15 Stunden steht er am Herd

Der 19-jährige Flynn McGarry hat sein erstes Restaurant eröffnet.

«Chef Flynn»: Der Trailer zum Dokumentarfilm über das Leben des 19-Jährigen. Video: Chef Flynn

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Man fragt sich, ob der Junge den Alten kennt. Der Junge heisst Flynn McGarry, ist 19 Jahre alt und arbeitet schon seit Jahren als bekannter Koch. Der Alte heisst Anthony Bourdain, ist der Anarchist unter den Köchen und hat in seinem Buch «Kitchen Confidential» den Küchenalltag berühmter Restaurants beschrieben, wo Messer geworfen werden, Kokain geschnupft und Whisky getrunken wird, wo Faustkämpfe ausgetragen und Angestellte bis zur Erschöpfung angetrieben werden. Die Mafia ist beteiligt, viele Köche arbeiten illegal und unterbezahlt, hasten, schwitzen und fluchen in der Hitze und der Enge.

Egal, ob sie sich kennen: Anthony Bourdain und Flynn McGarry könnten verschiedener nicht sein. Der Junge ist nicht der selbstzerstörerische Typ wie Bourdain, ein Maniker, der jeder Droge verfallen ist. Im Gegenteil, wie der Dokumentarfilm «Chef Flynn» zeigt, der unlängst an der Berlinale präsentiert wurde. Dort sieht man den jungen Kalifornier ruhig, bestimmt und konzentriert bei der Arbeit. In Interviews wirkt er altklug, weil er so jung aussieht und schon mit einer solch gelassenen Professionalität auftritt. Wie alle Köche arbeitet er von sehr früh bis sehr spät, seine Mutter, eine Drehbuchautorin, macht sich Sorgen um ihn.

Vor kurzem hat McGarry im New Yorker Stadtteil Chinatown sein eigenes Restaurant aufgemacht. Es nennt sich Gem, Juwel, und bietet für umgerechnet 150 Franken 10- bis 15-gängige Menüs an. Dabei gibt es Sachen wie Seeigel mit Karotten-Kaffee-Mus, in Äpfeln geschmorte Lammkeule oder Steinkrabben mit geschnetzeltem Lauch.

Obwohl seine Mutter ihn schon als 11-Jährigen unterstützte, hat der Sohn sein Talent nicht von ihr bekommen. Er habe nach der Trennung von ihrem Mann mit dem Kochen angefangen, sagt sie, «er fühlte sich einsam und kochte für mich». McGarry wurde rasch entdeckt; er arbeitete unter anderem im Geranium in Kopenhagen oder im Eleven Madison Park, wo er sich beim Schweizer Koch Daniel Humm weiterbildete, den er für den besten Koch Amerikas hält. Humm wiederum lobt seine Konzentration und Leidenschaft.

Weil der 19-Jährige schon einen solchen Erfolg hat, bekommt er auch viele Hassmails. Wenn er darüber redet, hat man den Eindruck, diese beschäftigten ihn mehr, als er zugeben kann.

Er scheint kein Aufhebens von seiner Person machen zu wollen, aber an seinem Ehrgeiz ist nicht zu zweifeln. Sein Berufsziel formuliert er so: drei «Michelin»-Sterne und eines seiner Restaurants unter den besten fünfzig der Welt – «am liebsten in den Top Five», sagt er noch.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.03.2018, 23:49 Uhr

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