Da riecht man doch den Braten

Wir haben fünf Kochbücher getestet, die wohl unter manchem Weihnachtsbaum landen werden.

Zwiebeln in Ringe schneiden oder hacken? Im Topf köchelt «Serbisches Reisfleisch mit scharfen Peperoni». Foto: Urs Jaudas

Zwiebeln in Ringe schneiden oder hacken? Im Topf köchelt «Serbisches Reisfleisch mit scharfen Peperoni». Foto: Urs Jaudas

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Esprit de Campagne
Ländlich-französischer Charme

Worum gehts? Christina Hubbeling präsentiert den Lesern der «NZZ am Sonntag» wöchentlich ein Rezept, das oft mit ländlich-französischem Charme daherkommt. Diese Zubereitungen hat sie zwischen zwei Buchdeckeln versammelt, im Werk finden sich vor allem Klassiker der Grande Nation wie Bouillabaisse mit Rouille, Pot au feu oder Zitronentarte.

Typische Passage aus dem Vorwort: «Und wenn wir mal nicht aufpassen, schleicht sich die Katze ins Bild, vor allem dann, wenn auf dem Teller ein feines Fischgericht vor sich hin dampft.»

Ausprobiert haben wir . . . «Bœuf Bourgignon» und uns dafür – wie bei allen getesteten Kochbüchern – stets präzis an die Vorgaben gehalten: Hubbelings Rindfleischeintopf war am Ende perfekt. Auch wenn die Vorbereitung zehn Minuten mehr in Anspruch nahm als angegeben, handelt es sich bei «Esprit de Campagne» um ein sehr präzis rezeptiertes Buch. Daran ändern auch die 20 Gramm Butter nichts, die bei den Zutaten auftauchen, in der Zubereitung dann allerdings vergessen gehen. Es dürfte sich um eine Ausnahme handeln. Die Autorin empfiehlt übrigens, das Gericht am nächsten Tag nochmals aufzuwärmen und mit Baguette zu geniessen – und liegt damit goldrichtig!

Bebilderung: Appetitliche Aufnahmen aller fertigen Gerichte, sehr stilvoll arrangiert.

Wem schenkt man das Buch? Denen, die alle Bücher der australischen Kochbuch-Autorin Donna Hays schon durchhaben. Denen, die bevorzugt am saisonalen Wochenmarkt einkaufen. Und denen, die gern vor und nach dem Käsegang französisch geniessen.



Christina Hubbeling
Esprit de Campagne – Rezepte aus einem französischen Landhaus. AT-Verlag, ca. 50 Fr.


Einer für alles
Für Spülfaule und Österreich-Versteher

Worum gehts? Die Idee ist schon mal bestechend: Ein Kochbuch, das 80 Rezepte versammelt, die alle in einem einzigen Topf zubereitet werden können. Nicht zuletzt, weil damit das mühsame Abspülen diverser Pfannen, Kellen und Töpfe entfällt. Entstanden ist so eine muntere Mischung von Frühstücksgerichten, Eintöpfen, Suppen und Desserts, zusammengestellt von der Kulinarik-Journalistin Katharina Seiser und vom österreichischen «Gault Millau»-Koch Meinrad Neunkirchner.

Typische Passage aus dem Vorwort: «Er ist der Urmeter der Küche: ohne Topf kein Kochen.»

Ausprobiert haben wir  . . . «Serbisches Reisfleisch mit scharfen Peperoni». Nun ja, gern hätten wir vom Autorenteam gewusst, ob man die Zwiebeln hacken oder doch in Ringe schneiden und ob man den Knoblauch pressen oder kleinschneiden soll. Das Nachkochen auch nicht einfacher gemacht hat die Tatsache, dass in Österreich Paprika und Peperoni nicht das gleiche sind wie in der Schweiz. Unsere «neue Lieblingsspeise», wie es in «Einer für alles» heisst, ist das «Reisfleisch» jedenfalls nicht geworden, dafür war es nach der guten Stunde, die rezeptiert ist, leider noch zu zäh.

Bebilderung: Die seitengrossen Fotografien wirken teilweise ein wenig überarrangiert. Wenn es in den gezeigten Töpfen und Tellern wenigstens dampfen würde, nähme man dieses Kochbuch ernster.

Wem schenkt man das Buch? Denen, die gern mit Ikea-Bauplänen hantieren. Und fest daran glauben, dass das Ganze eigentlich schon funktionieren müsste . . .


Katharina Seiser und Meinrad Neunkirchner
Einer für alles – 80 Rezepte und ein Topf. Brandstätter-Verlag, ca. 42 Fr.


Vegetarier-Glück
Der neue «Ottolenghi»

Worum gehts? Nicht nur Vegetarier haben sehnsüchtig auf das neue Werk des Israelis Yotam Ottolenghi gewartet, der schon mit den Kochbüchern «Genussvoll vegetarisch» und «Jerusalem» für Furore sorgte. Immerhin wird er in seiner Wahlheimat England als neuer Jamie Oliver gehandelt. Nun ist der neue «Ottolenghi» also da, geboten werden wiederum unterschiedlichste Rezepte, die ohne Fleisch auskommen und vom Nahen Osten inspiriert sind.

Typische Passage aus dem Vorwort: «Als ich vor acht Jahren die Aufgabe übernahm, wöchentlich ein vegetarisches Rezept für den «Guardian» zu verfassen, (. . .) befürchtete ich, in die «Der kocht nur Gemüse»-Schublade gezwängt zu werden.»

