11 ausgewählte Gerstensäfte

11 denkwürdige Gerstensäfte

Was bleibt vom vergangenen Jahr? Bei unserem Autor sind es die Erinnerung an elf ganz tolle Biere an teilweise sehr speziellen Orten.

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Auch 2017 hat sich der Trend fortgesetzt. Bierspezialitäten, gern aus kleinen Brauereien, werden hierzulande immer beliebter. Pale Ales, Stouts, Sour Beers und wie sie alle heissen, zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie geschmacklich charakteristischer daherkommen und vielseitiger sind als die profane «Stange» am allabendlichen Stammtisch.

Was einen weiteren, eher unerwarteten Vorteil mit sich bringt: Man kann sich später noch an einzelne getrunkene Gerstensäfte erinnern. In diesem Sinne folgt hier ein persönlicher Jahresrückblick in elf Bieren:

Witty Nelson (Belgium Style Blanche aus Estland)
Besonders gut erinnere ich mich an einen heissen Frühsommerabend im Bern. Ich sass mit einem Freund in der Bierzzeria. Die Fenster des Lokals waren so weit wie möglich geöffnet, heiss wars trotzdem. Die Betreiber dieses inzwischen leider schon wieder geschlossenen Restaurants kombinierten dort mit viel Verve ausgewählte Biere mit eigenwillig belegten Pizzas. Teil des Konzepts war es, dass zu Beginn des Essens jeweils eine Salatschüssel in die Mitte des Tisches kam. Dazu gab es natürlich ein ganz leichtes Bier: Witty Nelson. Für das Weissbier im belgischen Stil wird die Hopfensorte Nelson Sauvin verwendet, die wie die Traubensorte Sauvignon blanc ein ausgeprägtes Stachelbeeraroma mit sich bringt. Wie gesagt ist die Bierzzeria inzwischen leider passé – das Bier geniesse ich immer noch gern.

Selassie (Coffee Vanilla Imperial Stout, Schweden)
Haben Sie schon einmal ein Bier getrunken, das Ihre Geschmacksknospen im Mund so dermassen beschäftigt und beglückt hat, dass Sie nachher nix mehr, aber auch wirklich gar nix mehr trinken wollten? Mir ist das im Ale House in Zürich passiert. Das Lokal hat rund 20 Biere ab Zapfhahn im Angebot – den K.-O.-Schlag versetzte mir das Selassie von der Stockholmer Brauerei Omnipollo. Es schmeckt nach Schokolade und Kaffee und enthält ziemlich heftige 11 Prozent Alkohol. Im doppelten Wortsinn: der Hammer!

Maroni-Honig-Bockbier (Schweiz)
Kennen Sie das Büchlein «Bierwandern Schweiz», das schon einige Jahre auf dem Markt ist? Eine empfehlenswerte Publikation, die mehrstündige Routen mit regionalem Biergenuss verbindet. Im Frühling bin ich nach Vorgaben der Autorenschaft von Dielsdorf nach Rümlang gewandert, bin danach wie empfohlen in der Dorfbeiz eingekehrt und habe ein Maroni-Honig-Bockbier von Gutknecht’s Hammer-Biere genossen. Leicht süss, leicht bitter und ganz wenig an Honig erinnernd – genau, was man nach zwei Stunden Fussmarsch braucht.

FEO India Pale Ale (Slowenien)
Im Herbst war ich in Slowenien und habe die amtierende «beste Köchin der Welt» Ana Ros besucht. Am einen Abend ass ich in ihrem Gourmetlokal und trank Weine, am anderen in der Dorfkneipe Hisa Polonka, die von Ros’ Ehemann betrieben wird. Man darf es kaum laut sagen, aber fast hätte mir das zweite Abendessen besser gefallen. Woran nicht nur die herrlichen Geissfrischkäse-Gnocchi mit Mohnbutter (und das selbst gebackene Brot) ihren Anteil hatten, sondern auch das Craft Beer aus der örtlichen Mikrobrauerei. Schön herb, süffig und mit 3.40 Euro pro halben Liter für den Touristen aus der Schweiz auch sehr erschwinglich.

In der Dorfkneipe fast besser gegessen als im Gourmetlokal. Vielleicht lag es auch am FEO IPA.

OH IPA (India Pale Ale, Schweiz)
Man geht ins Restaurant Jakob in Rapperswil (die aktuelle «Gault Millau»-«Entdeckung des Jahres»), um auf höchstem Niveau mehrgängig zu essen. Auf den Tisch kommen kleine, nahezu perfekte Gerichte, die aus Gemüse vom eigenen Acker, aus Fisch und Fleisch vom eigenen Metzger und Fischer kombiniert werden. Dazu trinkt man sehr ausgewählte Schweizer Weine. Doch lohnt es sich trotzdem, für die Zugfahrt nach Hause noch ein Bier über die Gasse mitzunehmen: In der Kühlschublade stehen die Abfüllungen von der Rappi Bier Factory. Mir ging es jedenfalls so, dass das mundfüllende OH IPA dem Abend – obwohl ich herrlich satt war – die Krone aufsetzte. Auch Bier über den Durst sind manchmal gute Biere.

