Das Weihnachtsguetsli-Abc

Von Aarau bis Zürich ist Hochsaison für Guetsli, was andernorts geknabbert wird, finden Sie unter D wie Dialekt.

Lassen Sie die Finger von F wie Fertigteig: Die paar Zutaten sind schnell gemischt, und Selbstgemachtes schmeckt besser. Foto: Sabina Bobst

Lassen Sie die Finger von F wie Fertigteig: Die paar Zutaten sind schnell gemischt, und Selbstgemachtes schmeckt besser. Foto: Sabina Bobst

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A wie Anischräbeli

Wer isst die eigentlich? Fragt man sich jedes Jahr, denn der Sohn und die Grossmutter (mit den dritten Zähnen) finden die Chräbeli zu hart. Und der ­Onkel mag Anis an Weihnachten nur als Schnaps.

B wie Betty Bossi

Die fiktive Gestalt ist gewissermassen die oberste Schweizer Guetsli­bäckerin überhaupt. Man hat ihr sogar verziehen, dass sie aus Marketingzwecken in ihren Rezepten lange auf Margarine statt auf Butter setzte.

C wie chic

Die vielleicht glamourösesten Guetsli sind natürlich Zimtsterne. Zwei Seelen wohnen aber, ach, in ihrer Brust: Die Oberfläche eines Zimtsterns ist glatt und leicht glänzend. Sein Körper hat eine bräunliche Farbe und schmeckt nach Zimt. Hat das Biss? Im Idealfall knackt es, wenn man auf die dünne Kruste beisst, das ­Guetsli selbst ist weich. Das hat schon ziemlich Stil, nicht?

D wie Dialekt

Güezi in Bern, Guzeli in Basel, Guetsli in und östlich von Zürich, und dann sind da noch die Schaffhauser Wiigueteli: jedem Dialekt seine Aussprache. Verständnisprobleme gibt es jedoch kaum.

E wie einfrieren

Natürlich kann man fertigen Guetsliteig bis zu drei Monate im Tiefkühler aufbewahren. Bloss: Wer macht seinen Teig schon im ­September? Respektive wer isst noch Brunsli Ende März?

F wie Fertigteig

Nun ja, man hat schon einiges ob in der Adventszeit – aber reicht die Zeit wirklich nicht, um die paar ­Zutaten (siehe Rezepte unter G, K, M und V) zu verarbeiten? Schliesslich bäckt der Nachwuchs mit, und der soll ruhig wissen, wie gute Guetsli gehen.

G wie Grassins

Zutaten:

  • 200 g weiche Butter
  • 125 g Zucker
  • 1 Päckchen Vanillezucker
  • 1 Prise Salz
  • 1 Eigelb
  • 275 g Mehl

Zubereitung: Butter rühren, bis sich Spitzchen bilden. Vanille­zucker, Zucker und Eigelb beigeben und rühren. Mehl beigeben und zu einem Teig kneten, zu einem ­Ziegel formen und in Folie packen. 30 Minuten kühl stellen. Teig portionieren und 4 mm dick auswallen. 15 Minuten kühl stellen. Rondellen von 4 cm Durchmesser ausstechen. Auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen. Im auf 170 Grad vorgeheizten Ofen 12 bis 13 Minuten backen.

H wie Haltbarkeit

Die meisten Guetsli halten aufgrund des hohen Zuckergehalts mehrere Wochen. Aber ganz ehrlich: Wenn sie schmecken, überleben sie keine drei Tage.

I wie Ingwer

Einige, zugegeben, sehr vorwitzige Backrezepte verwenden als Ingredienz Ingwer. Die Knolle gibt den Guetsli eine leichte Schärfe und macht sie erst noch gesund. Ingwer hilft nämlich – anders als die Zutaten Zucker, Mehl oder Eiweiss – sehr zuverlässig gegen Erkältungs­beschwerden.

J wie Jesses!

Ein geläufiger Ausruf, wenn man nach einem Monat Guetsligenuss auf die Waage steht. Tatsächlich sind zum Beispiel Mailänderli, egal in welch herziger Form sie auch immer gestochen wurden, Schwergewichte: Ein Stück hat ungefähr 50 Kalorien.

K wie Kokosmakrönli

Zutaten:

  • 3 frische Eiweiss
  • Salz
  • 100 g Zucker
  • 200 g Kokosraspel

Zubereitung: Eiweiss mit einer Messerspitze Salz steif schlagen. Zucker nach und nach beifügen, bis der Eischnee glänzt. Sorg­fältig Kokosraspel unterheben. Portionenweise aufs Backblech geben und über Nacht trocknen lassen. 10 Minuten bei 180 Grad in der Ofenmitte backen.

L wie Liedgut

«Zimetschtern han i gern» wurde 1998 vom Musiker Andrew Bond auf dessen erstem Album veröffentlicht – und wer selber Kinder hat, dürfte das Mundart-Cover von «Jingle Bells» nur allzu gut kennen. Schön an beiden Songs: ­Obwohl sie in der Adventszeit ­gesungen werden, sind sie sozusagen konfessionslos, die Texte gehen nämlich nicht direkt auf das Weihnachtsfest ein.

