«Erfolgreich ist, wer gesund und bequem unter einen Hut bringt»

Wir wollen uns schneller verpflegen, aber eben auch besser und nachhaltiger, meint Researcherin Bettina Höchli.

McInternet? Inwiefern das Internet unsere Essgewohnheiten ändert, war die Hauptfragen der Studie.

McInternet? Inwiefern das Internet unsere Essgewohnheiten ändert, war die Hauptfragen der Studie. Bild: Keystone

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Im heute erscheinenden «European Food Trends Report» stellen Sie die These auf, dass das Internet und die Digitalisierung in unserer Ernährung weiter an Bedeutung gewinnen werden. Inwiefern?
Wir sind viel unterwegs, haben wenig Zeit. Darum setzen wir vermehrt auf Conveniencefood. Doch wollen wir unseren Hunger nicht ständig nur mit Burger und Kebab stillen. Da kommen die neuen Lieferdienste ins Spiel, die oft auch auf Nachhaltigkeit, Regionalität oder gesunde Ernährung setzen. Oft sind es Start-ups, deren Betreiber gar nicht aus der Lebensmittel-, sondern aus der Technologiebranche kommen. Statt wie früher beim Pizzaservice übers Telefon bestellen wir unser Essen künftig übers Internet. Natürlich werden auch die Programme, die im Hintergrund mitlaufen, ausgefeilter. Ein Beispiel dafür ist der US-Anbieter Instacart, bei dem man seinen persönlichen Shopper in den Supermarkt zum Gemüseeinkaufen schicken kann.

Werden wir denn so gesünder und besser essen? Oder bloss schneller?
Wir gehen in unserem Report davon aus, dass der Konsument sich tatsächlich gesünder und bequemer zugleich verpflegen wird. Erfolgreich werden diejenigen Anbieter sein, die beides unter einen Hut bringen.

Bioburger also, am Computer bestellt – gibt es denn auch Verweigerer, die von all dem nichts wissen wollen?
Auf jeden Fall gibt es die. Jeder Megatrend löst auch einen Gegentrend aus. Im Gastronomiebereich wie auch im Retail kann man sich ja jetzt schon auch mit Langsamkeit, Natürlichkeit und Bewusstsein für den Genuss profilieren.

Es gibt also eine Kluft zwischen Conveniencefood und dem Essen fürs Gewissen, das biologisch, saisonal und regional ist. Wächst dieser Graben, oder nimmt er ab?
Dieses Spannungsfeld wird weiterhin bestehen – und wohl noch grösser werden. Aber so entstehen eben auch Platz und Nischen für neue, spezialisiertere und oftmals digitale Angebote, die diese divergierenden Bedürfnisse näher zueinander bringen.

Wenn Sie selber ein Restaurant eröffnen würden, welches Konzept würden Sie wählen?
Weil ich selber nicht aus der Gastrobranche komme, würde ich wohl auf ein Pop-up-Restaurant oder ein Streetfoodlokal setzen. Der unkonventionelle Zugang zur Sache wäre mir wichtig, den würde ich unterstreichen. Wahrscheinlich würde ich regionale, vertrauenswürdige Produkte anbieten – und von Zeit zu Zeit den Standort wechseln, damit keine Routine beim Gast aufkommt.

Erstellt: 10.09.2015, 17:19 Uhr

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Bettina Höchli ist Researcherin beim Gottlieb-Duttweiler-Institut (GDI).

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