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IT-Freaks entdecken Steinzeit-Diät

Im Silicon Valley sind Pizza und Coke out. Der Mensch, der an Technologien der Zukunft arbeitet, isst wie in der Steinzeit: Fleisch, Fett und Gemüse.

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Der Apple-Gründer Steve Jobs war bekanntlich ein Diäten-Freak. Er war nicht nur Vegetarier, sondern strikter Veganer. Oft ernährte er sich tagelang von Karotten, oder er ass überhaupt nichts. Jobs war – auch was die Ernährung betrifft – eine Ausnahmeerscheinung.

Doch auch der typische Computernerd sitzt nicht mehr nächtelang vor dem Bildschirm und ernährt sich dabei von Fertigpizza und Coca-Cola. Der letzte Schrei im Silicon Valley ist gemäss «Financial Times» (FT) die sogenannte Paleo-Diät. Man isst wieder wie die Steinzeitmenschen.

Früchte der Landwirtschaft liegen uns auf

Die Theorie hinter der Steinzeit-Diät lautet wie folgt: Den Homo sapiens gibt es seit rund 100'000 Jahren, Bauern hingegen erst seit etwa 10'000 Jahren. Unser Verdauungstrakt ist daher nicht geeignet für Ackerfrüchte und Getreide. Brot, Pasta und Milchprodukte sind somit schlecht für unseren Körper. Idealerweise ernähren wir uns von Fleisch, das nicht von Tieren stammt, die mit Mais gefüttert wurden, von Fett und von Gemüse.

Als typisches Beispiel stellt die FT den Technounternehmer Dan Benjamin vor, der sich bisher von Junkfood ernährt hat – mit den bekannten Nebenwirkungen: Er wurde dick, entwickelte Anzeichen von Diabetes II etc. «Die Paleo-Diät ist unter Tech-Menschen weit verbreitet», wird Benjamin zitiert. «Nur wenige springen dabei auf einen kurzfristigen Trend auf. Die meisten haben erkannt, dass schlechte Essensgewohnheiten geradezu epidemisch verbreitet sind.»

Der Kampf gegen «schlechte Kalorien»

Die Paleo-Diät ist so neu nicht. Es handelt sich dabei um eine Weiterentwicklung der sogenannten Low-Carb-Diät. Einer ihrer bekanntesten Vertreter ist Gary Taubes. Er hat mit seinem Buch «Good Calories, Bad Calories» schon vor Jahren einen Bestseller verfasst. Auch Taubes geht davon aus, dass Kohlenhydrate relativ spät auf dem Speisezettel der Menschen aufgetaucht sind. Sie sind daher «schlechte Kalorien», will heissen: Sie regen die Insulinproduktion an, verhindern so den Abbau von Körperfett und sorgen dafür, dass wir dick werden. Gemäss Taubes ist es daher nicht so wichtig, wie viele Kalorien wir essen, sondern welche. Mit anderen Worten: Gesunde Menschen essen möglichst wenig Kohlenhydrate.

Heisst das, Vegetarier oder Veganer wie Steve Jobs haben ausgedient? Keineswegs. Paleo- und Low-Carb-Diät sind unter Fachleuten sehr umstritten. Die renommierte Ernährungswissenschaftlerin Marion Nestle beispielsweise schreibt in ihrem jüngsten Buch «Kalorien», Kohlenhydrate-Verzicht würde gar nichts bringen – ausser Mundgeruch.

Alles Fleisch, oder was?

Noch militanter geht John Robbins vor. Der Vegetarier hat den Bestseller «The Food Revolution» verfasst. Darin listet er nicht nur unzählige Studien auf, die beweisen, dass Vegetarier länger und gesünder leben. Er verweist auch darauf, dass sich die Steinzeitmenschen wahrscheinlich nur zu einem sehr kleinen Teil von Fleisch ernährt haben. Genauso wie übrigens auch unsere nächsten Verwandten und Vorfahren – die Affen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.10.2013, 10:30 Uhr

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