Monsteiner Wätterguoge (Amberbier, Schweiz)
Winteranfang in Davos, zu Gast im Hotel Waldhuus. Und wie ich es gern mache, genehmigte ich mir jeweils vor dem Abendessen an der Bar ein paar Zeilen eines guten Buchs und etwas Alkoholisches. Bloss: Champagner kann man ja kaum mehr bezahlen, weshalb ich jeweils eine amberfarbene, leicht malzige Wätterguoge von der lokalen Brauerei Monstein bestellte. Vom Barkeeper liess ich mir dafür statt des klobigen Bier- ein Weinglas geben, was den Genuss perfektionierte. Mit ganz kleinen Schlucken liess ich mich in den Abend gleiten. Auch wenn es viele gehobene Häuser noch nicht begriffen haben – auch im Sternehotel trinkt man lieber regional als bloss Heineken.

Mikkeller Beer Celebration 2017 (Wild Ale Dänemark)
Dieses Bier genehmigte ich mir im Juni zu Hause auf dem Balkon. Und, ja, es kam aus der Halbliterdose und kostete im Bierladen fast zehn Franken. Aber es war eines der bemerkenswertesten Trinkerlebnisse des Jahres: Das durch und durch empfehlenswerte Bierhaus Mikkeller hat anlässlich seines alljährlichen Bierfestes in Kopenhagen ein Sauerbier hergestellt, das in Eichenfässern gelagert und zusätzlich mit der Zitrusfrucht Yuzu aromatisiert wurde. Ein Schluck davon, und es hat mir fast die Schuhe aus- und die Hosen raufgezogen, so sauer wars. Doch dank der damit einhergehenden zitronigen Fruchtigkeit wars eben genau das Richtige für diesen wunderbaren Abend auf dem Balkon.

Brew Dog Elvis Juice (India Pale Ale, Schottland)
Die Frage stellt sich ja manchmal: Ab welcher Grösse ist eine Brauerei nicht mehr durch und durch sympathisch? Das schottische Brauhaus Brew Dog bemüht sich sehr um einen szenigen Auftritt – ein Besuch im brauereieigenen Pub in Berlin dieses Jahr war dagegen enttäuschend. Die Pizzas dort sind Durchschnitt, die meisten Gäste trinken ihren Gerstensaft aus Halblitergläsern. Klar, den Elvis Juice mit Grapefruitsaft versetzt, bleibt weiterhin eines meiner Lieblingsbiere. Aber die Brauerei Brew Dog hat in meiner Sympathieliste trotzdem einige Punkte verloren. Übrigens gingen wir am gleichen Wochenende auch in die Berliner Bar von Mikkeller (siehe Bier weiter oben). Dort gab es viele herrliche Spezialitäten in kleinen Portionen (Sauerbier mit Blaubeeren!), sodass man gern auch eine zweite oder eine dritte Sorte probiert hat.

Rasberry Melba, White Frontier (Sauerbier, Schweiz)
Apropos Blaubeeren. Dieser Text entstand unter Einfluss von Rasberry Melba der Brauerei White Frontier, die ihren Sitz in Martigny hat. Wer daran zweifelt, dass man Früchte und Brauereierzeugnisse kombinieren kann, sollte diesem leicht sauren, leicht süssen Bier mit ganz spezieller pinkroter Farbe eine Chance geben. Wie auch den anderen Brauerzeugnissen dieses Hauses. Es ist schon so: die Bierwelt, unendliche Weiten…

Überzeugte morgens um 11 Uhr am Currywurststand: Schultheiss Pilsener.

Schultheiss Pilsener (Deutschland)
Und nochmals Berlin: Richtig toll geschmeckt hat das Pilsener von Schultheiss morgens um 11 Uhr am Currywurststand Konnopke’s Imbiss in Berlin. Getrunken zu einer Currywurst mit Pommes, natürlich aus der Flasche. Zwar hat mir dann nachmittags noch ein Einheimischer erzählt, dass man als echter Berliner kein Schultheiss trinke – irgendwas von wegen Osten und Westen. Was er genau gemeint hat, habe ich nicht verstanden. Es war da ja auch schon wieder vier Uhr nachmittags…

Eichhof Lager, serviert als Panaché (Schweiz)
Das beste Bier des Jahres? Ohne, dass ich auch nur eine Minute zögern müsste, sag ich laut: ein Halbliterhumpen Eichhof Lager – und der war erst noch halb-halb gemischt mit Citro… Bevor mich jetzt jemand beschimpft, muss ich erklären, dass die Sache eine Vorgeschichte hat: Stundenlang dauerte der Aufstieg von Erstfeld im Reusstal bis in die SAC-Kröntenhütte. Ich sah magisch bunte Herbstwälder, einen die Berge spiegelnden Bergsee, verwunschene Nebelschwaden, die aufzogen. Und dann bin ich dort oben auf fast 2000 Metern angekommen, und es hatte doch tatsächlich einen richtigen Zapfhahn. Das frisch gezapfte Bier ging runter wie Wasser – bloss besser.

Was war Ihr Bier des Jahres? Diskutieren Sie mit!

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.12.2017, 18:21 Uhr

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