Drei Pfoten im Schnee

Ein im Schnee herumtollender Hund, an der neobarocken Kirche von Schindellegi vorbei auf den Hügelberg Etzel: Im winterlichen Ausserschwyz wandern wir im Schneerausch.

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Ein Hund im Schnee ist vermutlich das freudigste Wesen auf dieser Welt. Bevor ich das am Beispiel des Jack-Russell-Terriers Emil ausführe und die äusserst winterliche Drei-Stunden-Wanderung von Schindellegi auf den Etzel und hinab nach Pfäffikon ausbreite, will ich ein Buch empfehlen. Natürlich eines, das zur Saison passt.

Soeben erschienen: «Pfade in Weiss». Der Führer behandelt Routen aus den Bergregionen der Schweiz zwischen Säntis und Gornergrat, und was ich mag: Er mischt Winterdisziplinen so beiläufig, wie auch der heutige Wintermensch in Selbstverständlichkeit nicht die ganze Ferienwoche über nur Ski fährt oder nur winterwandert oder nur langläuft, sondern abwechselt. Winterwandern, Schlitteln, Schneeschuhlaufen sind in dem Buch gleichermassen berücksichtigt. Zwei Winterwander-Vorschlägen will ich möglichst noch im Dezember nachgehen, indem ich sie kombiniere: An Tag eins von der Marbachegg nach Bumbach und Kemmeribodenbad. Daselbst Übernachtung im schönen Kurhotel und Konsum einer Portion Monumentalmeringues, für die es berühmt ist. An Tag zwei hinauf zum Salwideli und hinab nach Sörenberg, um die Kalorien wieder auszuschwitzen.

Grossartig, was man heutzutage in der kalten Jahreszeit als Wanderer machen kann. Womit wir zu meiner Ausserschwyz-Route übergehen wollen. Der 22. November war jener Samstag, an dem der Winter heftig einschlug, auch im Mittelland, sogar in Zürich. Ich hatte am Vorabend gezweifelt, ob wir gehen sollten, hatte mich schliesslich dafür entschieden. Fünf Freundinnen und Freunde meiner Privatwandertruppe «Fähnlein Fieselschweif» sowie Emil-der-Hund kamen mit - und wir bereuten es alle nicht. Etwas mühsam war nur der Start. Man läuft vom Bahnhof Schindellegi-Feusisberg durchs Dorf zur Kirche hinauf, einer neobarocken Protzburg, und zieht links an ihr vorbei (die Variante zur Rechten entlang der Sihl kann ich in dieser Jahreszeit nicht empfehlen). Was folgt, ist eine lange Strasse, die aus dem Ort führt und ein Einfamilienhausquartier erschliesst; am Samstagmorgen zischt da im Kombiwagen eine Familie nach der andern unterwegs zum Shopping vorbei. Das nervte uns ein wenig.

Dann aber waren wir dem Quartier entkommen, mussten zwar noch bis zur Wirtschaft Büel die Fahrstrasse brauchen, befanden uns aber doch in freiem Gelände. Die Sicht auf den bleigrauen Zürichsee, auf den überzuckerten Pfannenstiel am anderen Ufer, später auf den Pfäffikersee und den Greifensee war grandios. Und der enthusiasmierte Emil lief nun zu Hochform auf. In alle Richtungen pfeilte er weg, hielt gleichzeitig auch Kontakt zwischen der «Fähnlein»-Vorhut und den Nachzüglern, leistete sich dazwischen den Genuss, die Nase in den Schnee zu dippen, der an einigen Orten hohe Wächten bildete, an anderen, dem Wind ausgelieferten Stellen aber waagrecht über den Pfad stob. Emil hatte Spass, und wir hatten Spass, ihm zuzusehen. Lustig war auch, wie der feingliedrige Kleine ab und zu witternd innehielt, sogleich die Kälte spürte, zu zittern begann und ein Pfötchen hob: Wenn schon in der klammen Watte stehen, dann wenigstens nur auf drei Beinen.

Oben auf dem Etzel, dem Berghügel oder Hügelberg auf 1098 Metern, der winters stets erreichbar ist, kehrten wir ein. Die Serviererin war, was man «pampig» nennt, doch was solls, jeder hat mal einen schlechten Tag. Wir hatten einen guten, genossen die Rösti und wanderten weiter. Es flockte nun immer stärker, wir sahen aus wie mobile Schneemänner. Emil voran, tappten wir in einer Art Trance hinunter nach St. Meinrad, bewunderten das historische Ensemble von Jakobspilger-Hospiz und Kapelle, setzten durch den stillen steilen Wald fort Richtung Pfäffikon Bahnhof. Uns wurde an jenem Samstag ein Schneerausch zuteil. Erst der Lärm der Autobahn kurz vor Wander-Ende holte uns, auch Emil, zurück in die Nüchternheit.

Erstellt: 11.12.2008, 13:19 Uhr

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