Weintipp

Köstlicher Chasselas für heisse Sommertage

Weinkenner Philipp Schwander schreibt über Wein und Winzer und stellt edle Tropfen vor. Diese Woche bricht er eine Lanze für den in Verruf geratenen Weinbaukanton Wallis.

Fendant wird aus Chasselas-Trauben gekeltert, und man findet – von schrecklich bis hervorragend – die unterschiedlichsten Qualitäten. Foto: Jean-Christophe Bott (Keystone)

Fendant wird aus Chasselas-Trauben gekeltert, und man findet – von schrecklich bis hervorragend – die unterschiedlichsten Qualitäten. Foto: Jean-Christophe Bott (Keystone)

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Jetzt erst recht: Es ist traurig und für alle seriösen Walliser Winzer eine Tragödie, dass wegen der Verfehlungen eines Einzelnen eine ganze Region darunter zu leiden hat. Darum breche ich jetzt ganz bewusst eine Lanze für unseren grössten Weinbaukanton. Die Rebe geniesst im Wallis nämlich ein besonders vorteilhaftes Klima und profitiert – wie die Bündner Herrschaft – vom Föhn. Regen und Feuchtigkeit, die den Winzern in der Deutschschweiz häufig zu schaffen machen, gibt es im langgestreckten Rhonetal aufgrund der schützenden Alpen wenig; und mit 2100 Sonnenstunden im Jahr ist es ähnlich warm, aber viel trockener als im Tessin. Gut ein Drittel der Walliser Rebfläche sind terrassierte Steillagen, und mehr als die Hälfte der Reben wird in aufwendig zu bearbeitenden Hanglagen kultiviert. Eine Entdeckungsreise zu diesen imposanten Rebhängen wird jeden Neuling mit Sicherheit zutiefst beeindrucken.

Interessanterweise waren die Walliser Weine aufgrund ihrer abgeschiedenen Lage lange relativ unbekannt. Noch im Jahr 1900 umfasste die Rebbaufläche im Wallis lediglich 2700 Hektaren, die Anbaufläche im Kanton Zürich war zu ­jener Zeit fast doppelt so gross! Einen enormen Entwicklungsschub bewirkte dann aber die Ende des 19. Jahrhunderts ins Wallis gebaute Eisenbahn, weil sie den Transport in die Deutschschweiz wesentlich vereinfachte.

Eine Schatzkammer für seltene Spezialitäten

Mittlerweile erzeugt eine stattliche Zahl ehrgeiziger Winzer Weine aus den verschiedensten Sorten – leider oft in sehr kleinen Mengen. Die Freude an seltenen heimischen Sorten ist verbreitet. So gilt das Wallis zu Recht als Schatzkammer besonderer, teils weitgehend unbekannter Spezialitäten wie Lafnetscha und Himbertscha. Spezielle Erwähnung verdient dabei die Petite Arvine, aus der grossartige trockene sowie süsse Weissweine gekeltert werden. Der bekannteste Walliser Wein neben dem Dôle ist aber der Fendant. Er wird aus Chasselas-Trauben gekeltert, und man findet – von schrecklich bis hervorragend – die unterschiedlichsten Qualitäten.

Ein guter Fendant kann absolut köstlich sein und eignet sich, wird er frisch und leicht ausgebaut, wie wenige Weine als Begleiter für die heissen Sommertage. Aufgrund des zugänglichen, eher neutralen Charakters kann er bei verschiedensten Gelegenheiten serviert werden und begleitet auch kalte Platten und Antipasti ausgezeichnet. Einen der besten Chasselas keltert ohne Zweifel der Winzer Gérald Besse aus Martigny, dem jedes Jahr das Kunststück gelingt, dieser Traubensorte Finesse und Brillanz zu verleihen.

Chasselas Les Bans Martigny, Gérald Besse 2013, 75 cl à Fr. 15.80 bei Vinothek Brancaia, Tel. 044 422 45 22, www.vinothek-brancaia.ch

Erstellt: 26.07.2014, 08:01 Uhr

Philipp Schwander. Foto: PD

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