Wie wir trotz Nebel zum grossen Panorama kamen

Wie kann man den Bernern Reverenz erweisen? Ihr eigenes Terrain kennen sie schon – deshalb besteigen wir im Nachbarkanton Solothurn den Hausberg Weissenstein.

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Ab heute ist diese Kolumne auch im «Bund» abgedruckt – hallo, liebes Bern, ich freue mich!

In den letzten Wochen habe ich viel gegrübelt, mit welcher Wanderung ich den Bernern Reverenz erweisen könnte. Ich erwog die Route Bönigen-Schynige Platte. Die Route Wasen-Fritzenfluh-Huttwil. Die Route Walkringen-Moosegg-Emmenmatt. Und verwarf sie am Ende alle.

Das sind alles tolle Wege. Bloss, muss man sie den Bernern nahelegen? Die kennen ihr eigenes Terrain. Nehmen wir lieber einen Berg in ihrer Nachbarschaft, aber nicht in ihrem Kanton; nehmen wir den Weissenstein. Zwei Gründe sprechen zusätzlich für diese Wahl: Erstens ersteigen wir Solothurns Hausberg nicht auf die ganz naheliegende Art, sodass auch jene Leute, die ihn schon kennen, eventuell etwas lernen können. Und zweitens ist dieser Weissenstein im Gerede.

Und zwar wegen der Sesselbahn. Das Fünfzigerjahre-Ding schaukelt einen unglaublich gemächlich hoch, und man sitzt exzentrischerweise quer zur Fahrbahn. Aber die Konzession läuft aus. Wie es nach dem Saisonende am 1. November weitergeht, ist nicht ganz klar. Vieldiskutierte Option: Gondelbahn statt Sesselbahn und oben Halligalli, Sommerrodelei und dergleichen. Bahn und Beiz rentabel zu führen auf dem launischen, nebelanfälligen Aussichtsberg, das ist das Ziel.

Das Gute an meiner Wanderung ist, dass man unabhängig von der Bahn ist. In Oberdorf starteten mein Freundesgrüpplein und ich. Auf einem Fahrweg hielten wir in die Klus hinein, vorbei an einem Steinbruch. Und dann, nach gut zehn Minuten, bogen wir scharf nach Osten ab: hinauf zum Nesselboden. Dort gingen wir unter der Sesselbahn hindurch, deren Knarzen wir von weitem gehört hatten. Und nun wichen wir sozusagen vom natürlichen Fortgang ab: statt der Direttissima zum Vorderen Weissenstein wählten wir den Umweg via Nesselbodenröti und Röti. Das ist der höchste Punkt des Weissensteins, 1395 Meter hoch, mit einem Kreuz versehen und mit einer gigantischen Aussicht, die...

...nun, die wir nicht genossen, weil Nebel wallte. Und die wir doch genossen. Liliane, die Solothurnerin, zauberte ein Büchlein hervor, eine ziehharmonikaartige Konstruktion. Im entfalteten Zustand, gut drei Meter lang, zeigte das Ding das ganze Weissenstein-Panorama. Und ich, der ich vor Jahren bei klarem Winterwetter die Realvariante vor Augen hatte, kann nun auch aufgrund der Simulation bestätigen: Diese Rundsicht ist gross!

Hernach wandelten wir auf dem Bergrücken sanft abwärts zum Kurhaus auf dem Vorderen Weissenstein. Dort hatten wir den Eindruck, dass der Gast stört, wir fühlten uns, nun, abgefertigt. Es folgte der zweite Teil des Abenteuers, nachdem ein paar Leute sich per Sesselbahn verabschiedet hatten. Wir Durchhaltenden zogen zum Hinteren Weissenstein, wo es eine gemütlichere Beiz gegeben hätte. Und wir fassten die Hasenmatt ins Auge. Sie, der höchste Punkt des Kantons Solothurn, sah imposant aus. Wir mussten schwitzen, bis wir auf ihrem Felskamm Platz nehmen konnten. Im Naturfreundehaus Schauenburg, 30 Minuten unter dem Gipfel, betäubten wir uns dann im Hinblick auf die verbleibende Strapaze mit einem Bier und unterhielten uns mit dem netten Wirt. Der Rest war ein – tatsächlich recht anstrengendes – Auslaufen. Und endlich, gegen sechs Uhr abends, waren wir in Lommiswil.

Das war eine formidable Tour. Und wie es auch kommt mit dem Weissenstein und seiner Erschliessung – der Kalkriese übersteht so manches, was Menschen ihm zumuten.

Thomas Widmers Wanderbücher gibt es im Echtzeit-Verlag, www.echtzeit.ch , oder auf www.thomaswidmer.ch. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.10.2009, 09:58 Uhr

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