Endlich voll, endlich glücklich

Die Influencerin Stephanie Buttermore trainierte so hart und ass so wenig, dass ihre Periode ausblieb. Dann änderte sie ihre Strategie.

Aus den Ferien in Bali stellt Stephanie Buttermore ein Foto von sich auf Instagram und erzählt in der Beschreibung stolz, wie viel sie gegessen hat und dass sie komplett aufs Training verzichtet. (Bild: Screenshot Instagram)

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Nicht immer, aber manchmal gehen persönliches und körperliches Wachstum Hand in Hand. Dies jedenfalls war bei der amerikanischen Fitness-Influencerin Stephanie Buttermore der Fall. Sie hat in den letzten Monaten drei Kleidergrössen zugenommen – was jedes andere Fitnessmodel in Depressionen stürzen würde. Buttermore aber fühlt sich dabei offenbar blendend: Schon lange sah sie nicht mehr so glücklich, zufrieden und entspannt aus, wie auf ihrem letzten Youtube-Video.

Vor einigen Jahren gab die 29-jährige Amerikanerin ihren Job als Biologin auf, um fortan als Influencerin zu leben. Fitness sei ihr Leben und ihre Passion, nun wolle sie die Leute «unterhalten, aber wichtiger noch, sie über die wissenschaftlichen Prinzipien von Training und Ernährung aufklären». Ihr liebstes Demonstrationsobjekt: Der eigene Körper. Sie filmte sich beim Trainieren und sprach über Ernährung. In regelmässigen sogenannten «Physique-Updates» gab sie Auskunft über die neusten Ernährungsstrategien, Blutzuckerwerte und Körperfettanteil. Dazu gehörte auch sogenanntes «clean eating» – in der Branche ein Euphemismus für eine strenge Diät, die hauptsächlich aus Eiweiss, Obst und Gemüse und sehr wenig Fett besteht. Ziel der Diät war natürlich möglichst schlank zu bleiben, damit die Muskeln umso besser zur Geltung kommen.

Das gelang zunächst ziemlich gut. Sie gewann eine grosse Followerschaft, immer grinste sie fröhlich, motiviert und gut gelaunt in die Kamera. Doch wie so oft in den Sozialen Medien, sah die ganze Sache hinter den Kulissen weit weniger rosig aus. Denn Buttermores «gesunder» Lifestyle war ihrer Gesundheit alles andere als zuträglich. Wie bei so vielen fanatische Fitness-Influencerinnen geriet ihr zuerst das körperliche Wohlbefinden und dann der ganze Hormonhaushalt aus dem Lot. Genetisch prädestiniert zu einer weit fülligeren Figur, als sie es sich erlaubte, litt sie unter konstantem Hungergefühl, fühlte sich müde und fror die ganze Zeit, zudem war der Stoffwechsel träge und schliesslich blieb ihre Periode aus. Also beschloss Buttermore etwas zu ändern.

Sie ging «All-In», das heisst, sie ass einfach, bis sie satt war, mindestens aber 2500 Kalorien am Tag. Zuvor hatte sie sich gerade 1000 Kalorien am Tag erlaubt, nun ass sie plötzlich mehr als das Doppelte. Ziel sei es, sich wieder besser zu fühlen, stärker zu werden, nicht mehr dauernd ans Essen denken zu müssen. Ausserdem müsse sie ihren Stoffwechsel wieder in Schwung bringen. Sie wolle zudem zeigen, dass es auch für Influencerinnen sehr hart sei, den Schönheitsidealen gerecht zu werden. Und dass es total okay ist, ein paar Kilo mehr auf den Rippen zu haben. Gleichzeitig bekannte sie sich aber auch zu ihrer Angst, dass sich ihre Fans von ihr abwenden könnten, wenn sie kein Sixpack mehr habe

Das erwies sich als grundlos. Die Fans waren begeistert, ihr Freund sagte, sie gefalle ihm besser und sie sei auch deutlich besser gelaunt. Sie selber staunt über die neu gewonnene Energie. Selbst wenn Buttermore irgendwann trotzdem wieder zu ihrem harten Kalorienregime zurückfinden wird: Zumindest wissen nun ihre Fans und sie selber, dass es es im Zweifelsfall wichtiger ist, sich ideal zu fühlen, als ideal auszusehen.

Erstellt: 01.08.2019, 11:44 Uhr

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