«Sunehof» – der Name verleiht Flügel

Die zweite Etappe des 5-Tage-Berglauf-Cup liess die Routiniers fliegen. Novizen kämpften mit sauren Muskeln.

«Da konnten wir alle noch lachen»: Pia Wertheimer (rechts) neben Markus Ryffel

«Da konnten wir alle noch lachen»: Pia Wertheimer (rechts) neben Markus Ryffel Bild: iXedi.ch/Mano Reichling

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«Waterloo – finally facing my waterloo!» Was für ein symbolträchtiger Empfang bescherte mir der Skiclub am Bachtel, Veranstalter des 5-Tage-Berglauf-Cup, in Bauma. Meine Muskeln sind sauer – sie haben die gestrige Anstrengung noch nicht verdaut und speisen meine Zweifel. Und als ob der Veranstalter meine Zweifel kennen würde, schmettern Abba beim Start der zweiten Etappe Napoleons Niedergang aus den Lautsprechern.

Der Sunehof, das zweite Etappenziel, ist 4,3 Kilometer entfernt – machbar, wenn da nicht die 310 Höhenmeter wären. Doch nach den gestrigen 5,1 Kilometern und 535 Höhenmetern stimmen mich die Masse meines heutigen Gegners übermütig. Was konnte der Sunehof denn schon sein, gegen die Farner Alp? Die Namen nährten meinen Hochmut: Nasenwasser! Zuversichtlich stelle ich mich neben Christoph Menzi, dem Viertplatzierten der gestrigen Etappe. Es geht los – wie ein kleiner Kriegsherr beobachte ich die Läuferschar und lasse die Menge an mir vorbei.

«Hochmut kommt vor dem Fall», fährt es mir duch den Kopf

Diese Taktik hatte einen Tag zuvor bestens funktioniert – von hinten angreifen. Heute gehts gleich zur Sache. Auf den ersten Metern fordert die Steigung bereits die ersten Opfer – ich kämpfe. Würde ich denselben Schwächen erliegen wie einst der berühmte französische Herrscher in Belgien? Würde mich mein übersteigertes Selbstbewusstsein meinen Gegner – diesen Hügel – unterschätzen lassen? Ich drossle mein Tempo – so leicht werde ich mich nicht geschlagen geben.

Während am Horizont Menzi um die Kurve fliegt, melden sich meine sauren Muskeln. «Hochmut kommt vor dem Fall», fährt es mir durch den Kopf. Am Wegrand ignoriert ein Dreikäsehoch kulant meinen roten Kopf und schreit sich «Hopp schneller!» aus der Lunge. Glücklicherweise ist das Höhenprofil dieser Etappe gnädiger, immer wieder lassen mich flache Wegstücke zu Atem kommen. Und diesmal werde ich nicht von den sehnigen Läufern nach hinten durchgereicht. Das Ziel im Blick hole ich noch die letzten Kräfte aus meinen müden Beinen. Und wenn gestern der Name des Restaurants «Lauf» einen höhnisch-bitteren Geschmack hinterliess, beflügelte mich das freundlich anmutende Wort «Sunehof» auf dem Wirtshausschild auf den letzten Metern. Rund 30 Minuten nach dem Start wallt das Adrenalin in meinen Adern – zwei Höhepunkte in 48 Stunden... Die Chronik der dritten Etappe lesen Sie morgen an dieser Stelle.

Erstellt: 18.08.2010, 09:03 Uhr

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