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Master of Schummelei

In Karrierenetzwerken finden sich viele falsche Uni-Profile mit Titeln, die von Pseudo-Hochschulen stammen. Sogar Haustiere können ein akademisches Diplom erhalten.

Bernd Kramer
Chester Ludlow, ein Mops mit Masterabschluss. Screenshot: Get Educated
Chester Ludlow, ein Mops mit Masterabschluss. Screenshot: Get Educated

Zweimal muss man sich weiterverbinden lassen, dann hat man den Vertriebsleiter eines Lackiertechnikunternehmens am Apparat, also den Mann, der ausweislich seines Profils im Karrierenetzwerk Xing die Rochville University abgeschlossen haben will. Welche Erfahrung er mit dieser Hochschule gemacht habe? «Gute», sagt er. Er habe den Abschluss ja für Lebenserfahrung erhalten, Master of Life Experience, was in den USA ein gängiges Graduierungsverfahren sei. Ob er auch Vorlesungen besucht habe? Prüfungen geschrieben? Schweigen. Er will jetzt erst mal Name, Funktion und Adresse des Anrufers haben, zum Mitschreiben, bitte. Er müsse wieder an die Arbeit, das Studium sei sehr gut gewesen. Auf Wiederhören.

Die Alma Mater des Mannes gilt als sogenannte Titelmühle, die Hochschulgrade gegen Geld vergibt. Der «New York Times» zufolge steckte eine pakistanische Softwarefirma hinter der Rochville University. 2012 wurde die angebliche Hochschule per Gerichtsbeschluss geschlossen. Im Xing-Profil des Vertriebsleiters aus Baden-Württemberg findet man sie aber weiterhin.

Das ist kein Einzelfall. Die Karrierenetzwerke sind voll von Absolventen, die mit Fake-Diplomen ihren Lebenslauf aufhübschen. Was früher allenfalls findigen Personalabteilungen aufgefallen wäre, passiert nun ganz ungeniert und öffentlich. Da ist ein Pferdetrainer mit Abschluss der Breyer State University, der der Bundesstaat Alabama 2008 die Lizenz entzog. Da ist der Prokurist, der an der ähnlich obskuren American World University studiert haben will. Oder der selbstständige Unternehmensberater, der sogar einen Ehrendoktor der St. Regis University aus Liberia führt, ebenfalls eine Einrichtung mit eher zweifelhaftem Leumund. Schon 2004 sah sich die liberianische Botschaft in Washington zu der Klarstellung genötigt, dass die Universität keinen legalen Status im Land habe. Ein paar Jahre später wurden die Betreiber in den USA zu Haftstrafen verurteilt, sie sollen mit Fake-Abschlüssen Millionen umgesetzt haben. In den Karrierenetzwerken taucht sie heute noch in mehreren Profilen auf.

Ehrendoktor per Post

Die ehrwürdige St. Regis University – eine Titelmühle? Möglich, sagt ein Berater, den man am Telefon mit der Frage konfrontiert. Aber zu seiner Zeit sei noch alles in Ordnung gewesen. Und dann erzählt er, wie er zu seinem Titel kam: Er habe eine Dissertation nach Monrovia geschickt, aber keine Lust gehabt, die Urkunde persönlich abzuholen. Die Einrichtung habe ihm daher einfach einen Ehrendoktor per Post geschickt.

Hätte der Vertriebsleiter des Lackierunternehmens nicht so schnell zurück an die Arbeit gemusst, man hätte gerne mit ihm noch über Chester Ludlow gesprochen. Laut der Xing-Profile studierten beide dasselbe Fach zur etwa selben Zeit, zwei Kommilitonen also. Chester Ludlow reichte im Mai 2009 einen Lebenslauf bei der Uni ein und überwies 499 Dollar, in der Woche darauf kam ein Expresspaket aus Dubai, darin Textbücher, ein Aufkleber der Uni und das gewünschte MBA-Diplom. Nur ist Chester Ludlow bloss ein Mops aus Vermont, den sich eine Konsumentenorganisation als Maskottchen nahm. Er gilt seither als einer der ersten Hunde mit Masterabschluss.

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