Darf man essbare Tischdekoration sofort runterschlingen?

Die Antwort auf eine Frage, die uns vor Weihnachten besonders beschäftigt.

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Kürzlich waren meine Partnerin und ich (beide um die 25 Jahre alt) zu einem Mittagessen mit mehreren Gästen eingeladen. Da waren auf dem Tisch Teller, die mit einer Serviette und einem Schokoladentaler dekoriert wurden. Die einen Gäste assen die Schokolade schon vor der Vorspeise. Danach gab es eine grössere Diskussion, ob man das tun dürfe. Ich bin der Meinung, dass dies erst nach dem Hauptgang erlaubt ist. Jedoch sagt meine Partnerin, wenn eine essbare Dekoration von Anfang an auf dem Teller liege, so dürfe man diese durchaus bereits vor der Vorspeise ver­zehren. Gerne würde ich von Ihnen erfahren, zu welchem Zeitpunkt es angebracht ist, diese kleine Süssigkeit zu geniessen. D. P.

Lieber Herr P.,

oh, wie sich mein Herz in allerrasantester Weise für Sie erwärmt hat! Ein ­junger Mensch!, der ein Flair für Feinheiten! an den Tag legt – da schmelze ich dahin, da ist es um mich geschehen, da schöpfe ich wieder Hoffnung dahingehend, dass die Menschheit eventuell doch nicht vor die Hunde geht.

Wer sich aufgrund einer Winzigkeit wie eines auf einem Teller platzierten Schokoladentalers Fragen stellt, hat ein Auge fürs Detail, und wer das hat, geht behutsam durchs Leben. Wir hier in dieser unserer Rubrik sind total pro Behutsamkeit und jetzt und heute insbesondere hinsichtlich der Causa Schokoladentaler, der wir uns nun mit der gebührenden Sorgfalt annehmen wollen.

Wir wollen aber gegen Ende des Jahres nicht mehr streng sein.

Vermutlich haben Sie recht. Eine essbare Tischdekoration sollte wohl in der Tat erst nach dem Hauptgang verputzt werden, so streng gesehen (man muss auch an die Vorbildfunktion denken, gerade, wenn Kinder anwesend sind, nicht wahr). Wir wollen aber gegen Ende des Jahres nicht mehr streng sein. Insbesondere deshalb nicht, weil es bei einem ­Essen – es sei denn, es handle sich um eines der schrecklich formellen Sorte – ums Zusammensein geht. Darum, dass sich eine Runde munter und geistreich und angeregt unterhält.

Dem kann so ein Schoggitaler nur förderlich sein, Schoggi macht froh und freundlich. Zudem zeugt es von einem gesunden Appetit und damit auch von Lebenslust, wenn man den reinhaut, ­bevor es überhaupt losgeht mit der Vorspeise. Dieses Mampfen eines Schoggitalers verströmt Vergnügtheit, und die ist unbedingt wünschenswert und macht einen guten Gast aus. Denn diese freudlosen Vis-à-vis, die sich jedes Stück Brot verklemmen, verbreiten ja schon genügend Langeweile, und das wiederum ist der unverzeihlichste Fauxpas überhaupt.

Haben Sie Fragen? Schicken Sie sie an gesellschaft@tagesanzeiger.ch (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.12.2017, 08:22 Uhr

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