Die Grande Dame der Schweizer Gastronomie ist tot

Die begnadete Köchin Rosa Tschudi ist 91-jährig gestorben. Mit ihren einfachen Gerichten holte sie mehrere «Michelin»-Sterne – und bekochte einst sogar Königin Elizabeth II.

Rosa Tschudi hatte Freude am harten Knochenjob der Köchin: «Was soll ich denn sonst den ganzen Tag machen?»

Rosa Tschudi hatte Freude am harten Knochenjob der Köchin: «Was soll ich denn sonst den ganzen Tag machen?» Bild: Keystone

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Wer ihre Egliknusperli, umhüllt nur von einem Hauch Bierteig, einmal probiert hat, wird sie nie mehr vergessen. Rosa Tschudi war eine der wenigen Frauen, welche die Kochkunst in der Schweiz nachhaltig geprägt haben. Und dies notabene nicht mit ausgefallenen Kreationen, sondern mit so einfachen Gerichten wie ihrem Sauerbraten nach Grossmutterart, ihrem Schwartenmagen oder den liebevoll von Hand zubereiteten Ravioli mit Kalbfleischfüllung.

Dass die gebürtige Solothurnerin Tschudi zur Grande Dame der Schweizer Gastronomie werden würde, war nicht von Beginn weg absehbar: «Aus dir wird nie eine gute Köchin», sagte der Vater zu ihr, als sie noch im Kindesalter eine Mehlschwitze mit heissem statt mit kaltem Wasser ablöschte. Doch sollte er unrecht behalten: Insgesamt betrieb sie in ihrer über 70-jährigen Kochkarriere über ein Dutzend Restaurants auf gehobenem Niveau, brachte gar den ersten «Guide Michelin»-Stern nach Zürich und bekam mehrfach 17 Punkte vom «Gault Millau».

1991 durfte sie als einen weiteren Höhepunkt ihres langen Schaffens am Herd mit anderen Berufskollegen die Königin Elizabeth II. von England bekochen. 2008 zeichneten Gastrosuisse und der «Salz & Pfeffer»-Verlag Rosa Tschudi für ihr Lebenswerk aus. Ihren Erfolg verdankte Tschudi, wie sie selbst sagte, ihrer Ausdauer, ihrem Willen und der Freude am harten Knochenjob der Köchin: «Früher schrieb man keine Überstunden auf, da wurde einfach gearbeitet, bis man fertig war.»

Doktor Epesses und Professor Dezaley

Und nicht zuletzt waren da ihre zwei ganz speziellen Leibärzte, der Doktor Epesses und der Professor Dezaley – ein Glas Schweizer Weisswein gehörte bei ihr auch dann noch dazu, als die Anhängerin der französischen Küche dazu übergegangen war, Butter auch mal mit Olivenöl zu ersetzen, wegen der Kalorien. Gepflegtes Aussehen und eine gute Figur waren ihr auch im hohen Alter wichtig – das weiss jeder, der ihr in dieser Zeit begegnet ist –, weshalb sie wenn immer möglich Gymnastik machte oder schwimmen ging.

In den letzten Jahren war die Seniorin regelmässig als Störköchin unterwegs, vorwiegend in Landgasthöfen im Raum Zürich. Sie konnte einfach nicht sein, ohne irgendwo am Herd zu stehen, und so kamen bis fast zuletzt Feinschmecker in den Genuss ihrer Zubereitungen: «Was soll ich denn sonst den ganzen Tag machen?», meinte sie vor einigen Jahren zu Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Und andernorts vermerkte sie keck: «Wenn ich einmal den Kochlöffel zur Seite lege, könnt ihr mich gleich dazulegen.»

Am vergangenen Samstag ist Rosa Tschudi im Alter von 91 Jahren verstorben. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.10.2015, 15:41 Uhr

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