Hintergrund

Finnlands Erfolgsrezept

Jahr für Jahr verblüffen Finnlands Schüler mit ihren Leistungen die Welt. Die finnische Bildungsministerin Henna Virkkunen erklärt in einem Interview, warum.

Weltklasse: Zwei Schüler machen in Vantaa ihre Hausaufgaben.

Weltklasse: Zwei Schüler machen in Vantaa ihre Hausaufgaben. Bild: Keystone

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Finnland steht immer wieder ganz oben. In den jährlich erhobenen Pisa-Studien schneiden finnische Schüler regelmässig unter den Top 5 ab. Letztmals auf Platz 2 (Naturwissenschaften), Platz 3 (Leseverständnis) und Platz 6 (Mathematik). (Die Schweiz im Vergleich: Platz 15, Platz 14 und Platz 8).

Warum sind ausgerechnet die Finnen Europas beste Schüler? Die finnische Bildungsministerin Henna Virkkunen liefert im Interview mit der «Süddeutschen Zeitung» Erklärungen.

«Das Beste an unserem Schulsystem sind die guten Lehrer», sagt sie etwa. «Der Beruf ist sehr beliebt, die talentiertesten Schulabgänger wollen Lehrer werden. In anderen Ländern ist das oft nicht so.» Auch werden die finnischen Lehrer gemäss Virkunnen hervorragend ausgebildet und haben viele Freiheiten. «Sie können zum Beispiel Lehrmethoden und -materialien selbst wählen.»

Weitgehende Einigkeit punkto Bildung

Eine weitere Stärke sei, dass alle Schulen gleich gut sind – trotz Regionen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. «Ein Viertel unserer Schulen hat weniger als 50 Schüler. Unser System muss in Dorfschulen funktionieren, wo nur zwei Lehrer unterrichten, aber auch in Helsinki, wo es mehr und mehr Einwanderer gibt.»

Ein Vorteil sei aber auch, dass sich die Parteien weitgehend einig seien, wenn es um die Bildung gehe. Lehrer müssten sich darum nicht ständig mit Reformen beschäftigen, sondern könnten ihrer regulären Arbeit nachgehen.

Andere Einstellung zum Lernen

Dennoch war die Bildungsministerin nach eigenen Angaben erstaunt, dass Finnland in der letzten Pisa-Studie erneut so gut abschloss. «Ich habe gedacht, dass die anderen Länder etwas mehr aufholen würden. Ein wenig überrascht war ich also doch, dass wir so weit vorne lagen.»

Vor allem die asiatischen Länder hätten in den vergangenen Jahren sehr viel investiert – das sehe man ja jetzt auch bei den neuesten Resultaten. «In Asien hat man eine andere Einstellung zum Lernen. Koreanische Schüler etwa wenden jeden Tag 50 Prozent mehr Zeit für ihre Ausbildung auf als finnische.»

«Es funktioniert nur hier»

Jedes Land brauche jedoch ein eigenes Schulsystem. Das finnische sei ergo nicht einfach in ein anderes Land «verpflanzbar». «Unser System funktioniert hier», so Virkunnen, «anderswo würde es nicht so gut funktionieren.»

Die Bildungsministerin gibt sich aber auch selbstkritisch. Es sei ein Problem, dass sich die finnischen Kinder in der Schule nicht immer wohl fühlten. Dies werde beim Pisa-Test nicht berücksichtigt. In Dänemark beispielsweise schneiden die Kinder im Pisa-Test zwar vergleichsweise schlechter ab, sind jedoch zufriedener. «Etwas mehr von diesem Glück hätten wir auch gerne.» (reh)

Erstellt: 27.12.2010, 17:00 Uhr

«Das Beste sind die Lehrer»: Die finnische Bildungsministerin Henna Virkkunen. (Bild: hennavirkkunen.fi)

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