Ausprobiert haben wir . . . «Polentachips mit Avocadodip». Gescheitert sind wir höchstens am Versuch, in sinnvoller Zeit biologisch produzierte Limetten aufzutreiben. Und gefragt haben wir uns, warum man Schnittlauch in Gramm statt in Esslöffeln rezeptiert. Wider Erwarten problemlos war es, die auf eine Dicke von 2 Millimetern glatt gestrichene Polenta vom Backblech zu heben, in Weizengriess zu panieren und in Sonnenblumenöl zu frittieren. Allerdings braucht es ein wenig Geduld, bis man zwei solcher Bleche zu wunderbar knusprigen Premium-Nachos verarbeitet hat.

Bebilderung: Farbintensiv, sehr sinnlich.

Wem schenkt man das Buch? Denen, die sich für nächstes Jahr vorgenommen haben, ihren Fleischkonsum nun doch einzuschränken. Und denen, die die vorhergehenden Bücher auch wirklich nachgekocht haben.


Yotam Ottolenghi
Vegetarische Köstlichkeiten, Dorling-Kindersley- Verlag,
ca. 38 Fr.


Donnas Küche
Seligmachendes aus Down Under

Worum gehts? Muss man Donna Hay noch vorstellen? Die australische Beststeller-Autorin ist eine Garantin für originelle Gerichte aus allen möglichen Sparten, die erst noch problemlos gelingen. Sei es nun glasiertes Limetten-Ingwer-Hühnchen oder Kartoffelsalat mit Korianderpesto. Teilweise merkt man den Rezepten an, dass in Down Under manche Zutaten wie Krabbenfleisch oder asiatisches Gemüse verbreiteter sind als bei uns.

Typische Passage aus dem Vorwort: «Ich hoffe, dass damit Ihr Repertoire von Lieblingsgerichten um viele neue Kreationen bereichert wird. Donna»

Ausprobiert haben wir . . . «Fischküchlein mit Knoblauch-Kapern-Mayonnaise». Wie bei Donna üblich, hat das Nachkochen fast im Schlaf funktioniert. Nicht umsonst wird etwa bei der Mayo auf ein Fertigprodukt zurückgegriffen, das dann mit den anderen genannten Zutaten angereichert wird. Die Grundmasse aus je einem halben Kilo Fisch und Kartoffeln haben wir übrigens nicht wie rezeptiert als vier grosse Kuchen, sondern als gut zwei Dutzend kleine Küchlein gebraten. Sonst wären die Portionen ein wenig zu deftig geworden.

Bebilderung: Offenbar hat die TV-Köchin deutlich mehr unterschiedliches Geschirr zur Verfügung als unsereins. Nicht übel sind die bei manchen Rezepten auftauchenden «Step by Step»-Bildstrecken.

Wem schenkt man das Buch? Denen, die ihre Mails (wie die Titel im Buch) ohne Grossbuchstaben schreiben. Und denen, die andere Bücher von Donna Hay auch tatsächlich in der Küche verwenden.


Donna Hay
Die neuen Klassiker – Donnas Favoriten, über 300 Rezepte, AT-Verlag, ca. 50 Fr.


Standardwerk
Die Bibel der italienischen Küche

Worum gehts? In Italien existiert «Der Silberlöffel» seit über 60 Jahren, und seit 2006 ist auch eine deutsche Version des Standardwerks auf dem Markt. Es gibt kaum eine klassisch-italienische Zubereitung, die man unter den 2000 Rezepten nicht findet – kein Wunder, dass sich das Buch, das nun in einer aktualisierten Ausgabe neu erschienen ist, weltweit schon über eine Million Mal verkauft hat.

Typische Passage aus dem Vorwort: «Es war uns wichtig, die Speisen in den Mittelpunkt der Betrachtung zu stellen, ohne die kleinen Mängel zu verdecken, die gerade die Hausmannskost so attraktiv machen.»

Ausprobiert haben wir . . . «Seeteufel mit Blumenkohl und Frühlingszwiebeln», wobei es gar nicht so einfach war, eine anspruchsvollere Zubereitung im «Silberlöffel» zu finden. Funktioniert hat es, auch wenn die Sauce zum Fisch aus Weisswein, Butter und Rahm weniger stark gebunden hat als erwartet. Das grösste Problem war das Timing: Beim Heimversuch war der Blumenkohl, der wunderbar mit Zitrone aromatisiert wird, schon parat, als der Fisch noch weitere 20 Minuten brauchte.

Bebilderung: Die meisten Zubereitungen kommen ohne Illustration aus, geht es doch darum, zu zeigen, was man mit Lebensmitteln wie Karotten oder Hammelkeule überhaupt machen kann.

Wem schenkt man das Buch? Denen, die Kochen als ihr Hobby bezeichnen und das Standardwerk aus unerfindlichen Gründen noch nicht besitzen.


Der Silberlöffel
Diverse Autoren, Phaidon-Verlag, ca. 56 Fr.

Erstellt: 19.12.2014, 18:38 Uhr

Bildstrecke

TA-Gastrokritiker kocht Ottolenghi

TA-Gastrokritiker kocht Ottolenghi Daniel Böniger hat Rezepte aus Kochbüchern nachgekocht, die sich perfekt als Weihnachtsgeschenke eignen. Darunter auch Polentachips mit Avocadodip aus dem neuesten Buch von Yotam Ottolenghi.

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