Wenn die Kräfte ausgehen, trägt die Kollegialität

Letzte Etappe des 5-Tage-Berglaufs: Die Läuferin ist erfolgreicher als Napoleon – dank ihren Mitstreitern.

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Die fünf Gipfel des 5-Tage-Berglauf-Cups: mein persönliches Waterloo. Eine Kampfansage an Strecken mit Höhenmetern, die meine Waden bisher nicht kannten. Wie einst Napoleon Bonaparte mit übersteigertem Selbstbewusstsein seine Gegner vor dem belgischen Dorf Waterloo verkannte – so kam ich mir in der vergangenen Woche vor.

Ein kleiner Kriegsherr vor grossen Gegnern, die er unterschätzte und die ihm den Meister zeigten. Unsicher – ob ich mit den 23,3 Kilometern und 1950 Höhenmetern von meinem Körper neben dem Berufsalltag nicht zu viel erwartet hatte. Vermutlich ist es tatsächlich so: Am Morgen vor dieser letzten Etappe schienen meine Wadenmuskeln denn auch über Nacht eingegangen zu sein.

Es braucht die Mitstreiter

Die fünf Etappen bewiesen mir, dass ein Hobbysportler meines Kalibers einen solchen Kampf nicht alleine gewinnen kann. Und vielleicht habe ich Oberländer Bergfloh im entscheidenden Gefecht etwas besser gemacht als der französische Imperator: Ich gewann in meiner Schlacht die Unterstützung etlicher Mitstreiter. Tag für Tag zogen wir gemeinsam gegen die Hügel ins Feld. So läuft Hans vor mir, Strecke für Strecke, seit der ersten Etappe. «Hab den Mut, auch mal zu gehen», hat er mir am Fusse des Bachtels mit auf den Weg gegeben – und nur weil ich dies auch tat, schaffte ich die steilen letzten Meter zum Ziel.

Oder Yuri, der Junge vom Hörnli. Er liess mich vor dem Ziel jenen Albtraum vergessen, der meine mentale Stärke lädiert hatte, als er in eindrücklicher Geschwindigkeit an mir vorbei ins Ziel lief (Etappe 3). Und da war noch Harry, der wegen einer Wette am zweiten Tag eine Schubkarre den Berg hochschob und versprach: «Wenn du am Schluss nicht mehr kannst, fahr ich dich die letzten Meter hoch.»

Die anfängliche Leidensgemeinschaft mauserte sich zur familiären Mitstreitertruppe. Sie lässt mich auf den letzten Metern hinauf zum Ebnerberg vergessen, dass meine Kraft erschöpft ist. Und oben angelangt, summe ich statt des Abba-Ohrwurms «Waterloo», die Melodie von «The Winner Takes It All». Dauer des Abenteuers: 2 Stunden 52 Minuten. Zum Vergleich: Sieger Stephan Wenk benötigte 1 Stunde 38 Minuten.

Erstellt: 21.08.2010, 11:31 Uhr

Alleine geht es nicht: Pia Wertheimer auf der Strecke.

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