Das Bahnhobuffet ist tot, es lebe das Bahnhofbuffet

In kleinen Bahnhöfen gibts Apartes zu essen und zu trinken.

Buffetgemächlichkeit abseits der Zentren: Bahnhofsbuffet Horw. Foto: Verena Tempelmann

Buffetgemächlichkeit abseits der Zentren: Bahnhofsbuffet Horw. Foto: Verena Tempelmann

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Gestern hatte das Buffet im ersten Stock des Bahnhofs Luzern seinen letzten Tag. Ein grandioser Blick auf die Schienen war sein Markenzeichen, die Bähnler kamen von überall. Und die Touristen. Und die Pensionierten. Die Kalbsleber mit Rösti tat es allen an, man jasste. Als die SBB vor längerem den Plan verkündeten, dort ihr Reisezentrum einzurichten, war der Protest riesig. Er bewirkte, dass es auf kleinerem Raum später wieder irgendein Bahnhofsrestaurant geben soll.

Das Buffet Luzern im alten Stil aber ist tot. Und der bewährte Chef geht.

Das tut weh. Doch wer jetzt das Verblassen der guten alten Buffetherrlichkeit beklagt, klingt heuchlerisch. Denn wer von uns nutzt nicht den schlanken Anschluss, hetzt also in vier Minuten von Perron zwei nach Perron fünf? Allerhöchstens ein Kaffee vom Kioskwägeli liegt noch drin. Wer von uns unterbricht die Fahrt für anderthalb Stunden, um im Bahnhof in Ruhe zu essen? Wir haben uns alle auf Effizienz getrimmt. Kein Wunder, sind all die Buffets, die nur eine mässige Rendite brachten, gestorben.

Richten wir uns lieber neu in unserer Gegenwart ein, statt zu jammern. McDonald’s, Starbucks und andere Ketten haben die grossen Bahnhöfe übernommen. Und auch das hat bisweilen seinen Reiz. In Solothurn etwa stuhlt das Spettacolo auf das Perron hinaus, auf dem der Zug nach Zürich kommt. Man nimmt den letzten Schluck Bier, wenn der Zug vor einem hält, geht die drei Meter zur Tür und steigt ein; eine elegante Verschränkung von Konsum und Verkehr.

Vor allem aber sind da die kleinen Bahnhöfe. Abseits der Zentren blüht Apartes. In Göschenen gibt es im Biströchen nichts Weltbewegendes, jedoch tolle frische Schinkenbürli und gratis dazu die Fachsimpeleien der Gleisarbeiter. In Männedorf bietet der Ökoladen im Bahnhof echt guten Kaffee. In der Station von Noiraigue NE probiert man Wurst, Käse, Absinth aus dem Val de Travers; das ist eine Wucht. Und in Gryon VD lockt das Buffet de la Gare mit saftigem welschem Essen samt Blick auf den Grand Muveran. Und so weiter.

Heutige Grossbahnhöfe sind übel beeilt. Weiter draussen ist an den Schienen viel Kleinkunst zu finden.

Erstellt: 26.04.2014, 08:26 Uhr

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