Das Glückscarré vor dem Churer Joch

Unterwegs in Graubünden: Nach einem steilen Hang sieht man das lang ersehnte Gasthaus, wo Lammfelle und Käsespätzli auf die Hungrigen warten.

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Wenn donnerstags meine Kolumne erscheint, kommt es vor, dass Freunde auf der Internetplattform Facebook das eine oder andere dazu sagen. Zum Beispiel anlässlich der Route Steg-Hörnli-Bauma letzten Donnerstag.

«Dein Hörnli-Beitrag hat mir gefallen. Es ist der Hausberg meiner Kindheit», merkt Facebook-Freund David Meili an und schiebt nach: «Verpasst habt ihr definitiv die Konditorei Voland in Bauma mit dem echten Baumer-Fladen. Es ist ein naturalisierter Appenzeller-Biber, verbessert mit Geheimrezept.»

Klingt hervorragend, David, vielen Dank, und dein Tipp ist hiermit an die Welt weitergegeben.

Damit zu einer ganz anderen Gegend: Lenzerheide, Kanton Graubünden. Kürzlich fuhr ich hinauf. Freilich nicht ganz, kurz vor dem Valbella-Lenzerheide-Plateau stieg ich in Parpan aus. Auch dort gibt es, direkt im Postgebäude, einen Laden, wo man - unter anderem - Süsses bekommt. Ich kaufte mir einen «Birawegga», so dicht bepackt mit Nüssen, dass er schwer wie ein Goldbarren in meinem Rucksack lag. Dabei stand mir doch immerhin der Aufstieg aufs Churer Joch bevor.

Von Gipfeln umgeben

Schön war dieser Aufstieg. Unspektakulär zwar startet man in Parpan. Bei der Post zeigt der Winterwanderwegweiser links zum Hang; auf vereister Strasse, bald auf vereistem Strässchen zog ich durch eine Zone von Ferienwohnungs-Grosschalets aufwärts. Allmählich aber wurde alles sympathisch. Die Chalets blieben zurück, nach dem Holzgehütt des Restaurants Tschugga geriet ich in eine Alpszenerie mit scharfen Bergen zur Rechten und einer Weidelandschaft vor Augen.

Und es wurde noch besser: Etwas höher gestiegen, und plötzlich war der Einschnitt gegen das vernebelte Chur hinab nicht mehr zu sehen, aus dem ich gekommen war. Ich war nunmehr rundum, zu 360 Grad, von Gipfeln umschmiegt, wanderte auf einem von den Alltagsniederungen losgelösten Geviert. «Erhabenes Glückscarré», steht in meinem Notizbuch dazu, und wenn das im Nachhinein fast exaltiert klingen mag, so war es in jenem Augenblick, als ich es an Ort und Stelle aufschrieb, doch simpel die Wahrheit.

Bei Foppa hätte ich links abzweigen können, hinab nach Churwalden. Aber das wäre letztlich schade gewesen. An diesem Punkt beginnt die Rampe hinauf zum Churer Joch, und noch einmal wird die Sache wilder: Irgendwann ging ich nicht mehr auf einem Strässchen, sondern auf einer freundlicherweise in den stellenweise steilen Hang gewalzten Piste. Oder war es doch ein Strässchen, verschüttet durch den hohen Schnee? Sicher ist, dass es dauerte, bis ich endlich schwitzend auf dem schon längere Zeit durch sein markantes Gasthaus angezeigten Churer Joch stand.

Gemütliche Rast

Toll, dass die Jochalp im Winter offen hat. Bei meiner Einkehr war ich fast allein, da waren neben mir nur vier Männer, Berndeutsch sprechende Skifahrer, die mit dem Schlepplift aus Tschiertschen hochgefahren waren, der vor dem Gasthaus endet. Ich genoss meine Käsespätzli, die Wärme, den Anblick der Lammfelle in den luftzug-anfälligen Winkeln der rudimentären Stube und den Kachelofen, der die Behaglichkeit forcierte. Bis es Zeit war für das Zurück in die Zivilisation auf dem gleichen Weg.

So ist das also mit der Route von Parpan aufs Churer Joch - und wie jede Woche bin ich jetzt gespannt, was David und die anderen Facebook-Leute allenfalls zu dieser neusten Wanderung zu sagen haben. Kommentare und Tipps jederzeit willkommen, Freunde!

Gehzeit: dreieinhalb Stunden. Je 500 Meter auf- und abwärts. Tschugga und Jochalp sind derzeit durchgehend offen. Hat es stark geschneit, erkundigt man sich vorgängig auf 081 382 12 38, ob die Strecke Foppa-Joch gepfadet ist.

Zweitäger: Am nächsten Tag von Valbella Post via Spoina, Tgantieni, Sporz nach Lenzerheide Post. Dreieinhalb Stunden.

Konditorei Voland: www.baumerfladen.ch

Thomas Widmers Wanderbücher gibt es im Echtzeit-Verlag, www.echtzeit.ch , oder auf www.thomaswidmer.ch

Erstellt: 03.02.2010, 15:57 Uhr

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