Der Kult ums staubigste Guetzli

Während die Armee immer weniger Militärbiscuits produziert, ist die zivile Nachfrage nach dem Brotersatz enorm. Doch das VBS hatte nicht immer Freude daran.

Trocken, aber beliebt: Militärbiscuit.

Trocken, aber beliebt: Militärbiscuit.

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Das Tenue wechselte, Soldaten bekamen ein neues Sturmgewehr in die Hand und sie wurden mit besseren Fahrzeugen transportiert. Doch ein Gut der Schweizer Armee übersteht seit 50 Jahren jede Ausmusterung und Neuorientierung: das Militärbiscuit. Als Schüler hat man bei Soldaten darum gebettelt, später in der Rekrutenschule konnte der eine oder andere den trockenen Brotersatz nicht mehr sehen.

Doch auch das Biscuit spürt langsam das Alter: 2006 wurden noch eine Million Portionen hergestellt, Ende 2009 nur noch 730'000 Portionen. Basler Läckerli, Getreidestängel und andere Produkte aus dem zivilen Snacksortiment sind bei den Soldaten als Zwischenverpflegung inzwischen gefragter.

Im Zivilleben hoch im Kurs

Dagegen scheint die trockene Kost im Zivilleben umso beliebter zu sein. «Die Nachfrage ist enorm, wir konnten in den vergangen neun Monaten keine Militärguetzli mehr liefern», sagt Ernst Gerschwiler vom Armeeshop Bern. Seit acht Jahren bietet er die Biscuits auf Armeeshop.ch an - für Fr. 1.60 pro Packung. Die nächst Lieferung wird Ende Mai erwartet. Einige Kunden würden gleich ganze Kartons bestellen, also 48 Portionen und mehr kaufen. Allerdings handelt der Shop mit ganz anderen Grössenordnungen als die Armee - er setzt pro Jahr 10' 000 Portionen um. Andere Grosseinkäufer ordern aber bis zu 100'000 Portionen. An einer Liqudation in Lyss, die vom 21. Mai bis 5. Juni in der Seelandhalle stattfindet, bieten die Veranstalter ebenfalls die Kost an.

Armee schritt ein

Lange konnten die Shops die Biscuits direkt bei der Armee bestellen, doch das sei schliesslich untersagt worden, so Gerschwiler. Der Grund: «Der Handel mit Armeeproviant durch die Truppe ist reglementarisch verboten. Trotzdem tauchten hier und dort wieder grössere Mengen im Handel auf», sagt Reto Walther, Systemmanager Verpflegung beim VBS. Welche Mengen hier genau gehandelt wurden, kann er nicht beziffern. Die privaten Verkäufer haben die Biscuits laut Walther teilweise zum dreifachen Einstandspreis verkauft. Deshalb habe man den Handel mit den Biscuits in der bisherigen Form unterbunden.

Gleichzeitig kam die Armee den Händlern entgegen: Seit 2009 darf Kambly, das die Militärbiscuits für die Soldaten herstellt, ein zusätzliches Kontingent für private Händler produzieren – mit einer anderen Verpackung. Man erhalte immer sehr viele Anfragen von privaten Wiederverkäufern. Das Interesse sei ungebrochen, sagt Rudolf Winzenried, Generalsekretär bei Kambly. Die Privathändler bleiben aber indirekt von der Bestellung der Armee abhängig, was auch die Engpässe erklärt. Denn nur wenn Kambly einen Produktionsauftrag erhält, was bis zu zweimal pro Jahr der Fall ist, wird auch das Kontingent für die Händler hergestellt. «Die Produktion ist ziemlich aufwendig, da wir jeweils unsere Produktionsstrasse anpassen müssen», so Winzenried . Die Herstellung der Biscuits sei für das Unternehmen sicher nicht hochprofitabel, aber die Kosten seien gedeckt. Pro Stunde können etwa 420 Kilogramm produziert werden.

Als Zwischenverpflegung hat neben dem Militärbiscuit nur noch die Schokolade als reines Armeeprodukt überlebt. Allerdings wurde auch hier per 1. Mai 2005 die frühere schwarze Schokoloade von Stella ausgemustert. Der Hersteller im Tessin produziert sie aber weiter im Originalrezept und verkauft sie an Shops. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.05.2010, 09:01 Uhr

Nahrhaft: Eine Portion zu 100 Gramm enthält 450 Kalorien.

Nach Originalrezept

Die Armee suchte in den 1950er Jahren einen Brotersatz der gut haltbar war und den wenig beliebten Militärzwieback («Bundesziegel») ablöste. «Es sollte etwas geben, dass den Soldaten mehr Freude macht», sagt Rudolf Winzenried, Generalsekretär bei Kambly. Oscar J Kambly, Unternehmenseigner der zweiten Generation, entwickelte das Rezept. Das Biscuit ist geschmacksneutral. Ob mit Schoggi, Wurst oder Käse - es muss immer gleich gut schmecken.

Die Zusammensetzung ergibt sich aus den Vorgaben der Armee bezüglich Nährwert und Haltbarkeit. Der Teig besteht unter anderem aus Weizenmehl, Kartoffelstärke, Traubenzucker und Magermilchpulver. Das Grundrezept von Kambly hat sich seit der Premiere kaum verändert. Grösste Änderung: Man setzt mittlerweile auf ungehärtete Fette, weil diese gesünder sind. (Quelle: Kambly)

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