Herr Ober, zahlen bitte!

Die «SonntagsZeitung» weiss, in welchen Ländern Europas man wie viel Trinkgeld geben muss.

Trinkgeld: Auch wenn es nicht überall obligatorisch ist - eine Aufrundung des Betrags ist stets willkommen.

Trinkgeld: Auch wenn es nicht überall obligatorisch ist - eine Aufrundung des Betrags ist stets willkommen. Bild: Reuters

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Die Frage nach der richtigen Trinkgeldvergabe beschäftigt schon seit längerem. 1882 schrieb ein gewisser Rudolf von Jhering, Jurist im Deutschen Kaiserreich: «Die Bestimmung des Trinkgeldes ist Sache des individuellen Falles, es bedarf dazu erst der Überlegung, und der Mann, der nicht gewohnt ist, sein Geld einfach wegzuwerfen, wird dabei stets zwischen die Alternative des zu viel oder Zuwenig gestellt.»

Ein Mann, der offenbar nicht gewohnt ist, sein Geld einfach wegzuwerfen, ist Mark Zuckerberg. Nach dem IPO-Flop flüchtete der frisch verheiratete Facebook-Gründer nach Rom, um dort ungestört die Flitterwochen zu verbringen. Gemäss der italienischen Zeitung «Corriere della Sera» nahmen die Zuckerbergs Antipasti, Artischocken, Seebrasse, Ravioli, dazu Wasser und später ein Glas Tee zu sich. Summa summarum: 32 Euro (etwas mehr als zurzeit eine Facebook-Aktie wert ist). Ein Trinkgeld vom Milliardär gabs nicht.

«In Italien bedeutet das Krieg zwischen Gast und Wirt», schrieb dazu «Spiegel online». Den Spott hätten sich die Hamburger Journalisten sparen können, denn Zuckerberg hat gar nichts falsch gemacht. In der italienischen Gastronomie ist Trinkgeld kaum mehr üblich. Schliesslich zahlt man mit dem «Coperto» für Brot und Gedeck schon einen Zuschlag

Faustregel für Europa

Die Trinkgeldregeln im Ausland sorgen immer wieder für Verunsicherung. Konsultiert man Reisebücher und die zahlreichen Websites, variieren die Richtlinien oft sehr stark. Für Europa gibt es eine grobe Faustregel: je weiter nördlich, umso geringer das Trinkgeld.

Angesicht des hohen Preis- und Lohnniveaus in den nordischen Ländern mag es nicht erstaunen, dass in Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland Trinkgelder unüblich sind. Gegen eine Aufrundung auf den vollen Betrag wird aber niemand etwas haben.

In Deutschland, Österreich (wo Trinkgeld «Schmattes» heisst) und in den Niederlanden ist die Situation etwa vergleichbar mit derjenigen in der Schweiz: Eine pekuniäre Anerkennung ist üblich, aber nicht verpflichtend. 10 Prozent des Gesamtbetrags reichen im Normalfall aus.

Auf den Britischen Insel ist man grosszügiger: In britischen Restaurants sind 10 bis 15 Prozent die Regel, in Irland 10 Prozent – ausser es heisst auf der Rechnung «Service Charge». Trinkgeldfreie Zone sind die englischen Pubs. Wer den Barkeeper allerdings belohnen möchte, lädt ihn auf einen Drink ein.

Die Franzosen zahlen ebenfalls 10 bis 15 Prozent «Le Pourboire» und lassen es auf dem Tisch liegen.

In Mittel- und Osteuropa darf man sich ausserhalb der touristischen Zentren ruhig mit 15 Prozent oder mehr grosszügig zeigen. In Prag, Warschau, Danzig oder Budapest, wo die Löhne generell viel höher sind, reichen 10 Prozent – wenn die Bedienung nicht ausserordentlich aufmerksam war.

10 bis 15 Prozent in Spanien, Griechenland und Portugal

Reisende aus der von der Finanzkrise verschonten Schweiz sollten sich in Griechenland, Spanien und Portugal nicht knausrig zeigen, aber auch nicht mit Geld um sich werfen: am besten generell 10 bis 15 Prozent geben. Insofern darf man auch die Italiener heutzutage mit einem kleinen «Mancia» überraschen.

Es gibt übrigens noch eine andere Anekdote zu Zuckerbergs Trinkgeldgewohnheiten. Laut US-Medienberichten soll sich Zuckerberg mit seinem alten Freund, dem Napster-Gründer Sean Parker, in einer Diskothek in Hollywood getroffen haben. Beiden sollen viel Alkohol getrunken und anschliessend 5000 Dollar Trinkgeld liegen gelassen haben. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 04.06.2012, 17:43 Uhr

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