Das modifizierte Nationalgetränk im Test

Wir haben die beiden neuen exotischen Rivella-Variationen getestet. Das neue Cliq dürfte noch für Diskussionen sorgen.

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Wer erinnert sich nicht an die Tischsets im Restaurant, die unsere Skinationalmannschaft als Rivella-Werbeträger zeigten? Das Getränk, das 35 Prozent Milchserum enthält, gehört zu den fünf beliebtesten inländischen Marken. Und so nennt sich das Traditionshaus, das auf eine über sechzigjährige Geschichte zurückblickt, auch selbstsicher «offizieller Durstlöscher der Schweiz».

Doch so gut der Ruf einer Marke ist – man darf sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Das weiss man auch beim Rivella-Firmensitz in Rothrist – und lanciert diesen Monat zwei neue Rivella-Sorten: die Linie namens «Cliq» gibt es in den Aromen Rhabarber und Pfirsich.

Blau, grün, gelb

Es ist nicht das erste Mal, dass das Sortiment von Rivella – der Name kommt vom italienischen «rivelazione», was so viel wie «Offenbarung» bedeutet – erweitert wird: Zum 1952 lancierten Rivella rot kam schon wenige Jahre später die zuckerlose Variante Rivella blau hinzu, dies übrigens Dekaden bevor die Light-Welle Europa erfasste. 1999 wurde das grüne Rivella, das Grüntee-Extrakt enthält, auf den Markt gebracht. Nicht genug: Zwei Jahre nach dem Tod des Firmengründers Dr. Robert Barth versuchte man 2009 erneut, die Markenfamilie zu vergrössern: Bloss wurde das mit dem Slogan «Lang lebe anders!» beworbene Rivella gelb auf Basis von Sojamilch kein Verkaufsschlager. Und ja, tatsächlich schnödeten viele bereits über das Getränk, bevor sie es überhaupt probiert hatten.

Bei der neuen Cliq-Linie ist der Konzern, der jährlich fast 140 Millionen Franken umsetzt, mit Vorsicht vorgegangen: Via Social Media konnten die Rivella-Fans sich an der Ideenfindung beteiligen, «um in einen Dialog mit unserer Zielgruppe zu kommen», wie es im Pressetext heisst. Konsumentenumfragen bestätigten in einem zweiten Schritt, dass gut vier Fünftel aller Probanden die neuen Aromen mögen.

Wie Brausepulver

Wie schmeckt das Getränk? Da auch die beiden Neulinge auf Milchserum basieren, ist in der Nase und am Gaumen die typische Rivella-DNA deutlich zu erkennen. Leider wirken die Aromen von Rhabarber und Pfirsich aber künstlich zugesetzt und bonbonartig, sodass die Getränke doch einiges an Frische vermissen lassen. Ja, sie erinnern sogar ein wenig an aufgelöstes Brausepulver. Dass der Geschmack noch stundenlang im Mund nachklingt, macht die Sache nicht besser. Wie schwierig es ist, Pfirsich in ein Erfrischungsgetränk einzubauen, zeigt ja schon seit vielen Jahren ein entsprechender Eistee, von Lipton lanciert. Dass es durchaus gut funktionieren kann, mit Rhabarber zu aromatisieren, zeigt dagegen das Berliner Getränk Hofgarten Sauer Rhabarberschorle, das auf angenehmste Weise den Mund zusammenziehen lässt. Ob das neue Rivella Cliq so erfolgreich sein wird, wie es die Schweizer Skinati mal war? Die Diskussion ist schweizweit eröffnet. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.05.2014, 14:58 Uhr

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