzer Zeit könne Laurent nicht ablegen, befand hingegen die Universitätsleitung. Wenn er sein Abschlusszeugnis bis Mitte 2020 erhalte, habe er ein Studium immer noch mit phänomenaler Geschwindigkeit absolviert, nämlich dreimal so schnell, wie es normalerweise dauere.

Er habe es so gewollt

Aber die Eltern fürchten sich offensichtlich nicht, einem ­Klischee zu entsprechen, das in solchen Fällen naheliegend ist: über­steigerter Ehrgeiz, von Erwachsenen auf ein wehrloses Kind projiziert. Der Vater des Genies teilte den Medien mit, Laurent werde seine akademische Karriere an einer amerikanischen Eliteuniversität fortsetzen. Der Junge habe das so gewollt.

Laurent Simons hat einen Intelligenzquotienten von 145. Als hochbegabt gilt, wer einen Wert von 130 erreicht, was weniger als zwei Prozent der Bevölkerung schaffen. Reporter des deutschen Nachrichtenmagazins «Spiegel» haben Laurent und seine ­Eltern vergangenes Jahr in deren Heimatstadt Amsterdam besucht. Der Junge sei höflich und zurückhaltend, rede wenig, beantworte Fragen «nur mit einzelnen Wörtern oder Halbsätzen».

Die Eltern betonten, ihr Sohn habe durchaus eine kindliche Seite, er fahre gerne Achterbahn und sammle Panini-Bildchen. Und er sei eigentlich nur ungern mit anderen hochbegabten Kindern zusammen.

«Es ist, als hätte er zehn unabhängige Gehirne, die nebeneinander funktionieren.»

Lydia Simons, Mutter von Laurent

Gemerkt haben die Eltern lange nichts von der überragenden Intelligenz ihres Kindes. Gut, dass er Spielzeuge lieber auseinandergenommen und die Einzelteile studiert habe, als mit ihnen zu spielen, sei schon etwas seltsam gewesen. Aber richtig bewusst sei ihnen das Talent ihres Jungen erst geworden, als sie die Erzieher der Kinderkrippe darauf aufmerksam gemacht hätten.

Nach der innerhalb von zwei Jahren absolvierten Primarschule ging Laurent zunächst auf ein holländisches Gymnasium, habe sich aber ständig über seine Mitschüler beklagt. Sie seien ihm zu langsam. Und die Mitschüler fanden es unerträglich, dass er ständig aufstreckte und immer alles wusste. Im Gymnasium im belgischen Brügge erhielt der Bub dann Einzelunterricht.

«Es ist, als hätte er zehn unabhängige Gehirne, die nebeneinander funktionieren», sagt Laurents Mutter. Er habe schon als kleines Kind so viel gefragt, dass sie ihn bald nur noch gebeten hätten, auf Google nachzuschauen. Laurent sagte zu den deutschen Journalisten, er sei davon überzeugt, es werde bald eine technische Lösung für den Klimawandel geben. Das ist nach dem gescheiterten Klimagipfel in Madrid immerhin ein Hoffnungsschimmer.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch