Eine Beizentour durch die Ostschweizer Berge

Eine Wanderung Hügel zu Hügel, von Restaurant zu Restaurant – was aber nicht heisst, dass bei jeder Beiz eingekehrt werden muss. Am besten spart man sich den Hunger sowieso bis zum Ende auf.

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Die Schweinegrippe hat es ist Samstag, der 7. November auch das «Fähnlein Fieselschweif» getroffen. Einige Leute meiner Wandertruppe sind krank. Der gesunde Rest beläuft sich immer noch auf neun Personen. Dabei ist zudem Hürzis Terrier Emil, ein unermüdlicher Landschaftsgeniesser. Und in Degersheim auf dem Perron wartet Jürg auf uns.

Jürg betreute, nachdem ich während des Studiums in den Journalismus eingestiegen war, bei der «Appenzeller Zeitung» als Redaktor meine Artikel. Mittlerweile ist er sozusagen die Fähnlein-Filiale Appenzellerland mit Sitz in Herisau; er stösst jeweils zu uns, wenn wir in die Gegend kommen.

Degersheim, die 3900-Einwohner-Gemeinde an der Südostbahnlinie, liegt in einer schwer zu fassenden Ecke. Das ist knapp noch nicht Ausserrhoden, ist aber auch nicht wirklich Neckertal oder Fürstenland; «wir gehören zum Untertoggenburg», wird mir später am Telefon die Frau auf der Gemeindekanzlei sagen, die ich in dieser Sache um Auskunft bitte.

Ein Nussgipfel, lang wie mein Unterarm

Sicher ist: Dieses Degersheim ist ein guter Ort, um loszuwandern. Im Süden warten köstliche Hügel, und die Landschaft inszeniert sich typisch ostschweizerisch kleinkammerig und verschachtelt.

Wir starten. Auf der Route gibt es mehrere Wirtschaften. Der «Fuchsacker», den wir recht bald erreichen, ist die erste. Emil musste zuvor an die Leine. Ein Schild hat am Eingang zum Wald angekündigt, dass Jagd ist. Tatsächlich begegnen wir einer Schar von Jägern, einer trägt ein totes Reh. Der Mann meiner in Degersheim wohnenden Gotte, auch ein Jäger, ist leider nicht dabei.

Im «Fuchsacker» kehren wir noch nicht ein. Es wäre zu früh. Stattdessen ziehen wir weiter zum «Bergli», via die Brunnershöhi. Sie ist ein toller Aussichtspunkt. Wir haben den verschneiten Säntisriegel vor Augen, dazu die Churfirsten, den Stockberg, den Hochhamm, die Hochalp, den Hohen Kasten. Ein wenig später, im Restaurant Bergli, sind wir uns einig: Was auch noch kommt, die Wanderung ist bereits als Erfolg zu verbuchen. Ich genehmige mir auf diese Erkenntnis einen Nussgipfel, lang wie mein Unterarm, sowie einen «Bergli-Kaffee» mit, ich glaube, Williams. Und ich studiere die Speisekarte. Es gibt Fondue. Ich werde im Winter mit den Schneeschuhen zurückkommen.

Alpakas mit Göläs Frisur

Erneut brechen wir auf. Nachdem wir im St. Gallischen losgingen, kurz Ausserrhoder Boden betraten, wieder im St. Gallischen wanderten, landen wir jetzt definitiv auf Ausserrhoder Boden: «Hinterland» heisst die Gegend, dies ist meine Heimat. An dem bewölkten Himmel zeigt sich nun immer mehr die Sonne. Ha! In der Westschweiz dürfte es schon regnen. Beiz Nummer drei, die «Landscheide», lassen wir liegen; dito Beiz Nummer vier, den «Sitz», der oberhalb eines rührenden Skiliftleins auf einer stilechten Appenzeller Wiesenkuppe liegt. Unten in der Risi dann steht ein Alters- und Pflegheim, das eine Cafeteria hätte, die wir aber ebensowenig besuchen wie den «Hirschen». Lustig die zwei Alpakas oder sind es Lamas? Das eine hat dieselbe Vokuhila-Frisur wie Gölä in früheren Jahren.

Wie weise unsere Enthaltsamkeit ist, merken wir am Ziel in Schwellbrunn, das ich gerne «Ausserrhoder Kabul» nenne, weil es die höchstgelegene Gemeinde des Kantons ist, und das geprägt ist von einer geschlossenen Dorfgasse mit selten putzigen Häusern. Vor dem «Ochsen» steht ein «Metzgete»-Schild. Jürg geht hinein, fragt, ob es Platz hat. Es hat. Eine halbe Stunde später sitze ich vor einem geschätzte 500 Gramm schweren sogenannten «Metzgerkotelett» und denke, dass ich das Schwein immer innig lieben werde, Schweinegrippe hin oder her.

Thomas Widmers Wanderbücher gibt es im Echtzeit-Verlag, www.echtzeit.ch , oder auf www.thomaswidmer.ch.

Erstellt: 18.11.2009, 16:33 Uhr

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