Abendessen mit den Dscheladas

Das Restaurant Altes Klösterli bietet einen einzigartigen Blick auf das afrikanische Gebirge mit Sicht auf die Affenkolonie – und das mitten in Zürich.

Will mit einer modernen Schweizer Küche verwöhnen: Das Restaurant Altes Klösterli.

Will mit einer modernen Schweizer Küche verwöhnen: Das Restaurant Altes Klösterli. Bild: PD

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Von oben sieht das neue Elefantenhaus im Zürcher Zoo wie eine gigantische Schildkröte aus. Oder wie ein UFO, das sich als Schildkröte tarnt, um im Zoo nicht aufzufallen. Von der Terrasse des Alten Klösterli aus ist es gut zu sehen, zumindest von den Tischen vorn am Rand. Diese Tische gehören seit Menschengedenken zu den besten Tischen in der Stadt, gewähren sie doch einen grossartigen Blick in die Weite des Glattals und ins Zürcher Oberland. Das Restaurant im schönen Riegelhaus mit dem grossen Garten ist seit Generationen ein Ausflugsziel und seit einigen Jahren auch ein Teil der Zoo-Gastronomie.

Das bekommt man mit Gebrüll und Geschrei sofort zu hören, denn die Dscheladas haben wieder mal Krach. Direkt vor der Terrasse befindet sich das afrikanische Gebirge mit der ­Affenkolonie, dem Semien-Nationalpark im Norden Äthiopiens nachgebaut. Dscheladas sind Verwandte der Paviane mit Einmann-Haremsgruppen und rotem Fleck auf der Brust. Die Gruppen sind streng hierarchisch organisiert, was zu häufigem Droh­gebaren und entsprechendem Zähnefletschen und Geschrei führt.

Moderne Einflüsse die nicht ganz modern sind

Äthiopisches ist auf der Speisekarte nicht zu finden, das Alte Klösterli will «mit Schweizer Spezialitäten, geprägt von modernen Einflüssen» verwöhnen. Modern? Den kleinen gemischten Salat (9.50 Fr.) gabs in dieser Art schon vor 66 Jahren, als im Claridenhof das erste Mövenpick aufging. Die französische Sauce und die Mischung von Randen, Mais, Rüebli, Gurke etc. sind ungewöhnlich überraschungsfrei.

«Schau mal, das Kleine auf dem Rücken, ach wie süss.» Die Konversation ist unstet, denn die Gemahlin lässt sich von den lebhaften Affen in Beschlag nehmen. Als sie dann weiter weg auch noch einen Storch flattern sieht und nicht weiss, ob der nur heiss hat oder aufhockt, ist es mit einer logischen Argumentationskette eh vorbei. Wo es doch das Wesen des Storchs ist: für Nachwuchs zu sorgen.

Die Forelle aus dem Ofen mit Gnocchi (37.50 Fr.) bringt dann die Aufmerksamkeit kurz an den Tisch zurück. Die Gemahlin ist zufrieden, vermisst am Fisch allerdings einen Akzent. Wie auf der Karte versprochen ist das Fleisch vom «Dry Aged Rindsfiletgoulasch Stroganoff» (41.50 Fr.) sehr zart und bereitet Kaugenuss. Der Reis ist bissfest, die Sauce sämig. Es ist das Stroganoff vom Stroganoff; bürgerliches Gericht, bürgerlichst zubereitet. Man isst das gern, aber «von modernen Einflüssen geprägt» – keine Spur.

Die Weinkarte dagegen kann moderne Einflüsse geltend machen, indem sie dem einheimischen Winzerschaffen breiten Platz einräumt und allein aus dem Kanton Zürich zwölf verschiedene Weine auflistet. Hinzu kommt ein erstaunliches Angebot an Spitzenbordeaux. Auffallend am Alten Klösterli ist ferner die gute Laune des jungen Personals, das im ungefragten Ausruf des deutschen Kellners gipfelt: «Toll, hier zu arbeiten, so ’n gutes Team!» Die gute Laune rührt auch daher, dass an diesem Samstagabend die Zahl der Gäste überschaubar ist. Über Mittag in der ersten Ferienwoche – so der Bericht – sei das Klösterli übervoll mit Familien gewesen, viele davon unleidig. Wegen der Hitze hatten sie kaum Tiere gesehen; die hatten sich eben in ihren tiergerechten Gehegen verkrochen. Was einem am Abend mit den Dscheladas nicht passieren kann.

Restaurant Altes Klösterli, Klosterweg 36, 8044 Zürich. Tel. 044 254 26 40. Geöffnet täglich von 11–23 Uhr.

Erstellt: 22.07.2014, 06:57 Uhr

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