Die Frau mit dem Schoggijob

Für Kerrin Rousset ist Zürich zuckersüss. Die US-Foodbloggerin kennt die beste Schokolade und die schönsten Konditoreien – und gibt ihr Wissen auf Stadtrundgängen weiter.

Macht auf einer ihrer Süssigkeiten-Touren Halt an der Boutique Truffe an der Schlüsselgasse: Kerrin Rousset.

Macht auf einer ihrer Süssigkeiten-Touren Halt an der Boutique Truffe an der Schlüsselgasse: Kerrin Rousset. Bild: Doris Fanconi

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Kerrin Rousset isst sich durch die Welt. Von Alaska bis Sambia haben sie ihre Reisen schon geführt. Wo immer die New Yorkerin gerade ist, erkundet sie den Ort, die Stadt, das Land über die lokalen Desserts. Sie spricht mit den Bäckern, Konditoren und Chocolatiers. Probiert sich durch ihr Sortiment, fragt nach den Rezepten und hält ihre Entdeckungen fest.

Ist die 32-Jährige gerade nicht auf Reisen, schweift sie in Gedanken in die Ferne, liest ein Reisemagazin oder lässt sich von einem Kochheft inspirieren. Die Reiseberichte oder Rezepte, die ihr gefallen, archiviert sie. Für jedes Land auf ihrem kulinarischen Radar führt sie einen farbigen Ordner. Kroatien ist türkis, Portugal grün, Frankreich blau und die Schweiz – natürlich – rot. «Ich bin gut organisiert, man könnte es schon fast neurotisch nennen», sagt sie lächelnd. Interessiert sie ein Rezept, probiert sie es gleich aus, fotografiert die Biskuits oder den Kuchen.

Ins Herz des Gugelhopf-Kontinents umgezogen

Zehn Jahre lang war Rousset eine Bloggerin mit Block und Stift und mailte die Rezepte bloss ihren Freunden und Verwandten. Mit dem Umzug nach Zürich vor drei Jahren hat sie ihre Arbeit ins Netz verlegt. Ihr Blog heisst Mykugelhopf.ch, eine Hommage an den Kuchen aus Hefeteig in Kranzform.

Ob Kouglof, Kuglopf, Kougloff, Kougelhopf oder Gouglof, Gouglhof, Gugelhupf – Rousset hat sie alle schon degustiert. Ins Zentrum Europas zu ziehen, hat für Rousset also auch bedeutet: ins Herz des Gugelhopf-Kontinents zu hupfen. Sie tat das ganz sorglos, begleitete ihren Mann nach Zürich, ohne je dort gewesen zu sein. «Das war schon mutig», sagt sie, «doch ich vertraute dem Urteil meines Mannes.» Bereut habe sie das nie. «Zürich ist fast zu gut, um wahr zu sein.»

Immer dem Gaumen nach

Natürlich hat sie auch Zürich mit ihrem Gaumen erkundet, stets auf der Suche nach den besten Süssigkeiten. Im Hausammann kauft sie ihren Zopf und Schokolade der Marke Felchlin. Im Schober isst sie Rüebli-Kuchen. Im Truffe trinkt sie heisse Schokolade wie in Italien und schwatzt und fachsimpelt stundenlang mit der italienischen Besitzerin Elisabetta Capei. Truffe ist ein kleines Spezialitätengeschäft für handgemachte Schweizer Schokolade an der Schlüsselgasse, das viele Einheimische noch nie bemerkt haben.

Eröffnet ein neues Geschäft, weiss Rousset immer Bescheid. So hatte sie Res Jordi, den Nougat-Fachmann, bereits vom Slow Food Market her gekannt, als dieser La Boîte à Nougat an der Löwenstrasse eröffnete. Einen aktuellen Blog-Eintrag hat sie ihm, seiner Mutter und ihren Produkten aus der Provence gewidmet. Kommen Freunde oder Verwandte zu Besuch, zeigt Rousset ihnen ihr süsses Zürich. Seit einem Jahr bietet sie ihre Sweet-Zürich-Tours auch für Touristen und Einheimische an. Natürlich gehören Degustationen genauso dazu wie Einblicke in Küche oder Backstube und Gespräche mit den Machern.

Schoggi als Bestandteil eines gesunden Lebens

Beim Blog und den Touren spürt man, dass sie nicht als Business-Idee entstanden sind. Mykugelhopf.ch liest sich wie ein witziges Mail einer Freundin, an den Touren können höchstens sechs Personen teilnehmen. Ihrer Passion zum Trotz ist Rousset eine zierliche, drahtige Frau. «Die Leute stellen sich unter einer Schokoladenliebhaberin gern eine fülligere Person vor, das stimmt.» Doch für Rousset sind Süssigkeiten nicht Dickmacher, sondern Bestandteil eines gesunden Lebensstils. Die Reise- und Foodautorin ist bewegungsfreudig und immer unterwegs, von einem Markt zum anderen, von einer Stadt zur anderen. Auch die Arbeit für den Salon du Chocolat hält sie auf Trab. Die weltweit grösste Veranstaltung rund um das Thema Schokolade gastiert vom 30. März an erstmals in Zürich.

Als Rousset in New York lebte, hat sie bereits für den Salon du Chocolat gearbeitet, in Paris besucht sie ihn jedes Jahr. In Zürich haben sie die Organisatoren mit der Aufgabe betraut, Schokoladenhersteller, Chocolatiers und Konditoren aus dem ganzen Land für Shows und Seminare zu gewinnen. Viele von ihnen werden teilnehmen – schliesslich kennt sie die meisten persönlich.


www.mykugelhopf.ch www. sweetzurich.ch

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.03.2012, 17:36 Uhr

Le Salon du Chocolat

Der Salon du Chocolat kommt zum ersten Mal in die Schweiz. Die weltweit grösste Veranstaltung rund um das Thema Schokolade gastiert von Freitag, 30. März, bis Sonntag, 1. April, in der Halle 3 der Messe Zürich. Der Salon du Chocolat ist Bindeglied zwischen den Kakao-Produktionsländern, den Chocolatiers und den Konsumenten. Und er ist eine Plattform für die Handwerkskunst und die industrielle Herstellung von Schokolade.

Auf einer Fläche von über 4000 Quadratmetern zeigen rund 60 Chocolatiers, Patissiers und Experten ihre neusten Kreationen. Sie erzählen Wissenswertes, berichten von den neusten süssen Trends oder verraten Geheim­rezepte in Liveshows. Dazu gehört auch immer die Degustation. Die Choco-Demos beginnen immer zur vollen Stunde. Für Kinder von vier bis zehn Jahren gibt es spezielle Workshops, Anmeldungen sind vor Ort möglich.

Nach internationalem Erfolg in Paris, New York, Tokio und sechs weiteren japanischen Städten, in Moskau, Shanghai, Kairo und Bologna kommt die Show nun nach Zürich. In Frankreich findet der Salon du Chocolat dieses Jahr bereits zum 18. Mal statt. Als Auftakt der Show präsentieren Models von Designern und Chocolatiers gemeinsam entworfene ­Roben aus Schokolade. Die süssen Abendkleider werden im Salon du ­Chocolat ausgestellt.

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