Von der Bergkönigin zum Bergfloh

Die vierte Etappe des 5-Tage-Berglauf-Cups bringt ans Licht, was den Routinier von der Novizin unterscheidet.

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Der Bachtel steht bei der vierten Etappe des Berglauf-Cups auf dem Programm. Mit 3,6 Kilometern eine der kürzeren Strecken, die 375 Höhenmeter ergeben aber eine Steigung von 10 Prozent – ein zäher Brocken also. Der Junge von gestern strahlt mich beim Start an – er schlägt ein. «Ich will mich auch heute nicht blamieren», lässt er mich wissen, ohne zu ahnen, dass er mich gestern ins Ziel rettete. Nahezu 20 Prozent Steigung birgt das letzte Stück – nach rund 28 Minuten keuche ich durchs Ziel, um dort festzustellen, dass ich meinen Chip für die Zeitmessung beim Start nie abgeholt habe ... Glücklicherweise bezeugen die zahlreichen Vorläufer meine Ankunft beim Bachtelturm.

Sozusagen nur noch 147 Höhenmeter vom Gipfel der Rigi

Nach dieser vierten Etappe habe ich nun 18,4 Kilometer in den Beinen. Für mich ist die Zahl 1650 aber einiges eindrücklicher. So viele Höhenmeter habe ich insgesamt überwunden. Ich bin also theoretisch noch läppische 147 Meter Steigung vom Gipfel der Rigi entfernt. Dies trifft auch auf den Greifenseer Stephan Wenk zu. Ein wahrer Gipfelstürmer, der seit Montag keine Zweifel aufkommen lässt: Er ist in seinem Element. Allen vier Etappen des 5-Tage-Berglauf-Cups hat er seinen Stempel aufgedrückt und führt deutlich in der Gesamtwertung des Cups.

Nur eine Etappe trennt Wenk und mich noch vom fünften und letzten Ziel: Es ist Zeit für einen direkten Vergleich: Die 18,4 Kilometer und 1650 Höhenmeter der vier vergangenen Etappen habe ich in 2 Stunden 20 Minuten zurückgelegt. Diese drei Zahlen wecken einen gewissen Stolz in mir. Während Kollegen mir den Bergflohpreis verleihen wollen, kröne ich mich zur «kleinen Bergkönigin».

Wenk dürfte indessen für meine Laufzeit ein schwaches Lächeln übrig haben. Er schaffte dieselbe Distanz und gleichviele Höhenmeter in – mein Atem stockte beim Rechnen und tut es beim Schreiben wieder – 1 Stunde 19 Minuten. 1 Stunde und 1 Minute schneller als ich. Somit könnte der Greifenseer am Samstag und am Sonntag gleich nochmals die strengste der Etappen – von Wald auf die Farner Alp – zurücklegen und wäre damit immer noch um rund 10 Minuten schneller – gedanklich gebe ich die eben aufgesetzte Krone bescheiden weiter. Der Bergfloh passt wohl besser zu mir.

Erstellt: 20.08.2010, 11:32 Uhr

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