M wie Mailänderli

Zutaten:

  • 250 g weiche Butter
  • 250 g Zucker
  • 2 grosse Eier
  • 1 Biozitrone
  • 500 g Mehl

Zubereitung: Butter, Zucker und Salz verrühren, Eier beigeben und rühren, bis die Masse hell wird. Schale der Zitrone abreiben und mit dem Mehl beigeben. Den Teig 2 Stunden kühl stellen, etwa 7 mm dicke Guetsli ausstechen, mit Eigelb bestreichen, bei 200 Grad 10 Minuten backen.

N wie Nüsse

Allergien lauern überall – aber Guetsli ohne Mandeln, Hasel- und Walnüsse ist wie Heiligabend ohne Zoff.

O wie Ochsenauge

Ein anderer Name für Spitzbube. Das ist weniger charmant natürlich, aber durchaus geeignet für die Überbrückungszeit zwischen Weihnachten und Advent.

P wie Panettone

Ist zwar kein Guetsli, im Süden aber das Weihnachtsgebäck schlechthin. Auch Deutschschweizer Bäckereien setzen im Advent auf die Mailänder Spezialität. Die diesjährige Weltmeisterschaft gewann übrigens Massimo Ferrante aus Genua vor zwei Tessinern: Marzio Monaco aus Losone und Luca Poncini aus Maggia.

Q wie Quelle

Schon 1330 soll es «confectae» gegeben ­haben, behauptet ein Buch, das rund 560 Jahre später in Wien herauskam. Früheste Quelle für Zimtsterne ist die «Basler Kochschule» von 1877.

R wie Reue

Im Januar ist die Frage auf der Waage halt: Wars der Alkohol? Oder warens wirklich die Guetsli?

S wie Salz

Viele süsse Guetslirezepte gewinnen an Wohlgeschmack, wenn man dem Teig einen Teelöffel Salz befügt.

T wie Tirggel

Das dünne, flache Honiggebäck aus dem Kanton Zürich ist vielleicht der Vater aller Guetsli: «Als ‹Tirggel, Türggeli, Dirggel› bezeichnete man früher verschiedenstes Kleingebäck, vor allem solches, das dünn, flach und mit Bildmotiven versehen war – was auf den Tirggel zutrifft», steht im «Kulinarischen Erbe der Schweiz».

U wie Unglück

Guetsli backen hat auch etwas mit Ü wie Übung zu tun. Es kommt nicht von ungefähr, dass Spitzenköche Backen oft nicht zum Kochen zählen. Präzision ist gefragt – wird geschlampt, gibt es u wie umgehend ein Unglück.

V wie Vanillekipferl

Zutaten:

  • 250 g Mehl
  • 100 g gemahlene Mandeln
  • 100 g Puderzucker
  • 1 Päckli Vanillezucker
  • 200 g Butter, kalt
  • 1 Ei

Zubereitung: Alle Zutaten bis und mit Vanillezucker mischen. Butter flockenweise zugeben und von Hand zu einer krümeligen Masse verreiben. Ei beigeben, mischen und 2 Stunden kühl stellen. Kipferl formen, nochmals 15 Minuten kühl stellen, bei 160 Grad 15 Minuten backen.

W wie Wetter

Unter ­Guetsli gibt es Diven wie unter Menschen. Zarte Seelen, bei denen statt Mehl gemahlene Mandeln gebraucht wurden, vertragen feuchte Luft nur schlecht. Sie werden gummig, noch bevor sie in der Dose landen. Deshalb unbedingt gut verschliessen, ­bevor man sie dann durchaus draussen lagern kann.

X wie X-mas

So wird die Saison für Weihnachtsguetsli im Englischen gern abgekürzt. Übrigens steht die Kurzform nicht für «Crossmas», das zugegeben ähnlich klingt wie «Christmas», ­sondern für den griechischen Buchstaben X, also Chi, der gern als Symbol für Christus verwendet wird.

Y wie YB

Es ist ziemlich einfach, einen Berner Fussballfan mit Guetsli, pardon: Güezi zu erfreuen. Zweifarbige Sablés – einmal mit und einmal ohne Schoggipulver gemacht – sehen aus wie die Trikots der Young Boys. Relativ einfach kann man auch alle Anhänger anderer Vereine beschenken: Mailänderli mit einem Guss aus entsprechender Lebensmittelfarbe bestreichen. Und es wird wohl irgendwo auch Ausstechformen geben, die so aussehen wie T-Shirts.

Z wie Zimtsterne,

noch einmal (siehe auch C wie chic). Bei einer Erhebung vor ein paar Jahren lag der Zimtstern an der Spitze, was den Offenverkauf anging. Mit 40 Prozent und damit grossem Abstand auf die zweitplatzierten Mailänderli (26 Prozent) war er das beliebteste gekaufte Guetsli überhaupt.

Erstellt: 06.12.2019, 21:52 Uhr

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